Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Frühzeitige Diagnose und individuelle Behandlung von Krebserkrankungen durch Molekulare Bildgebung und Therapie

01.04.2010
Für das Jahr 2010 erwarten Wissenschaftler in Deutschland rund 450.000 neu an Krebs erkrankte Patienten. Eine frühe Diagnose sowie die schnelle Erfolgskontrolle von Therapiemaßnahmen können für sie lebensrettend sein. Durch die molekulare Bildgebung kann eine Krebserkrankung bereits oft vor dem Auftreten von Symptomen diagnostiziert, ihr Schweregrad bestimmt und der Effekt von Therapien frühzeitig nachgewiesen werden.

Eines der großen Ziele der modernen Medizin ist es, jedem Patienten eine individuell auf ihn zugeschnittene Behandlung zu bieten. Da sich die Ursachen von Erkrankungen, wie beispielsweise Krebs, aber trotz gleicher Symptome zwischen verschiedenen Patienten stark unterscheiden können, ist es für eine solche individualisierte Behandlung notwendig, die beim einzelnen Patienten vorliegenden molekularen Veränderungen nachzuweisen. Erst dann können hochspezifische Medikamente eingesetzt und die Erkrankung so ohne gefährliche Nebenwirkungen behandelt werden.

Für diese individualisierte molekulare Behandlung spielt die Nuklearmedizin eine Schlüsselrolle. Sie diagnostiziert und therapiert Erkrankungen mithilfe radioaktiver Substanzen (sogenannte Marker), die an spezifische molekulare Zielstrukturen wie Rezeptoren, Antigene, Transportproteine und Enzyme binden. Die Molekulare Bildgebung ist dabei mit ihren nuklearmedizinischen Methoden das wesentliche Bindeglied zwischen dem modernen, molekularen Krankheitsverständnis einerseits und den maßgeschneiderten molekularen Therapien andererseits. Die Nuklearmedizinische Therapie hingegen erweitert das Arsenal der molekularen Therapieformen.

Die Nuklearmedizin trägt heute vor allem mit Hilfe der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) wesentlich zur Frühdiagnose von Krebserkrankungen bei und spielt eine entscheidende Rolle bei der Beurteilung der Wirksamkeit von Medikamenten zu ihrer Behandlung. Die radioaktiven Marker setzen bei diesem molekularen Bildgebungsverfahren elektromagnetische Strahlung frei, die den Körper durchdringt. Mittels moderner Messtechnik kann diese Strahlung sehr empfindlich nachgewiesen und quantifiziert werden. Die nuklearmedizinische Messtechnik ist dabei deutlich empfindlicher als die anderer Verfahren der medizinischen Bildgebung wie beispielsweise die Magnetresonanztomographie (MRT), die Computertomographie (CT) oder das Ultraschall-Verfahren. Einzig und allein diese hohe Empfindlichkeit ermöglicht die Darstellung der in der Regel nur in extrem niedriger Konzentration vorliegenden Rezeptoren, Enzyme und Transporter. Molekulare Veränderungen werden so im Körper des Patienten sichtbar gemacht, ihr Verlauf beobachtet und die daraus entstehenden funktionellen Konsequenzen für den Organismus bestimmt. Durch die PET-Untersuchung können so z.B. Krebserkrankungen diagnostiziert, die Ausbreitung der Krebszellen im Körper sichtbar gemacht und der Erfolg von Behandlungen nachgewiesen werden.

Anders als bei anderen medikamentösen Therapien, die in der Regel "blind" und in Standarddosen gegeben werden, kann für nuklearmedizinische Therapien durch die molekulare Bildgebung bereits vor der Behandlung ermittelt werden, ob ein Medikament das erkrankte Gewebe erreicht, wie stark es sich dort anreichert und wie lange es gespeichert bleibt. So kann für jeden Patienten individuell eine optimale Dosis für die Therapie berechnet werden.

In der nuklearmedizinischen Therapie werden radioaktiv markierte Moleküle eingesetzt, die sich spezifisch im krankhaften Gewebe anreichern und dieses selektiv bestrahlen. Im Unterschied zur molekularen Bildgebung werden hierbei Teilchenstrahler eingesetzt, die im Gewebe nur eine sehr geringe Reichweite besitzen, dafür aber eine sehr hohe lokale Wirkung im erkrankten Gewebe entfalten. Das gesunde Gewebe wird gleichzeitig aufgrund der geringen Reichweite der Strahlung nur minimal belastet.

Die Behandlung von Lymphomen mit radioaktiv markierten Antikörpern (Radioimmuntherapie), die Therapie von neuroendokrinen Tumoren (NET) mit radioaktiv markierten Peptiden (Radiopeptidtherapie) sowie die Behandlung von Leberkrebs mit radioaktiven Partikeln ("selective internal radiotherapy", SIRT) stellen weitere, heutzutage sehr erfolgreiche nuklearmedizinische Therapieformen dar. Ziel der nuklearmedizinischen Forschung ist es, derartige Therapien auf andere Krebserkrankungen wie Prostata- oder Brustkrebs zu erweitern.

Aber auch bei der Diagnose und Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen sowie der Bestimmung des Risikos für Herzinfarkte wird die Nuklearmedizin seit längerem erfolgreich für die molekulare Diagnostik und Therapie eingesetzt. Außerdem ist die Frühdiagnose der Alzheimer-Demenz ebenfalls mit Hilfe des PET-Verfahrens möglich.

Die molekulare Bildgebung und Therapie ist ein Schwerpunktthema auf der 48. Jahrestagung NuklearMedizin 2010 der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V. Diese findet vom 21. bis 24. April 2010 im Congress Center Leipzig (CCL) statt. Mit der Kombination aus Kongress, für den international renommierte Referenten und ausgesuchte Keynote-Sprecher gewonnen werden konnten, einem interaktiven Fortbildungsprogramm sowie der in Deutschland größten, branchenspezifischen Industrieausstellung hat sich die Tagung als bedeutendste nationale Tagung für Nuklearmedizin im europäischen Raum etabliert. In diesem Jahr werden rund 2.000 Teilnehmer - Mediziner, Naturwissenschaftler, medizinisch-technisches Personal, Pflegekräfte und Patienten - erwartet.

Sämtliche Informationen zur Jahrestagung NuklearMedizin 2010 stehen auf der Kongresshomepage http://www.nuklearmedizin2010.de zur Verfügung. Dort ist auch die Presseakkreditierung zum Kongress möglich.
______________________________________
Kontakt:
Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V.
Pressereferat, Stefanie Neu
Nikolaistraße 29, D-37073 Göttingen
Tel. 0551.48857-402
info@nuklearmedizin.de

Stefanie Neu | idw
Weitere Informationen:
http://www.nuklearmedizin2010.de
http://www.nuklearmedizin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau