Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fortschritt in der Suchtforschung: Wie das Suchtgedächtnis beeinflusst werden kann

19.04.2012
An der Medizinischen Universität Innsbruck wurden erneut wichtige Ansatzpunkte zur Therapie drogenabhängiger Menschen gefunden

Im Rahmen ihrer vorklinischen Studien hat die Suchtforschungsgruppe von Prof. Gerald Zernig und Prof. Alois Saria an der Abteilung für Experimentelle Psychiatrie eine Möglichkeit entdeckt, das Suchtgedächtnis positiv zu beeinflussen. Im renommierten interdisziplinären Online Journal PLoS ONE wurden die Ergebnisse kürzlich veröffentlicht.

Drogenabhängige Menschen könnten schon bald von der erfolgreichen Grundlagenforschung an der Medizinischen Universität Innsbruck profitieren: Bereits seit mehreren Jahren beschäftigen sich WissenschafterInnen der Abteilung für Experimentelle Psychiatrie mit den Strukturen im Gehirn, die für die Abhängigkeit von Suchtmitteln verantwortlich sind.

Auf Basis der neuesten Erkenntnisse könnte eine pharmakologische Suchttherapie entwickelt werden, die es ermöglicht, das Suchtgedächtnis von abhängigen Menschen entsprechend zu beeinflussen. Die zu entwickelnden Medikamente sollen die in der Psychotherapie von Abhängigen angestrebte Veränderung medikamentös unterstützen.

Dabei handelt es sich um eine der größten Herausforderungen bei der Therapie von drogenabhängigen Menschen: Auch Jahre nach Beendigung des Drogenmissbrauches ist die Abhängigkeit der Betroffenen im so genannten Suchtgedächtnis gespeichert. Das bedeutet es, besteht nach einer erfolgreichen Entzugstherapie die Gefahr eines Rückfalles.

Gezielte Beeinflussung des Suchtzentrums im Gehirn

2006 hatten die Innsbrucker WissenschafterInnen am Tiermodell zeigen können, dass bei beginnendem Interesse für eine Droge der „Lernbotenstoff“ Azetylcholin und nicht wie angenommen das als „Glücksbotenstoff“ bekannte Dopamin vermehrt freigesetzt wird. „2008 haben wir dann die Hirnregion und das betroffene Neurotransmittersystem weiter eingegrenzt“, erklären die Studienleiter Prof. Zernig und Prof. Saria den Verlauf ihrer bisherigen Forschungsarbeit.

Maßgeblich beteiligt an diesen Erkenntnissen war damals bereits Dr. Jose A. Crespo. Der spanische Postdoc kam aus den USA (Baltimore) an die Medizinische Universität Innsbruck und fungierte auch bei der aktuellen Veröffentlichung der Suchtforschungsgruppe als Erstautor. Gemeinsam mit seinen KollegInnen hat Dr. Crespo herausgefunden, dass durch Verabreichung selektiver Inhibitoren die lokalen Azetylcholin-Rezeptoren im Nucleus accumbens, dem Suchtzentrum im Gehirn, entsprechend beeinflusst werden können.

„Rezeptoren im Suchtzentrum des Gehirns binden das Acetylcholin und aktivieren eine spezielle Form der Proteinkinasen, die so genannte Proteinkinase C zeta (PKCzeta) und deren molekulares Bruchstück, Proteinkinase M zeta (PKMzeta). Werden diese atypischen Proteinkinasen-Aktivitäten durch einen selektiven Inhibitor blockiert, entwickelt das Versuchstier kein Drogensuchtverhalten mehr“, erklärt Dr. Crespo den komplexen Prozess. „Unsere Ergebnisse eröffnen ein neues pharmazeutisches Target für die Entwicklung einer effektiven Therapie von Langzeit-Suchtabhängigen.“

Internationale Anerkennung: „Unerwartete Wendung“

In der internationalen Scientific Community findet die Forschungsarbeit der Tiroler WissenschafterInnen bereits Anklang. In dem bekannten Journal „Neuroscience and Biobehavioral Reviews“ bewerten Peter Finnie und Karim Nader, beide Experten auf dem Gebiet der Gedächnisforschung, die von Crespo und seinen KollegInnen veröffentlichten Forschungsergebnisse als „unerwartete Wendung“ („unexpected twist“) in der Erforschung der Funktion des Gedächtnisses.

Links:

• PLoS ONE Artikel: http://dx.doi.org/doi:10.1371/journal.pone.0030502
„Activation of PKCzeta and PKMzeta in the Nucleus Accumbens Core Is Necessary for the Retrieval, Consolidation and Reconsolidation of Drug Memory”

AutorInnen: Jose A. Crespo, Petra Stöckl, Florian Ueberall, Marcel Jenny, Alois Saria, Gerald Zernig

• Neuroscience and Biohavioral Reviews: http://dx.doi.org/10.1016/j.neubiorev.2012.03.008
“The role of metaplasticity mechanisms in regulating memory destabilization and reconsolidation”

Autoren: Peter S.B. Finnie, Karim Nader

• Abteilung für Experimentelle Psychiatrie: http://www.plasmaspiegel.at/

Medizinische Rückfragen:
Ao. Univ.-Prof. Dr. Gerald Zernig
Tel.: +43-512-504-23711
E-Mail: gerald.zernig@i-med.ac.at
Medienkontakt:
Dr.in Barbara Hoffmann
Referentin Öffentlichkeitsarbeit
Medizinische Universität Innsbruck
Telefon: +43 512 9003 71830, Mobil: +43 676 8716 72830
public-relations@i-med.ac.at

Dr.in Barbara Hoffmann | Med. Universität Innsbruck
Weitere Informationen:
http://www.i-med.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften