Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungsfokus Schilddrüse: Neuer DFG-Schwerpunkt mit maßgeblicher Beteiligung der Jacobs University

13.09.2012
Klaudia Brix, Professorin für Zellbiologie an der Jacobs University, koordiniert gemeinsam mit Dagmar Führer, Direktorin der Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen am Universitätsklinikum Essen, und Heike Biebermann, stellvertretende Leiterin des Instituts für Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie der Charité in Berlin, ein neues mit insgesamt 7,6 Mio. Euro gefördertes Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu Transport und Wirkung von Schilddrüsenhormonen im menschlichen Körper. Ziel des auf sechs Jahre angelegten Programms ist es, Diagnose, Behandlung und Prävention von Schilddrüsenerkrankungen maßgeblich zu verbessern. Start ist der 1. Oktober 2012.

Die Schilddrüse produziert lebenswichtige Hormone zur Steuerung des Energiestoffwechsels und des Zellwachstums im Körper, die die Funktion nahezu aller Organe beeinflussen. Eine Fehlfunktion, bei der die Schilddrüse entweder zu viel oder zu wenig Hormone produziert, kann beim Menschen zu schwerwiegenden Erkrankungen führen, beispielsweise zu Osteoporose, Herzkreislaufproblemen oder auch Depression.


Einer Volkskrankheit auf der Spur: Detaillierte Kenntnisse von Transport und Wirkung von Schilddrüsenhormonen sollen innovative Behandlungsmethoden für Schilddrüsenerkrankungen erschließen. Das Bild zeigt am Beispiel des Schilddrüsengewebes einer Maus das wichtige Transportprotein MCT8 (grün), das Schilddrüsenhormone durch die Wände (rot) der Schilddrüsenfolikel transportiert, wo das Hormon gebildet wird.

Foto: Jacobs University

Schilddrüsenerkrankungen sind in Deutschland weit verbreitet: Rund ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung ist betroffen, was zu einer jährlichen Kostenbelastung das Gesundheitssystems von mehr als 2 Milliarden Euro führt. Die Diagnose ist jedoch schwierig. Dies liegt zum einen an den vielfältigen Beschwerdebildern, die zu Beginn meist schleichend verlaufen und daher oft nicht als Schilddrüsenprobleme erkannt werden.

Darüber hinaus belegen neuere Untersuchungen, dass die bislang zur Diagnostik eingesetzte Bestimmung der Blutwerte für TSH – ein die Schilddrüse stimulierender Botenstoff – sowie für das Schilddrüsenhormon T4 nur unzureichend Aufschluss über die Gesundheit der Schilddrüse geben.

Außerdem zeigen viele Patienten bei medikamentöser Gabe von Schilddrüsenersatzhormonen keine vollständige Besserung der Symptome. Dennoch steht beispielsweise das Medikament Levothyroxin auf Platz 10 der weltweit am häufigsten verschriebenen Medikamente.

„Mit dem neuen DFG-Schwerpunktprogramm 1629 ‚Thyroid Trans Act‘ setzen wir genau bei den zentralen Fragen an, die bei diesem überaus wichtigen Gesundheitsthema die Forschungsrichtung für die kommende Dekade bestimmen werden“, sagt Jacobs-Professorin Klaudia Brix, die das Programm gemeinsam mit den beiden Co-Koordinatorinnen aus Berlin und Essen initiierte. „Unser wichtigstes Ziel ist es, zu klären, wodurch die gesunde Schilddrüsenfunktion einerseits und die gestörte Schilddrüsenfunktion andererseits definiert ist. Nur so lässt sich für jeden Patienten individuell tatsächlich klären, wann die Schilddrüse gesund ist bzw. ab wann man von einer Fehlfunktion ausgehen muss. Außerdem beschäftigen wir uns mit folgenden wichtigen Fragen: Wann und wie genau werden die verschiedenen Organe im Körper von Schilddrüsenhormonen beeinflusst? Welche den Schilddrüsenhormonen verwandten Moleküle wirken außerdem auf unsere Organe? Und warum erzielen herkömmliche Behandlungsmethoden nicht immer den gewünschten Effekt?“, so die Expertin für Zellbiologie.

Das interdisziplinär angelegte Schwerpunktprogramm bündelt die Forschung aus 18 Teilprojekten. Es bringt Wissenschaftler und Ärzte aus 16 deutschen Forschungsinstituten und Kliniken zusammen und verbindet so Ergebnisse der Grundlagenforschung aus der Molekular- und Zellbiologie mit angewandter Medizin. „Es ist ein besonderes Merkmal unseres Schwerpunktprogramms, dass wir von der Basis ausgehend sogenannte translationale Forschung betreiben – das bedeutet, dass unsere Ergebnisse schon sehr bald aus dem Labor heraus und in den Kliniken zur Anwendung kommen sollen“, so Klaudia Brix.

Ein Forschungsfokus des Programms sind die Transportwege der Schilddrüsenhormone von ihrem Produktions- zu ihrem Wirkort. „Wir wissen mittlerweile, dass Transportproteine und auch Stoffwechselderivate der ursprünglichen Schilddrüsenhormone eine wichtige Funktion für Transport und Wirkung spielen“, so Brix. „Eine detaillierte Kenntnis der Transportwege und die Bestimmung von Biomarkern, die die Schilddrüsenfunktion widerspiegeln, erlauben Rückschlüsse darüber, welche Folgen eine Störung dieser Wege mit sich bringt.“ Auf der Basis der gewonnenen neuesten Erkenntnisse sollen dann alternative Diagnosemethoden sowie neue Medikamente, Behandlungsmethoden und Vorbeugemaßnahmen entwickelt werden.

Schwerpunktprogramme gehören zu den wichtigsten Förderinstrumenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Ausgestattet mit einem großen Fördervolumen sollen sie spürbare Impulse zur Weiterentwicklung neuer Forschungsfelder setzen, die sich durch innovative Ansätze und Methoden, klare Ziele und internationale Sichtbarkeit auszeichnen. Darüber hinaus fassen sie die Arbeit in ortsverteilten Forschungszentren zu starken und interdisziplinären Netzwerken zusammen.

Fragen zum DFG-Schwerpunktprogamm 1629 für die Jacobs University beantwortet:
Klaudia Brix | Professor of Cell Biology
Email: k.brix@jacobs-university.de | Tel.: +49 421 200-3246

Beteiligte Forschungsinstitutionen:
- Jacobs University Bremen, Research Center MOLIFE
- Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen, Zentrallabor, Universitätsklinikum Essen
- Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen, Universität Duisburg-Essen
- Institut für Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie, Charité Universitätsmedizin Berlin
- Institut für Experimentelle Endokrinologie, Charité Universitätsmedizin Berlin
- Klinik für Augenheilkunde, Charité Universitätsmedizin Berlin
- Leibniz Institut für Molekulare Pharmakologie, Berlin
- Institut für Community Medicine und Klinik für Innere Medizin B, Universitätsmedizin Greifswald
- Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin, Universitätsmedizin Greifswald
- Leibniz Institute for Age Research / Fritz Lipmann Institute, Jena
- Institut für Biochemie, Medizinische Fakultät, Universität Leipzig
- Abteilung Endokrinologie und Diabetes, Fachbereich Medizin, Universität Leipzig
- Abteilung Nuklearmedizin und Molekulares NeuroImaging, Universität Leipzig
- Klinik für Neurologie und Medizinische Klinik I, Universität zu Lübeck
- Klinikum der Universität München - Grosshadern, Medizinische Klinik und Poliklinik II, München

- Klinikum der Universität München - Innenstadt, Medizinische Klinik und Poliklinik IV, Klinische Biochemie, München

Dr. Kristin Beck | idw
Weitere Informationen:
http://www.jacobs-university.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Therapieansätze bei RET-Fusion - Zwei neue Inhibitoren gegen Treibermutation
26.06.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie