Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschergruppe an der Leibniz Universität will Frühwarnsystem für Pandemien entwickeln

23.09.2010
Europäische Union fördert Vorhaben am Forschungszentrum L3S mit zwei Millionen Euro

Twitter, Facebook, studiVZ und Weblogs: Internetforen, Online-Netzwerke und Blogs dienen vor allem der Selbstdarstellung oder der Unterhaltung. Allerdings gibt es auch Inhalte, deren Analyse von Nutzen sein kann. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Forschungszentrum L3S unter Leitung von Prof. Wolfgang Nejdl entwickeln zurzeit ein Frühwarnsystem für Pandemien auf der Basis der Information von Internetplattformen. Die Verbreitung gefährlicher Krankheiten könnte mit einem solchen System schneller eingedämmt werden.

Die Europäische Union (EU) fördert das Projekt Medical EcoSystem (M-Eco) für zweieinhalb Jahre mit insgesamt zwei Millionen Euro. Neben dem L3S, das das Vorhaben koordiniert, sind die dänische Aalborg Universität, die tschechische Brno University of Technology, die Firma Sail Labs Technology, das Robert Koch Institut, das Niedersächsische Landesgesundheitsamt sowie das Joint Research Centre der European Commission an dem Vorhaben beteiligt. Weiterhin verfolgen Vertreter von Gesundheitsorganisationen wie der Weltgesundheitsorganisation WHO interessiert die Entwicklungen des M-Eco Projektes als Mitglieder des dem Konsortiums angegliederten Beirats.

Ziel von M-Eco ist es, bestehende Frühwarnsysteme mit zusätzlichen Informationsquellen und Methoden zur frühzeitigen Erkennung von Krankheitsausbrüchen zu erweitern. Da sich Infektionskrankheiten nicht zuletzt durch den zunehmenden Flugverkehr schneller ausbreiten und jedes Jahr weitere Krankheitsbilder hinzukommen, müssen sich Gesundheitsorganisationen auf immer neue Herausforderungen einstellen. „Die einzige Methode, die Pandemien einzudämmen, ist das frühzeitige Erkennen kleinster Hinweise - gefolgt von einer schnellen Reaktion“, sagt Projektmitarbeiterin Avaré Stewart. Dabei kann das Internet Hilfe bieten.

Die Meldung, dass ein Patient eine hochgradig ansteckende Krankheit hat, erfolgt bislang ausschließlich über die Krankenhäuser an die jeweils lokal zuständigen Gesundheitsämter. Diese leiten die Nachrichten an das Robert Koch Institut weiter. Von hier aus oder von der Weltgesundheitsorganisation kann die Warnung vor einer drohenden Pandemie ausgegeben werden. Insgesamt sind also mehrere Stationen eingeschaltet, bevor eine Warnung veröffentlicht wird und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Das Meldesystem ist gründlich, aber langsam.

Onlinemedien, Weblogs, wissenschaftliche und nicht-wissenschaftliche Diskussionsforen sowie elektronische Kommunikation können ergänzende Informationen über das Auftreten von Krankheiten und deren Symptome liefern. Sie werden daher von den Gesundheitsorganisationen zunehmend als wertvolle Informationsquelle angesehen; die Informationen im Internet könnten helfen, die Möglichkeit der Früherkennung von Krankheiten zu erweitern.

Ziel von M-Eco ist es daher, Internet-Inhalte, die von den Nutzerinnen und Nutzern selbst verfasst wurden (Open Access Media, User Generated Content) zu nutzen, um Hinweise auf das gehäufte Auftreten von Infektionskrankheiten zu erhalten. Dies können Beiträge über Symptome und Krankheiten in Foren sein, aber auch Einträge in Blogs. Aus diesen Hinweisen sollen Signale generiert werden, die mit den entsprechenden Informationen und Internetinhalten den Mitarbeitern in den Gesundheitsorganisationen (u.a. im Robert-Koch Institut) zur Überprüfung mitgeteilt werden. Diese Vorgehensweise würde die traditionellen Methoden der Benachrichtigung ergänzen.

Erste Ergebnisse des Forschungsvorhabens hat Projektleiterin Dr. Kerstin Denecke jetzt auf dem World Congress on Medical and Health Informatics (MedInfo) in Kapstadt (Südafrika) vorgestellt. Demnach sind für die zukünftigen Anwender des M-Eco Systems die nutzerfreundliche Aufbereitung der Ergebnisse sowie die Relevanz der präsentierten Informationen von entscheidender Bedeutung. Die Besonderheiten der Daten, die im M-Eco Projekt eine Rolle spielen (u.a. Blogs, Twitter, Foren) erfordern die Nutzung von umfassenden Algorithmen aus den Bereichen des Text- und Dataminings, die zum einen mit den großen Datenmengen, zum anderen mit den vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten und der Umgangssprache in diesen Texten umgehen können. Solche Verfahren werden momentan am L3S auf ihre Anwendbarkeit in diesem Kontext hin getestet und angepasst, um sie dann ggf. in das M-Eco System zu integrieren.

Mehr im Internet: http://www.meco-project.eu

Hinweis an die Redaktion:
Für weitere Informationen steht Ihnen Dr. Kerstin Denecke, Projektleiterin am Forschungszentrum L3S der Leibniz Universität Hannover, unter Telefon +49 511 762 17725 oder per E-Mail unter denecke@l3s.de gern zur Verfügung.

Jessica Lumme | idw
Weitere Informationen:
http://www.meco-project.eu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten