Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscherteam entschlüsselt genetischen Auslöser von Lungenkrankheit

04.02.2013
Wissenschaftler beschreiben erstmals Gendefekt, der für chronische Entzündungen der Lungen und Nasennebenhöhlen verantwortlich sein kann / Grünalgen brachten die Lösung

Für Patienten, die an chronischen Entzündungen der Lungen und Nasennebenhöhlen leiden, gibt es neue Hoffnung. Ein internationales Forschungsteam um den Direktor der Klinik für Allgemeine Pädiatrie am Universitätsklinikum Münster, Prof. Heymut Omran, hat erstmals einen Gendefekt beschrieben, der für solche Erkrankungen verantwortlich sein kann. Die Erkenntnisse wurden nun in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Genetics“ veröffentlicht.


Immunfluoreszenzfärbung einer Atemwegszelle mit spezifischen Antikörpern gegen Eiweiße der Flimmerhärchen (gelb). Der Zellkern wurde blau gefärbt. Bild: Omran

Wie Prof. Omran berichtet, beschäftigt sich das Forschungsteam schon seit Jahren mit den Ursachen schwer verlaufender Lungenerkrankungen, vor allem bei Kindern. Bei den betroffenen Patienten ist eine angeborene Fehlfunktion der sogenannten Flimmerhärchen für die häufigen Erkrankungen verantwortlich – deren Ursache war aber bislang nicht bekannt. „Deshalb war es oft schwierig, eine korrekte Diagnose zu stellen und angemessen zu therapieren“, erläutert Omran.

Die Flimmerhärchen, die sich in der Nase befinden, sind für die Reinigung der Atemwege zuständig und wenn diese „Filterfunktion“ ausbleibt, entzünden sich die Atemwege. Dies führt dann zu chronischen Infektionen von Lunge und Nasennebenhöhlen; im schlimmsten Fall kann es sogar zu einem vollständigen Versagen der Lungen kommen. Die Forscher um Prof. Omran haben nun erstmals den Gendefekt beschrieben, der die Erkrankung der Flimmerhärchen, eine sogenannte Primäre Ciliäre Dyskinesie (PCD) auslöst.

Den Weg zu dieser Entdeckung ebnete laut Omran seine Begegnung mit der US-amerikanischen Zellbiologin Mary Porter, die sich mit der Erforschung von Grünalgen beschäftigt. Gemeinsam fanden sie heraus, dass pflanzliche Alge und Mensch prinzipiell an der gleichen Erkrankung leiden können.

„Und so haben wir eine komplett neuartige Diagnosemöglichkeit entwickelt“, sagt Omran, „indem wir die defekten Eiweiße in den Nasenzellen mit Antikörpern anfärben.“ So könne viel früher als bisher eine korrekte Diagnose gestellt und der Patient optimal behandelt werden. Weltweit ist diese Technik bislang nur im Labor von Prof. Omran möglich. Die münsterschen Forscher haben somit den wichtigen ersten Schritt zu besseren Diagnose- und Therapiemöglichkeiten einer Krankheit gemacht, die bislang häufig über eine lange Zeit hinweg unerkannt blieb. Laut Omran ist eine frühe Diagnose „sehr wichtig, damit die Lungenfunktion der Patienten dauerhaft erhalten werden kann.“

Redaktion:

Dr. Thomas Bauer

Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Fachbereich Medizin / Dekanat
Referat Presse & Public Relations
Domagkstraße 3
48149 Münster
Tel: 0251-83-58937 / mobil: 0171-4948979
Web: http://www.campus.uni-muenster.de

Originalpublikation:

Wirschell et al. (2013): The nexin-dynein regulatory complex subunit DRC1 is essential for motile cilia function in algae and humans. Nature Genetics (advance online publication), doi:10.1038/ng.2533

Dr. Christina Heimken | idw
Weitere Informationen:
http://www.campus.uni-muenster.de
http://www.nature.com/ng/journal/vaop/ncurrent/full/ng.2533.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen