Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie gefährlich sind Gase aus Schiffscontainern für Verbraucher?

05.11.2008
BfR-Expertengespräch soll vorhandene Daten sichten und Forschungsbedarf definieren

Schiffscontainer werden häufig mit Gasen zur Schädlingsbekämpfung behandelt. Hafenarbeiter, die die Container öffnen, Lagerarbeiter, die die Ware danach umpacken und auch Verbraucher, die die Waren schließlich erwerben, können mit Rückständen dieser Gase in Kontakt kommen.

Dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wurden in den vergangenen Jahren leichte Gesundheitsbeeinträchtigungen im Zusammenhang mit dem Öffnen von begasten Containern gemeldet. Messungen der Containerluft zeigten teilweise hohe Konzentrationen an Begasungsmitteln und anderen flüchtigen Chemikalien.

"Es stellt sich die Frage, ob Rückstände von Begasungsmitteln und anderen Chemikalien in den transportierten Waren so hoch sein können, dass sie die Gesundheit von Verbrauchern beeinträchtigen", sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des BfR. Erste Antworten erhoffen sich Wissenschaftler des Instituts von einem Expertengespräch, das heute im BfR in Berlin stattfindet.

Die Zahl der transportierten Container im internationalen Seeverkehr nimmt seit Jahren stetig zu. Im Hamburger Hafen werden derzeit etwa neun Millionen Container jährlich umgeschlagen. Um die Ausbreitung von Schädlingen zu verhindern, die mit Containern als "blinde Passagiere" mitreisen könnten, oder um das Transportgut selbst vor Schädlingsbefall oder Pilzen zu schützen, werden viele Container mit Schädlingsbekämpfungsmitteln begast. Messungen in den Häfen Hamburg und Rotterdam zeigten, dass die Luft in vielen Containern höhere Konzentrationen von Chemikalien aufweist, als es nach den Richtwerten des Arbeitsschutzes zulässig ist. Dabei handelt es sich nicht nur um Rückstände der Begasungsmittel, sondern auch um andere Chemikalien, die während des Transports aus den Verbrauchsgütern oder den Verpackungsmaterialien freigesetzt werden.

Begaste Container müssen nach international gültigen Vorschriften zum Seetransport gefährlicher Güter als "Gefahrgut" befördert werden. Das bedeutet, dass sie gekennzeichnet werden müssen, dass die Schiffsleitung über den Transport informiert wird und dass verschiedene Vorschriften zur Handhabung der Container eingehalten werden. Stichproben in Großbritannien und den Niederlanden deuten darauf hin, dass viele begaste Container dennoch nicht als entsprechend gekennzeichnetes Gefahrgut befördert werden. Möglicherweise sind auch in Deutschland begaste Container nicht vorschriftsmäßig gekennzeichnet.

Das BfR dokumentiert Vergiftungsfälle mit Chemikalien aus dem Arbeits- und dem Privatbereich. Seit dem Jahr 2000 wurden ihm 71 Fälle mit Hinweisen auf Gesundheitsbeeinträchtigungen nach dem Öffnen von begasten Containern gemeldet, wobei von einer erheblichen Untererfassung auszugehen ist. Betroffen waren Personen, die solche Container betreten hatten oder die in unmittelbarer Nähe der geöffneten Container standen.

Niederländische Untersuchungen von Lebensmitteln, die in begasten Containern transportiert wurden, haben in Einzelfällen Überschreitungen der Rückstandshöchstmengen für Begasungsmittel ergeben. In einem Fall war die Belastung so hoch, dass sie dem europäischen Schnellwarnsystem (Rapid Alert System for Food and Feed, RASFF) gemeldet wurde. An einigen Proben wurde auch untersucht, wie lange Produkte wie Textilien oder Möbel, die in Importcontainern transportiert wurden, Begasungsmittel und andere Chemikalien freisetzen. Meistens konnten die Chemikalien bereits nach einigen Stunden nicht mehr nachgewiesen werden. In Einzelfällen wurden sie aber auch nach Wochen und Monaten noch gemessen. Ob die gemessenen Konzentrationen so hoch sind, dass sie die Gesundheit von Verbrauchern beeinträchtigen können, ist wissenschaftlich bisher nicht geklärt.

Um sich einen Überblick über vorhandene Daten zu verschaffen und mögliche Gesundheitsrisiken für Verbraucher durch Containergase besser einschätzen zu können, veranstaltet das BfR heute in Berlin ein Expertengespräch. Etwa 50 Teilnehmer aus Universitäten, Analyseinstituten und Behörden diskutieren Untersuchungsergebnisse an Warenproben, Bewertungen von Gesundheitsrisiken für Verbraucher, Vergiftungsmeldungen, internationale Gefahrgutregelungen und praktische Erfahrungen mit diesen Bestimmungen. Für offene Fragen wird Forschungsbedarf definiert. Die Ergebnisse des Expertengesprächs werden auf der Internetseite des BfR veröffentlicht.

Dr. Irene Lukassowitz | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik