Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschung zur häufigsten Erblindungsursache

23.12.2015

Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist in den Industrienationen die häufigste Erblindungsursache. Ein Forscherteam aus Augenärzten und Immunologen des Bonner Universitätsklinikums hat nun einen gemeinsamen Mechanismus verschiedener an der Krankheit beteiligter Prozesse entschlüsselt. Die Ergebnisse aus der Grundlagenforschung bieten auch Ansatzpunkte für neuartige Therapien. Nun ist die Studie im „Journal of Biological Chemistry“ veröffentlicht.

Bei der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) geht die Sehschärfe im Zentrum des Blickfeldes zunehmend verloren – Autofahren, Zeitung lesen oder das Erkennen von Gesichtern wird damit unmöglich.


Fluoreszenzmikroskopische Aufnahme menschlicher Netzhautzellen (retinale Pigmentepithelzellen): Grün dargestellt sind die Zellgrenzen, blau die Zellkerne.

© Foto: Carolina Brandstetter/UKB

Trotz Durchbrüchen bei der Therapie der feuchten Form der Erkrankung lässt sich die häufige trockene Form weiterhin nicht behandeln. Bei der AMD erkranken zunächst die retinalen Pigmentepithelzellen (RPE). Sie liegen unter den Sehzellen und sind für deren Ernährung und die Entsorgung ihrer Stoffwechselabfälle zuständig.

Im Zuge der fortschreitenden Erkrankung werden die Pigmentepithelzellen zunehmend geschädigt, wodurch in der Folge auch die Sehzellen zugrunde gehen.

An der Krankheit sind Entzündungsreaktionen des angeborenen Immunsystems, oxidativer Stress und eine zunehmende Ansammlung von Stoffwechselmüll in der Netzhaut beteiligt.

„Inzwischen sind viele Teilaspekte der Krankheitsentstehung durch wissenschaftliche Studien identifiziert, doch das Zusammenspiel dieser Faktoren lag bislang weitgehend im Dunkeln“, sagt Privatdozent Dr. med. Tim U. Krohne von der Universitäts-Augenklinik Bonn, der die Studie leitete.

Zusammen mit Prof. Dr. Eicke Latz vom Institut für Angeborene Immunität des Universitätsklinikums Bonn haben Wissenschaftler um Dr. Krohne nun entschlüsselt, wie bei der Makuladegeneration die verschiedenen Prozesse zusammenwirken können.

Komplementkomponente C5a aktiviert Entzündungprozesse im RPE

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Forscherteam kultivierte menschliche RPE-Zellen im Labor und fütterte sie mit Substanzen, die wie bei der AMD zu einer Anreicherung mit dem schädlichen Alterspigment Lipofuszin führten.

Anschließend bestrahlten die Wissenschaftler die Zellen mit Licht, wodurch es wie bei der Augenerkrankung zu einer oxidativen Schädigung des RPE kam. Die Oxidantien in den Zellen bewirkten, dass das Inflammasom als Bestandteil des angeborenen Immunsystems aktiviert wurde. „Hierbei spielt die Komplementkomponente C5a eine wichtige Rolle, die sich bei der AMD im Bereich der Pigmentepithelzellen anhäuft“, berichtet Erstautorin Carolina Brandstetter aus Dr. Krohnes Arbeitsgruppe. Die Aktivierung des Inflammasoms führte dazu, dass die betroffenen RPE-Zellen Schaden nahmen und schließlich sogar abstarben.

Ansatzpunkt für neuartige Therapien

Die Wissenschaftler hoffen nun, dass ihre grundlegenden Erkenntnisse zum Zusammenspiel der beteiligten Mechanismen zu neuen Therapieansätzen für die Behandlung der AMD führen. „Ein Ansatzpunkt könnte sein, das Inflammasom oder das Komplementsystem des Immunsystems zu blockieren, um ein Fortschreiten der Erkrankung zu stoppen“, sagt Dr. Krohne. Vielversprechende Wirkstoffe würden derzeit von verschiedenen Forschergruppen getestet.

Bis zu einer Therapie seien jedoch noch viele Schritte notwendig. „Mit dem Einblick in die zugrundeliegenden Mechanismen und darauf aufbauenden gezielten Behandlungsansätzen besteht die Hoffnung, zukünftig Erblindung durch die Makuladegeneration zu verhindern, sagt Prof. Dr. Frank G. Holz, Direktor der Augenklinik.

Publikation: Complement component C5A primes retinal pigment epithelial cells for inflammasome activation by lipofuscin-mediated photooxidative damage, „The Journal of Biological Chemistry“, DOI: 10.1074/jbc.M115.671180

Kontakt für die Medien:

Privatdozent Dr. med. Tim U. Krohne
Universitäts-Augenklinik Bonn
Tel. 0228/28715505
E-Mail: krohne@uni-bonn.de

Weitere Informationen:

http://www.jbc.org/content/early/2015/11/12/jbc.M115.671180.abstract Publikation

Johannes Seiler | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten