Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ganzkörper-Computertomographie erhöht Überlebensrate bei Schwerstverletzten im Kreislaufschock

25.07.2013
Schwerstverletzte haben eine signifikant höhere Überlebensrate, wenn sie während der Schockraumversorgung mittels Ganzkörper-Computertomographie (CT) untersucht werden.

Eine aktuelle multizentrische Auswertung des TraumaRegisters® der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) durch die Forschungsgruppe „Polytrauma“ am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, die im Fachmagazin PLOS ONE (online 24. Juli) veröffentlicht wird, belegt erstmals den positiven Effekt dieser Untersuchungsmethode auf das Überleben von Schwerstverletzten auch im Kreislaufschock.

In enger Kooperation mit Prof. Dr. Rolf Lefering vom Institut für Forschung in der operativen Medizin (IFOM), Universität Witten/Herdecke in Köln, wurde das TraumaRegister® der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) ausgewertet. Es wurden die Daten von 16.719 schwerverletzten Patienten aus Kliniken in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Belgien und Slowenien analysiert. Die Autoren verglichen die tatsächliche und die erwartete Sterblichkeitsrate von schwerstverletzten Patienten mit und ohne Ganzkörper-Computertomographie. Die Patienten wurden in drei Gruppen aufgeteilt: 1. Patienten mit schwerem Kreislaufschock, 2. Patienten mit moderatem Schock und 3. Patienten ohne Schock. Bei kreislaufstabilen Patienten ist der Nutzen der frühen Ganzkörper-Computertomographie durch die Forschungsgruppe bereits nachgewiesen worden.

Die Anwendung der Methode bei kreislaufinstabilen Unfallpatienten wird allerdings von vielen Experten abgelehnt, ohne dass bisher wissenschaftliche Nachweise vorlagen. Es wird hierbei die Ansicht vertreten, dass eine körperliche Untersuchung, Röntgenaufnahmen der Halswirbelsäule, des Thorax und des Beckens und eine Sonographie des Abdomens bei Patienten im Schock ausreichend seien und der Einsatz der Ganzkörper-Computertomographie zu erheblichen Zeitverzögerungen bis zur Notfalloperation führe.

9.233 Patienten (55 Prozent) wurden nach Klinikeinlieferung mittels Ganzkörper-CT untersucht. Durchschnittlich dauert es zwischen drei und sechs Minuten, eine solche Untersuchung durchzuführen. 1.821 (11 Prozent) Patienten waren im schweren Schock und 4.280 (26 Prozent) im moderaten Schock. Patienten, die im Schock mittels Ganzkörper-CT diagnostiziert wurden, zeigten signifikant niedrigere Sterblichkeitsraten als zunächst erwartet. Darüber hinaus zeigte auch die risiko-adjustierte Mortalitätsanalyse mittels eines präzisen Vorhersagemodells für die Sterblichkeit auf Basis des RISC-Scores*, dass die tatsächliche Sterblichkeit bei schwerverletzten Patienten im Kreislaufschock mit Ganzkörper-Computertomographie signifikant niedriger war als die erwartete, verglichen mit den Patienten, die keine Ganzkörper-Computertomographie erhielten.

Fazit
Für die Wissenschaftler und Unfallchirurgen ergeben sich neben der Bestätigung ihres bisherigen Vorgehens interessante Hinweise auf die Erstversorgung und Ansatzpunkte für die Anforderungen an Kliniken. Nach den Ergebnissen kommt es zu einer Erhöhung der Überlebenschance von mehr als 25 Prozent. Trotz der vermeintlichen Zeitverzögerung durch die Ganzkörper-CT ermöglicht die Kenntnis des kompletten Verletzungsmusters des Patienten eine lebensrettende zielgerichtete Therapie. Stark blutende Verletzungen können somit exakt lokalisiert und präzise behandelt werden. Diejenige Verletzung, welche zu der instabilen Kreislaufsituation am meisten beiträgt, kann durch diese Art der radiologischen Untersuchung am besten und schnellsten aufgedeckt werden.

„Bereits heute“, führt Priv.-Doz. Dr. Stefan Huber-Wagner von der Klinik für Unfallchirurgie des Klinikums rechts der Isar aus, „wird im Rahmen der durch die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) initiierten Traumanetzwerkbildung für ein überregionales bzw. regionales Traumazentrum die 24-Stunden-Verfügbarkeit einer Ganzkörper-Computertomographie in Schockraumnähe gefordert. Der Trend wird sicherlich dahin gehen, noch leistungsstärkere Computertomographen baulich in den Schockraum zu integrieren.“ Die Forscher heben jedoch hervor, dass die Durchführung einer Ganzkörper-Computertomographie bei kreislaufinstabilen Unfallpatienten nur an dafür adäquat ausgerüsteten Kliniken mit entsprechend spezialisierten Teams erfolgen sollte. Das Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München ist im Übrigen durch die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie als überregionales Traumazentrum bereits rezertifiziert worden.

Am Klinikum rechts der Isar arbeitet man bereits seit Jahren erfolgreich in der Traumaversorgung mit mehreren hochmodernen 128-Zeilen-CTs. Prof. Peter Biberthaler, Direktor der Klinik für Unfallchirurgie am Klinikum rechts der Isar betont: „Mit einer entsprechenden Expertise wird dieses innovative Konzept in der Zukunft dazu führen, dass die Sterblichkeitsrate von schwerstverletzten Unfallopfern weiter gesenkt werden kann. Dies ist ferner ein schönes Beispiel dafür, wie der gezielte Einsatz von innovativer Technologie einen direkten und positiven Einfluss auf das Überleben von Unfallverletzten haben kann.“

* RISC=Revised Injury Severity Classification Score

Artikel abrufbar unter:
http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0068880
Zitierweise:
Huber-Wagner S, Biberthaler P, Häberle S, Wierer M, Dobritz M, Rummeny E, van Griensven M, Kanz KG, Lefering R, and the TraumaRegister DGU. Whole-body CT in haemodynamically unstable severely injured patients – A retrospective, multicentre study. PLOS ONE, 24th July, 2013
Kontakt:
Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Huber-Wagner
Klinikum rechts der Isar
Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie
Tel: +49-89-4140-2126
huber-wagner@mri.tum.de
www.unfallchirurgie.mri.tum.de

Tanja Schmidhofer | idw
Weitere Informationen:
http://www.unfallchirurgie.mri.tum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien als Schrittmacher des Darms

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

22.11.2017 | Geowissenschaften