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Forschung zur Frühdiagnose von Alzheimer

11.09.2013
Die Alzheimersche Demenz (AD) ist die am meisten verbreitete Form der Demenz. Jülicher Forscher haben eine Methode entwickelt, mit der sich die Krankheit frühzeitig nachweisen lassen könnte.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Thomas Rachel MdB, hat heute im Forschungszentrum Jülich eine Förderurkunde zum Start des Projekts "sFIDA" übergeben, damit die vielversprechende Arbeit an dieser Methode intensiviert werden kann.


Prof. Dieter Willbold (l.) erklärt Staatssekretär Thomas Rachel (m.) und Prof. Sebastian M. Schmidt, Mitglied des Vorstandes des Forschungszentrums, die Arbeit der Jülicher Wissenschaftler im sFIDA-Projekt.
Quelle: Forschungszentrum Jülich

Im Zentrum der neuen Methode steht der Nachweis eines bestimmten Biomarkers, des sogenannten Amyloid-β-Peptids (Aβ). Es mehren sich in der Wissenschaft derzeit die Hinweise darauf, dass Aggregate dieses Eiweißes als Krankheitsauslöser eine bedeutende Rolle spielen. Aβ entsteht ständig während unseres gesamten Lebens und seine nicht-aggregierte ("monomere") Form scheint zunächst völlig ungefährlich zu sein. Erst, wenn daraus Aβ-Aggregate entstehen, werden Nervenzellen geschädigt und es entwickelt sich die Alzheimersche Demenz

Im Jülicher Institute of Complex Systems – Strukturbiochemie (ICS-6) haben Forscherinnen und Forscher gemeinsam mit dem Institut für Physikalische Biologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf nun eine Methode entwickelt, um diese Aβ-Aggregate in Körperflüssigkeiten nachzuweisen und zu quantifizieren. Die Herausforderung besteht darin, dies mit extrem hoher Empfindlichkeit zu tun, damit die in jedem Menschen vorhandenen harmlosen Aβ–Monomere die Messung nicht beeinflussen. Mit der Methode namens sFIDA ("surface-based fluorescence intensity distribution analysis") wollen sie die Krankheit in einem frühen Stadium erkennen, möglichst schon vor dem Auftreten klinischer Symptome.

Erste Studien haben bereits eine Unterscheidbarkeit von Rückenmarksflüssigkeiten gesunder Probanden und AD-Patienten mittels sFIDA ergeben. Außerdem ließ sich ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der gemessenen Konzentration der Aβ-Aggregate und der kognitiven Beeinträchtigung herstellen. Mit der Förderung wollen die Jülicher Wissenschaftler den Test nun vom Labormaßstab weiterentwickeln für die Anforderungen einer klinischen Anwendung.

"In unserer alternden Gesellschaft ist Demenz eine große Herausforderung. Ein unabdingbarer Schritt, um Therapien zu entwickeln, ist es, Alzheimer früh zu erkennen und der Ursache von Alzheimer auf den Grund zu gehen. Hierzu liefert das Forschungsprojekt sFIDA, das vom Bundesforschungsministerium mit 1,5 Mio. Euro unterstützt wird, einen vielversprechenden Ansatz", sagte Forschungsstaatssekretär Thomas Rachel.

Das BMBF fördert sFIDA im Rahmen des Förderprogrammes "Validierung des Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung- VIP". "Mit VIP haben wir die Voraussetzungen geschaffen, ungenutzte Potenziale von Forschungsergebnissen zu erkennen und eine Brücke zur wirtschaftlichen Verwertung zu bauen", betonte Thomas Rachel. "Derzeit werden bereits mehr als 90 Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von über 100 Millionen Euro gefördert."

"Meine Hoffnung ist, dass wir mit der sFIDA-Messmethode bald in der Lage sein werden, Patienten in sehr frühen Krankheitsstadien in klinische Therapie-Studien aufnehmen zu können und durch die Verfolgung des Messwertes während des Therapie-Versuches über Erfolg oder Misserfolg eines potentiellen Medikamentes früher und eindeutiger, als es bisher möglich war, zu entscheiden", sagt Prof. Dieter Willbold, Direktor des ICS-6.

Mit der Förderung von sFIDA durch die Bundesregierung wird gleichzeitig auch ein weiteres Alzheimer-Therapie-Projekt im ICS-6 vorangetrieben, das vom Helmholtz-Validierungsfonds unterstützt wird und den Titel "Validierung von Alzheimer-therapeutischen Substanzen abgeleitet von D3" hat. Dabei ist es das Ziel, die schädlichen Aβ-Aggregate zu zerstören, ohne die möglicherweise sogar schützenden Aβ-Monomere zu beeinflussen. Für diesen Therapie-Ansatz ist sFIDA von großer Bedeutung.

Prof. Sebastian M. Schmidt, Mitglied des Vorstands des Forschungszentrums Jülich, hob die gute Kooperation der Bundesregierung mit der Helmholtz-Gemeinschaft hervor: "Dieses Therapie-Projekt wird durch die Helmholtz-Gemeinschaft unterstützt und profitiert stark von dem nun BMBF-geförderten sFIDA-Projekt. Die Förderinstrumente des Bundes und der Helmholtz-Gemeinschaft greifen hier in idealer Weise ineinander, um die Alzheimer-Forschung in Deutschland voran zu bringen."

Weltweit liegt die Zahl der an der Alzheimerschen Demenz Erkrankten bei mehr als 24 Millionen. Alleine in Deutschland leiden schätzungsweise mehr als eine Million Menschen an „Alzheimer“, wie die Krankheit umgangssprachlich genannt wird. Bis 2030 rechnet die Wissenschaft mit einer Verdopplung der Zahl der an der Alzheimerschen Demenz erkrankten Menschen in Deutschland und weltweit mit einer Zahl von etwa 44 Millionen Patienten. Die derzeit auf dem Markt befindlichen Medikamente können lediglich für begrenzte Zeit einige Symptome der Alzheimerschen Demenz leicht abschwächen, aber den Verlauf der Krankheit nicht beeinflussen, aufhalten oder gar umkehren.

Weitere Informationen zum Thema:

Institute of Complex Systems, Strukturbiochemie (ICS-6)
http://preview.fz-juelich.de/ics/ics-6/DE/Home/home_node.html
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Dieter Willbold
Tel.: 02461 61-2100
E-Mail: d.willbold@fz-juelich.de
Pressekontakt:
Jochen Mohr
Tel.: 02461 61-2062
E-Mail: jo.mohr@fz-juelich.de

Jochen Mohr | Forschungszentrum Jülich GmbH
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de

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