Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher entwickeln Therapieansatz für Leukämie

03.03.2010
Ausschalten der Signalweiterleitung treibt Krebszellen in den Selbstmord

Der Behandlung von Leukämie könnte es in Zukunft gelingen, die Krankheit nicht nur in Schach zu halten, sondern sie sogar völlig zu besiegen. Hoffnung darauf gibt eine Entdeckung eines internationalen Forscherteams rund um Veronika Sexl vom Institut für Pharmakologie der Medizinischen Universität Wien.

In der Fachzeitschrift "EMBO Molecular Medicine" berichten die Wissenschaftler, dass sie die Kommunikation der Tumorzellen entschlüsseln konnten. „Auf dieser Grundlage gelang es uns, Leukämiezellen von Mäusen in den Selbstmord zu treiben“, berichtet Sexl im pressetext-Interview.

Schwaches Glied in der Krebskette gefunden

Damit Körper- und auch Tumorzellen wachsen und sich erneuern können, müssen sie zunächst durch Hormone Wachstumssignale an Rezeptoren ihrer Oberfläche empfangen, die sie dann an ihre Erbinformation im Zellinneren weiterleiten. Diese Weiterleitung geschieht über spezielle Proteine, die als „Transkriptionsfaktoren“ bezeichnet werden. Bei Leukämien mit dem Fusionsgen Bcr/Abl sind anfangs zwei Faktoren namens „Stat3“ und „Stat5“ involviert, haben die Forscher nun entdeckt. „Sobald die Leukämiezelle etabliert ist, übernimmt Stat5 diese Aufgabe allein und ist zentraler Schalter im Signalnetzwerk der Zelle“, erklärt Sexl.

Die Forscher konnten auch zeigen, dass das Ausschalten von Stat5 große Vorteile für die Leukämie-Therapie bringen kann. Dazu entwickelten sie Tumorzellen, in denen Stat5 bei Bedarf aus der Erbanlage entfernt werden kann. Es zeigte sich, dass die Tumorzellen ohne die durch Stat5 übermittelten Signale nicht mehr überlebensfähig sind und sterben. Wichtig war zudem, dass die Blockade vom Organismus gut toleriert wurde und selbst Mutationen der Leukämie von Stat5 abhängig blieben.

Leukämie weg statt lebenslanger Therapie

Bisher verwendet man in der Therapie das Medikament Imatinib, das Sexl als "wunderbare Pionierleistung" in der Leukämie-Behandlung bezeichnet. „Dem Wirkstoff gelingt es, alle peripheren Tumorzellen zu eliminieren, aber er lässt die leukämischen Stammzellen unangetastet.“ Die Folge sei, dass Patienten ein Leben lang das Medikament nehmen und Angst vor Rückfällen haben müssen. "Es kann durchaus passieren, dass die Ansprechbarkeit des Mittels nach Jahren verloren geht, da die in die enge getriebenen Tumorzellen mutieren", so die Forscherin.

Dieses Problem könnte durch die Ausschaltung von Stat5 überwunden sein. "Selbst die Tumor-Stammzellen werden dadurch auf Selbstmord programmiert und sterben nach kurzer Zeit ab. Ein auf dieser Grundlage funktionierendes Medikament müsste somit nicht lebenslang eingenommen werden, sondern kann nach der Heilung abgesetzt werden", erklärt Sexl. Selbst Mutationen der leukämischen Zellen konnten in Folge keinen Schaden mehr anrichten.

Bisher kaum Nebenwirkungen

Angst hatten die Wissenschaftler zunächst vor massiven Nebenwirkungen durch die Stat5-Ausschaltung, was sich jedoch nicht bewahrheitet hat. "Sterben auch neugeborene, gesunde Mäuse ohne diesem Transkriptionsfaktor, zeigen erwachsene selbst nach acht Wochen ohne Stat5 keine gröberen Beeinträchtigungen. Scheinbar ist Stat5 im Erwachsenenalter von geringerer Bedeutung", so die Forscherin. Es bestehe daher Hoffnung, dass ein entsprechendes, erst zu entwickelndes Medikament wesentlich ärmer an Nebenwirkungen sei als herkömmliche Krebstherapien.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.meduniwien.ac.at

Weitere Berichte zu: Leukämie Leukämiezelle Mutation Mäuse Nebenwirkung Selbstmord Stat5 Tumorzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise