Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Früherkennung der Alzheimer-Krankheit braucht einheitliche Standards

10.08.2009
Messungen von Eiweißen im Nervenwasser können den Beginn der Alzheimer-Krankheit mit hoher Zuverlässigkeit aufzeigen, so das Ergebnis einer großen internationalen Untersuchung unter Beteiligung deutscher Neurologen.

Die Veröffentlichung im Fachblatt JAMA bestätigt zwar eine theoretisch mögliche Früherkennung der Alzheimer-Krankheit, jedoch stieß man auf erhebliche Unterschiede bei den Messwerten.

"Wir sind noch nicht so weit, solch einen Test routinemäßig bei älteren Menschen mit beginnenden Gedächtnisstörungen einzusetzen", kommentiert Prof. Dr. Günther Deuschl, 2. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), die Untersuchung.

In der aktuellen Studie mit fast 1600 älteren Freiwilligen konnten Dank der "Biomarker" 83 Prozent jener Patienten mit leichten Denkstörungen identifiziert werden, die in den Jahren nach der Messung Alzheimer entwickelten.

Die Veröffentlichung der Studienergebnisse im Fachblatt JAMA bestätigt einerseits zahlreiche Medienberichte über eine theoretisch mögliche "Früherkennung der Alzheimer-Krankheit", die sich auf kleinere und weniger aussagekräftige Untersuchungen in der Vergangenheit beziehen. Andererseits stieß man jedoch auf erhebliche Unterschiede bei den Messwerten und -verfahren zwischen den zwölf an der Studie beteiligten Gedächtniskliniken.

Alzheimer-Tests noch nicht routinemäßig einsetzbar

"Deshalb müssen wir klarstellen, dass die Alzheimer-Frühdiagnose nicht zuverlässig möglich ist", betont Prof. Dr. Günther Deuschl, Ärztlicher Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Kiel und 2. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). "Wir sind noch nicht so weit, solch einen Test routinemäßig bei älteren Menschen mit beginnenden Gedächtnisstörungen einzusetzen." Allzu oft würde dadurch ein falscher Alarm ausgelöst. Dies sei nicht zu rechtfertigen, solange es noch keine Arzneien gebe, die den Krankheitsverlauf längerfristig beeinflussen können.

Ebenso wie Studienleiter Niklas Mattson (Sahlgrenska University Hospital, Göteborg, Schweden) hofft auch Deuschl, dass derartige Arzneien, an denen momentan intensiv geforscht wird, bald zur Verfügung stehen. Auch an einer Impfung gegen die Alzheimer-Krankheit wird bereits seit vielen Jahren gearbeitet. Mit weltweit mehr als 15 Millionen Betroffenen ist dieses Leiden die häufigste Ursache für eine Demenz, einer Gruppe von Krankheiten, die vor allem durch Gedächtnisstörungen gekennzeichnet ist.

Schicksal einzelner Patienten noch nicht verhersagbar

Als "leichte kognitive Störung" (Mild Cognitive Impairement, MCI) bezeichnen Neurologen Minderungen der geistigen Leistungsfähigkeit, die nicht so schwerwiegend sind, dass die Diagnose einer Demenz gestellt werden kann. Aus dieser "Grauzone" heraus entwickeln sich jährlich etwa 10 bis 15 Prozent der MCI-Patienten zu manifesten Alzheimer-Patienten. Es gibt aber auch Individuen, deren Gedächtnisleistung relativ stabil bleibt oder die eine andere Form der Demenz entwickeln.

Noch ist es nicht mit Sicherheit möglich, das Schicksal einzelner Patienten vorherzusagen. Allerdings bestätigt die neue Studie den Nutzen mehrerer Biomarker, um die Treffsicherheit der Diagnose zu verbessern. Dabei handelt es sich um bestimmte Formen eines Eiweißes namens Tau, das Teil des Zellgerüsts ist, sowie um Beta-Amyloid, ein Eiweißbruchstück, das sich im Gehirn von Alzheimerpatienten ablagert. Klare Hinweise auf eine beginnende Alzheimer-Krankheit liefern demnach erhöhte Werte für Tau und erniedrigte Werte für Beta-Amyloid im Nervenwasser.

Das Nervenwasser gewannen die Ärzte durch eine Punktion des Rückenmarkkanals, einer Routine-Prozedur, bei der eine Hohlnadel zwischen dem 3. und 4. Lendenwirbel eingeführt wird und bei der es erwartungsgemäß unter den fast 1600 Studienteilnehmern zu keinen ernsthaften Nebenwirkungen kam, wie die Wissenschaftler berichten.

Relativ gute Ergebnisse

83 Prozent der zukünftigen Alzheimer-Patienten konnten mit dieser Methode identifiziert werden; von den nicht Betroffenen wurden 72 Prozent richtig vorhergesagt. "Die Fortschritte sind eindeutig. Schon heute erweisen sich diese Biomarker als nützliche Instrumente für die Forschung und die Entwicklung neuer Arzneien gegen die Alzheimer-Krankheit", betont Professor Deuschl. "Bevor diese Werkzeuge routinemäßig in der Praxis eingesetzt werden können, müssen sie aber noch weiter verfeinert und standardisiert werden."

Quellen
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19622817 - Mattson N et al. CSF biomarkers and incipient Alzheimer disease in patients with mild cognitive impairment. JAMA 2009 Jul 22;302(4):385-93

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19622825 - Peterson, RC, Trojanowski, JQ. Use of Alzheimer Disease Biomarkers: Potentially Yes for Clinical Trials but Not Yet for Clinical Practice. JAMA 2009 Jul 22; 302(4):436-437

Fachlicher Kontakt bei Rückfragen
Prof. Dr. med. Günther Deuschl
2. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
Direktor der Neurologischen Klinik Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Christian-Albrechts-Universität Kiel, Schittenhelmstr. 10, 24105 Kiel
Tel.: 0431/597 8500, Fax: 0431/597 8502
E-mail: g.deuschl@neurologie.uni-kiel.de
Pressestelle der DGN
c/o albertZWEI media GmbH, Frank A. Miltner, presse@dgn.org, Tel: 089 461486-14
Pressesprecher: Prof. Dr. H.C. Diener, Essen
Geschäftsstelle Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.
Prof. Dr. med. Otto Busse, Reinhardtstr. 14, 10117 Berlin, Tel: 030 531437930, busse@dgn-berlin.org

| idw
Weitere Informationen:
http://www.dgn.org
http://www.dgn.org/pressemitteilung-10.08.2009.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie