Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungsgroßprojekt legt Fokus auf Früherkennung und Ursachen seelischer Störungen

18.02.2014
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden erhält Millionenbetrag für Forschungsnetzwerk zu bipolaren Störungen

Gemeinsam mit sieben weiteren akademischen Zentren will die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie die Früherkennung psychischer Erkrankungen, insbesondere bipolarer Störungen entscheidend verbessern. Am gestrigen Montag (17. Februar) gab Bundesforschungsministerin Prof. Johanna Wanka bekannt, dass das auf rund fünf Millionen Euro Gesamtkosten veranschlagte Projekt im Rahmen der „Förderung eines Forschungsnetzes zu psychischen Erkrankungen“ unterstützt wird.


Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Michael Bauer, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Die Wissenschaftler um Klinikdirektor Prof. Michael Bauer haben ein ambitioniertes Forschungsprojekt namens „BipoLife“ (Improving Recognition and Care in Critical Areas of Bipolar Disorders)" konzipiert. Ihr Plan ist es, innerhalb von vier Jahren unter anderem die für bipolare Störungen mitverantwortlichen Gene zu entdecken und per Magnetresonanztomographie die für die Erkrankungen verantwortlichen Hirnareale zu finden. Neben dieser Grundlagenforschung geht es in dem von Dresden aus koordinierten Projekt auch darum, Verhaltensveränderungen als Vorboten der bipolaren Störung beziehungsweise einer manischen oder depressiven Phase zu identifizieren und damit zeitnah die Diagnostik zu verbessern.

Seelische Erkrankungen sind längst keine Randerscheinungen mehr. Allein von bipolaren Störungen sind zwei bis drei Prozent der Deutschen im Laufe des Lebens betroffen, das entspricht drei bis vier Millionen Menschen. Insgesamt sind psychische Störungen schon heute der häufigste Grund für langfristige Frühberentungen und Erwerbsunfähigkeit und die zweithäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit. Knapp 15 Prozent aller Krankschreibungen sind auf seelische Erkrankungen zurückzuführen. Diese tendenziell weiter zunehmende Entwicklung hat beträchtliche Folgen für Krankenkassen, Arbeitgeber und die gesamte Volkswirtschaft.

„Nur eine verbesserte Prävention sowie innovative Methoden zur Früherkennung psychiatrischer Erkrankungen können das große Leid für die Betroffenen und ihre Angehörigen sowie diese enormen wirtschaftlichen Lasten für die Gesellschaft reduzieren“, sagt Prof. Michael Bauer. Doch die Ursachen vieler weit verbreiteter psychischer Krankheitsbilder wie die bipolare Störung sind bisher kaum erforscht. Damit fehlt Grundlagenwissen, um diese Erkrankungen früh zu erkennen und gezielt zu bekämpfen. Die manisch-depressiven Menschen sind ein gutes Beispiel dafür, dass eine wirksame Therapie helfen kann, die Folgekosten zu verringern: Da die Krankheit zumeist bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen erstmals auftritt, besteht bei unzureichender Therapie eine große Gefahr einer lebenslangen Berufsunfähigkeit mit enormen volkswirtschaftlichen Folgen.

Der seit 25 Jahren auf manisch-depressive Erkrankungen spezialisierte Prof. Michael Bauer – er ist zugleich Mediziner und Molekularbiologie – hatte deshalb beim Bundesministerium für Bildung und Forschung einen Förderantrag für ein Netzwerkprojekt gestellt, an dem acht akademische Zentren in Deutschland beteiligt sind – darunter die Charité Berlin, die Universitäten Bochum, Göttingen, Marburg und Tübingen und Dresden sowie die Universitätskliniken Hamburg-Eppendorf und Würzburg. Anliegen des Projektes ist es, Methoden zur Früherkennung bipolarer Störungen zu erschließen und frühzeitige psychotherapeutische Strategien zu entwickeln. Dazu gilt es sowohl Indizien für beginnende Erkrankungen zu erforschen als auch Risikofaktoren zu identifizieren. „Um bipolare Störungen frühzeitig zu erkennen, wollen wir beispielweise künftig neue bildgebende Technologien des Hirnscans mit Magnetresonanztomographie einsetzen und mit modernsten Molekularbiologischen Verfahren genetische Merkmale identifizieren, die auf eine Neigung zu psychischen Erkrankungen oder auf einen krankhaften Prozess im Körper hinweisen können. So kann mit innovativen Technologien untersucht werden, ob ein charakteristisches genetisches Merkmal mit einer psychischen Erkrankung im Zusammenhang steht“, so Prof. Bauer. Diese Fragen könnten im Rahmen des beantragten Forschungsprojektes innerhalb der nächsten vier Jahre beantwortet werden. „Das wäre ein großer Schritt in Sachen Früherkennung und frühzeitiger Behandlung psychischer Erkrankungen, bei dem die Expertise der bundesweit erfahrensten Köpfe und Institutionen zu diesem Thema in einem Netzwerk zusammengeführt würde, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen“, so der Experte.

Bundesministerin Johanna Wanka hatte am Montag aus über 50 an der Ausschreibung „Förderung eines Forschungsnetzes zu psychischen Erkrankungen“ beteiligten Antragstellern die Projekte bekannt gegeben, die im Rahmen eines Netzwerkes Themen mit hoher Versorgungsrelevanz aufgreifen, durch anwendungsorientierte Forschung zu einem besseren Verständnis der Krankheitsmechanismen und zur Prävention, Diagnose und Therapie der jeweiligen Erkrankung beitragen.

Bipolare Störungen
Menschen, die von bipolaren Störungen betroffen sind, leiden unter stark wechselhaften nicht kontrollierbaren Stimmungsschwankungen zwischen Hoch- (manisch) und Tief (depressiv). Die Erkrankung ist gekennzeichnet von einem episodischen Verlauf geprägt, der aus manischen, depressiven oder daraus gemischten Phasen unterschiedlicher Länge besteht. Menschen mit dieser Störung haben das höchste Suizid-Risiko unter allen seelischen Erkrankungen.
Gütesiegel der Gesellschaft für bipolare Störungen
Erst im Dezember 2013 hatte die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Dresden als eine der ersten deutschen Kliniken das neu eingeführte Gütesiegel der Deutschen Gesellschaft für bipolare Störungen e.V. erhalten. Das Siegel wird an hochkarätige Kliniken vergeben, die seit längerem ein umfassendes Versorgungsangebot für bipolar Betroffene und deren Angehörige vorhalten. So bietet die Klinik seit mehreren Jahren regelmäßige Fort- und Weiterbildungen für Ärzte, eine Schwerpunktstation, therapeutische Spezialsprechstunden und Selbsthilfegruppen für Betroffene und Angehörige an.
Weitere Informationen
http://www.bmbf.de/press/3572.php
http://www.bmbf.de/foerderungen/20903.php?hilite=%3FForschungsnetz+zu+psychischen+Erkrankungen%3F

Zweites Dresdner Projekt

Neben dem Netzwerkprojekt des Uniklinikums unterstützt das BMBF ein zweites Projekt der Technischen Universität Dresden unter Leitung von Prof. Dr. Hans-Ulrich Wittchen, welches sich mit der effektiven Versorgung und Behandlung von Angststörungen befassen wird.

Kontakt für Journalisten
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik und Poliklinik Psychiatrie und Psychotherapie
Klinikdirektor: Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Michael Bauer
Tel. 0351/ 4 58 2760
E-Mail: michael.bauer@uniklinikum-dresden.de

Antonie Muschalek | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-dresden.de/psy

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften