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Frühgeborenen-Retinopathie bestmöglich behandeln

07.05.2012
Frühgeborenen-Retinopathie (ROP) ist in Industrieländern eine der häufigsten Ursachen für Erblindung im Kindesalter.
Durch die Netzhauterkrankung erleiden bundesweit jährlich rund 500 Frühchen schwere Schäden am Auge. Wann es sinnvoll ist, den zurzeit nur im Off-Label-Use verfügbaren Wirkstoff Bevacizumab einzusetzen, beschreiben die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG), die Retinologische Gesellschaft und der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) jetzt in einer Stellungnahme. Demnach hängt die Wahl der Therapie sowohl vom Stadium der Retinopathie ab als auch von der betroffenen Zone im Auge.

Etwa jedes zehnte Baby kommt in Deutschland zu früh zur Welt. Eine Frühgeborenen-Retinopathie droht vor allem Kindern, die vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren werden oder bei der Geburt unter 1500 Gramm wiegen.
„In diesem Stadium ist die Entwicklung der Netzhaut noch nicht abgeschlossen“, erläutert DOG-Generalsekretär Professor Dr. med. Anselm Kampik aus München. Eine veränderte Konzentration von Sauerstoff in der Atemluft kann während dieser Phase das Wachstum der Blutgefäße im Auge anregen. Die Adern beginnen dann mitunter, unkontrolliert zu wuchern. Tritt aus den Gefäßen Flüssigkeit aus, droht den Kindern eine Ablösung der Netzhaut.

Um dies zu verhindern und die Sehkraft zu retten, können Augenärzte die Netzhaut mit Laser behandeln. Seit einigen Jahren nutzen sie für die Therapie aber auch den Wirkstoff Bevacizumab, bekannt als Avastin. Dieses Antikörperpräparat hemmt einen Wachstumsfaktor, der die Blutgefäße dazu anregt, zu wuchern. Das Medikament wird direkt ins Auge injiziert und soll die Neubildung von Blutgefäßen verhindern.
„Allerdings ist Avastin weder zur Behandlung des Auges, noch für Kinder zugelassen“, sagt Professor Kampik, Direktor der Universitäts-Augenklinik. Da es zum Einsatz des Mittels bei der Frühgeborenen-Retinopathie bislang kaum Studien gibt, sind die langfristigen Nebenwirkungen dieser Therapie noch nicht abschließend geklärt.

Dennoch scheint das Verfahren in einigen Fällen der Laserbehandlung überlegen zu sein, wie die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, die Retinologische Gesellschaft und der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands in ihrer Stellungnahme betonen. In einem amerikanischen Vergleich beider Therapien half der Antikörper vor allem jenen Kindern deutlich besser, bei denen das Zentrum der Netzhaut betroffen war. Sind dagegen die Randzonen der Netzhaut gefährdet, scheinen beide Verfahren ähnlich wirksam zu sein.
Angesichts der ungeklärten langfristigen Nebenwirkungen von Avastin raten die Experten dann eher zur Lasertherapie. Kaum Daten gibt es bislang für jenes Krankheitsstadium, in dem die Ablösung der Netzhaut schon eingesetzt hat. Bei diesen Kindern empfehlen die Fachverbände den Einsatz von Avastin nicht.

In jedem Fall, so betonen die Experten, sollte die Wahl des Verfahrens nur nach ausführlicher Aufklärung und nach Einwilligung der Eltern erfolgen. Zudem sollten Augenmediziner den betreuenden Neonatologen stets eng in die Behandlung einbinden. Die vollständige Stellungnahme finden Interessierte auf der Homepage der DOG unter dem Link http://www.dog.org/wp-content/uploads/2009/08/ROP-Stellungnahme-20-12-2011.pdf

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dog.org/

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