Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gebärmutterhalskrebs: Entwicklung einer Immunzelltherapie

12.03.2012
Der Auslöser für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs ist eine chronische Infektion mit humanen Papillomviren.

Im fortgeschrittenen Stadium dieser aggressiven Krebserkrankung fehlt es bis dato an gezielten Therapiemöglichkeiten. Forscher des Max-Delbrück-Centrums Berlin und des Helmholtz-Zentrums München wollen nun körpereigene Zellen des Immunsystems auf die Erkennung von virusinfizierten Krebszellen trimmen. Dabei wird den Immunzellen ein Molekül eingepflanzt, das es ihnen ermöglicht, Krebszellen spezifisch zu identifizieren und zu bekämpfen.

Gebärmutterhalskrebs ist bei Frauen weltweit die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache. Trotz der Möglichkeit einer vorbeugenden Impfung gegen die krebsauslösenden humanen Papillomviren (HPV) sind bereits erkrankte Frauen auf die Entwicklung neuartiger Behandlungsmethoden angewiesen. Die Möglichkeit, Immunzellen (T-Zellen) zu manipulieren, um bestimmte Krebsarten zu bekämpfen, wurde bei einigen Krebsarten bereits erfolgreich in klinischen Studien getestet. Die Forschergruppen in Berlin und München um Professor Wolfgang Uckert und Professor Dolores Schendel erforschen nun gemeinsam Rezeptoren von Immunzellen, die sich für die spezifische Erkennung von HPV-infizierten Krebszellen eignen.

Gemeinsam konnten die Wissenschaftler mehrere komplexe Verfahren entwickeln, die es ihnen ermöglichen, diejenigen Immunzellen aufzuspüren, die Krebszellen spezifisch erkennen und gleichzeitig gesundes Gewebe verschonen. Ob eine Zelle vom Virus infiziert ist oder nicht, überprüfen Immunzellen mithilfe spezieller Proteine, so genannter T-Zellrezeptoren. Diese erkennen winzige Bruchstücke des krebsauslösenden Virus an der Zelloberfläche infizierter Zellen.

Körpereigene Immunzellen könnten beim Kampf gegen den Krebs unterstützt werden, indem sie den Bauplan eines optimierten T-Zellrezeptors übermittelt bekommen. Dazu müssen die Forscher zuerst die Erbinformation des Erkennungsmoleküls isolieren und diese anschließend in Immunzellen von Patienten einpflanzen. „Ausgerüstet mit dem Bauplan für den optimierten Rezeptor sollten die Immunzellen den Tumor schneller erkennen und zielgerichteter bekämpfen können“, erläutert Professor Uckert, die Motivation des Projektes.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert die dafür notwendigen Arbeiten der Forscher mit rund 230.000 Euro. In dem auf zwei Jahre ausgerichteten Projekt sollen tumorspezifische T-Zellrezeptoren, die sich für eine mögliche klinische Anwendung bei Gebärmutterhalskrebs eignen, identifiziert und charakterisiert werden. Wenn sich die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit in vorklinischen Experimenten als vielversprechend erweisen, wäre dies die Grundlage für die Entwicklung einer neuartigen maßgeschneiderten Immunzelltherapie gegen Gebärmutterhalskrebs.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Kontakt (Projektleitung):
Prof. Dr. Wolfgang Uckert
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin und
Humboldt-Universität Berlin, Institut für Biologie
Telefon: +49 (0)30 9406 3307
E-Mail: wuckert@mdc-berlin.de

Sylvia Kloberdanz | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de
http://www.mdc-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aromatherapie bei COPD
12.05.2015 | Airnergy AG

nachricht Chronische Wunden können heilen
16.10.2017 | Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum - Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Im Focus: Kalte Moleküle auf Kollisionskurs

Mit einer neuen Kühlmethode gelingt Wissenschaftlern am MPQ die Beobachtung von Stößen in einem dichten Strahl aus kalten und langsamen dipolaren Molekülen.

Wie verlaufen chemische Reaktionen bei extrem tiefen Temperaturen? Um diese Frage zu beantworten, benötigt man molekulare Proben, die gleichzeitig kalt, dicht...

Im Focus: Astronomen entdecken ungewöhnliche spindelförmige Galaxien

Galaxien als majestätische, rotierende Sternscheiben? Nicht bei den spindelförmigen Galaxien, die von Athanasia Tsatsi (Max-Planck-Institut für Astronomie) und ihren Kollegen untersucht wurden. Mit Hilfe der CALIFA-Umfrage fanden die Astronomen heraus, dass diese schlanken Galaxien, die sich um ihre Längsachse drehen, weitaus häufiger sind als bisher angenommen. Mit den neuen Daten konnten die Astronomen außerdem ein Modell dafür entwickeln, wie die spindelförmigen Galaxien aus einer speziellen Art von Verschmelzung zweier Spiralgalaxien entstehen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Wenn die meisten Menschen an Galaxien denken, dürften sie an majestätische Spiralgalaxien wie die unserer Heimatgalaxie denken, der Milchstraße: Milliarden von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

bionection 2017 erstmals in Thüringen: Biotech-Spitzenforschung trifft in Jena auf Weltmarktführer

13.10.2017 | Veranstaltungen

Tagung „Energieeffiziente Abluftreinigung“ zeigt, wie man durch Luftreinhaltemaßnahmen profitieren kann

13.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ESO-Teleskope beobachten erstes Licht einer Gravitationswellen-Quelle

16.10.2017 | Physik Astronomie

Was läuft schief beim Noonan-Syndrom? – Grundlagen der neuronalen Fehlfunktion entdeckt

16.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Gewebe mit Hilfe von Stammzellen regenerieren

16.10.2017 | Förderungen Preise