Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Friseur als Gesundheitsberater der Zukunft

14.09.2009
Gespräch beim Haareschneiden erlaubt Früherkennung von Demenz

Friseure könnten wertvolle Dienste für das Gesundheitssystem leisten, wenn sie als Mittler zwischen Patienten und Ärzten eingesetzt werden. Mit diesem Vorschlag warten Wissenschaftler der Ohio State University im "Journal of Applied Gerontology" auf.

In einer Befragung zeigte sich, dass die meisten Friseure sehr nahe und regelmäßige Kontakte zu ihrer Kundschaft pflegen, besonders wenn es sich um ältere Personen handelt. Grund dafür ist, dass alte Menschen beim Haareschneiden oft vom persönlichen Leben erzählen und dabei über Probleme rund um Gesundheit, Familie oder Finanzen berichten. Da die Friseure ihrerseits häufig mit Aufmunterung und Ratschlägen reagieren, schlagen die Forscher vor sie speziell zu schulen, um Anzeichen für Krankheiten wie etwa Demenz zu erkennen und an geeignete Spezialisten weiterzuvermitteln. "Die meisten befragten Friseure sorgten sich um die Kunden und würden ihnen gerne weiter helfen", sagt Keith Anderson, Mitautor der Studie und Professor für Sozialarbeit.

Begeistert von der Idee ist Katharina Pils von der österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie http://www.geriatrie-online.at . "Die Gruppe der kranken Menschen, die sich nicht für Gesundheitsthemen interessieren, ist groß. Fast alle heutigen Programme zur Gesundheitsförderung bauen jedoch auf die Eigeninitiative der Zielpersonen, wodurch viele nicht erreicht werden. Solche Ideen zeigen daher neue Möglichkeiten des Anschlusses", so die Altersmedizinerin im pressetext-Interview. Bekannt sei bisher ein ähnliches Projekt mit Milchmännern in London, die für die Führung einfacher Gespräche mit den Kunden geschult wurden und im Bedarfsfall an Sozial- oder Gesundheitsadressen weiterverwiesen. Wesentliches Kriterium sei dabei die Kontinuität einer Beziehung. "Während früher oft der Hausbesorgers der wichtigste Sozialarbeiter war, geschieht die Seelenbeichte heute im Friseur- oder Schönheitssalon oder bei der Massage", erklärt Pils.

Potenzial gesteht Pils dieser Idee besonders bei der Früherkennung von Altersdemenz zu. "Es geht dabei um das Wahrnehmen von Veränderungen. Erste Zeichen sind etwa, wenn ein sonst stets pünktlicher Kunde vereinbarte Termine vergisst, wenn dieselbe Geschichte während einer Sitzung dreimal erzählt wird oder wenn das Bezahlen plötzlich Probleme bereitet." Für die Umsetzung dieser Maßnahme könne man in der Berufsausbildung Fähigkeiten wie Anteilnahme, Nachfragen oder Ratschläge geben trainieren. Dennoch müsse man auch Grenzen erkennen. "Die Information, die ein Kunde dem Friseur gibt, darf dieser nie weitergeben, da das ein Ende der Vertrauensbeziehung bedeuten würde. Selbstständige Aktivität des Friseurs, die über Vorschläge hinaus geht, würde somit nicht in Frage kommen. Zudem kann das Wissen und die Verantwortung auch belasten und bräuchte Supervision", so die Wiener Medizinerin. Auch bliebe diese Maßnahme auf Personen beschränkt, die auf ihr Äußeres achten, da für sozial Benachteiligte oder Verwahrloste kaum der regelmäßige Besuch von Friseur oder Schönheitssalon in Frage kommt.

Von der frühen Wahrnehmung von Alterskrankheiten hängen Therapiechancen und die weitere Lebensqualität oft in hohem Ausmaß ab. Noch wichtiger als die angeführten Maßnahmen hält Pils jedoch die Förderung des allgemeinen Bewusstseins. "Es wäre sinnvoll, in den letzten Schuljahren Biologie und Ethikunterricht in manchen Themen zu vernetzen. Jeder sollte wissen, welche körperlichen und geistigen Veränderungen das Alter mit sich bringt oder welche Gefahren auftauchen, wozu etwa Sturzrisiko und Mangel- oder Fehlernährung zählen." Die wichtigste Fähigkeit für Angehörige einer alten Person sei das Zuhören. "Hier haben junge Menschen ein großes Potenzial, da sie gute Kommunikatoren sind", so die Gerontologin.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.osu.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise