Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscherteam identifiziert Auslöser der Arthrose

17.08.2009
Arthrose, auch bekannt als Gelenkverschleiß, ist die häufigste Gelenkerkrankung überhaupt: Sie betrifft mehr als die Hälfte aller Menschen über 65 Jahre.

Bei der Erforschung dieser Volkskrankheit ist die Medizin jetzt einen wichtigen Schritt weitergekommen: Ein Wissenschaftlerteam aus Münster und Hannover hat die Mechanismen entschlüsselt, die im Knorpel von Arthrose-Patienten zum Abbau der Knorpelsubstanz und damit zur Entstehung der Erkrankung führen. Über ihre Erkenntnisse berichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe von "Nature Medicine".

Bei Arthrose kommt es zum fortschreitenden Verlust des Gelenkknorpels sowie zur Bildung überschüssigen Knochens am Rand der betroffenen Gelenke und dadurch zu starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Am Ende eines mehrjährigen Leidens steht dann vielfach der künstliche Ersatz befallener Gelenke durch eine Prothese. Da die Ursachen für Arthrose weitgehend im Dunkeln lagen, war eine an den Wurzeln der Erkrankung ansetzende medikamentöse Therapie bislang nicht möglich. Schlimmer noch: Anders als bei vielen anderen Volkskrankheiten hat es in den letzten Jahrzehnten keine wirklichen Fortschritte in der Entwicklung von Medikamenten gegen Arthose gegeben. Mit den jetzt veröffentlichten Forschungsergebnissen könnte sich das ändern.

Wie die Arbeitsgruppe um Prof. Thomas Pap vom Institut für Experimentelle Muskuloskelletale Medizin der Universität Münster gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Hannover, Hamburg und Seoul herausfand, ist für die Entstehung von Arthrose ein spezielles Oberflächenmolekül auf den Knorpelzellen, ein so genanntes Syndecan, verantwortlich. Dr. Frank Echtermeyer, in der Experimentellen Anästhesiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover tätiger Erstautor der Studie, erläutert den zentralen Befund: "Unsere Untersuchungen zeigen, dass dieses Oberflächenmolekül entscheidend an der Bildung eines zerstörerischen Eiweißes durch Knorpelzellen beteiligt ist und es auf der Zelloberfläche verankert. Das gezielte Ausschalten dieses Syndecan-Moleküls mittels gentechnischer Verfahren führt dazu, dass der Knorpel unempfindlich wird gegen schädigende Einflüsse und zumindest in Tests mit Mäusen keine Arthrose mehr entsteht."

Die insgesamt dreieinhalb Jahre dauernde Studie des internationalen Forscherteams zeigt nicht nur einen bisher unbekannten, jedoch entscheidenden Weg, über den Arthrose entsteht: Sie entwickelt zugleich auch eine Strategie für deren medikamentöse Behandlung. Dazu haben die Forscher einen Hemmstoff auf Eiweißbasis, einen so genannten Antikörper, gegen das Syndecan-Molekül entwickelt. Sie konnten belegen, dass die regelmäßige Injektion dieses Antikörpers die Entstehung einer Arthose bei Mäusen zuverlässig verhindert. "Der Nachweis, dass sich unsere Ergebnisse in einen therapeutischen Ansatz übertragen lassen, war ein ganz wesentlicher Aspekt der Arbeit und lässt uns hoffen, dass der gegenwärtige Stillstand bei der medikamentösen Arthrose-Therapie bald überwunden werden kann", betont Prof. Pap.

Auch wenn bis zur klinischen Anwendung am Menschen weitere Untersuchungen erforderlich sind und möglicherweise noch Jahre vergehen werden, sind Fortschritte in diesem Bereich nach Einschätzung der Wissenschaftler dringend notwendig: Die Volkskrankheit Arthrose verursache nicht nur sehr viel persönliches Leid, sondern sei auch für einen großen Teil der über 26 Milliarden Euro an Krankheitskosten verantwortlich, die laut dem Gesundheitsbericht der Bundesregierung jährlich in Deutschland für Erkrankungen des Bewegungsapparates aufgewendet werden müssen.

Thomas Bauer | idw
Weitere Informationen:
http://www.campus.uni-muenster.de/iemm.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Lymphdrüsenkrebs programmiert Immunzellen zur Förderung des eigenen Wachstums um
22.02.2018 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Forscher entdecken neuen Signalweg zur Herzmuskelverdickung
22.02.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Die Entschlüsselung der Struktur des Huntingtin Proteins

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics