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Forschen gegen die Volkskrankheit Nr. 2

02.02.2009
400.000.- € für Krebsforschung - Ziel: Prävention und Therapie

Mehr als 45.000 Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland an Krebs im Mund, Rachen, Kehlkopf- oder Lungenbereich: Das entspricht rund 20 Prozent aller bösartigen Tumore.

Leider haben diese Patienten nach wie vor keine gute Prognose: Nach fünf Jahren leben nur noch 50 Prozent der an Mund- oder Rachen-Krebs Erkrankten. Von denjenigen mit bösartigen Tumoren in der Lunge sind es sogar nur 15 Prozent. "Es ist daher wichtig, gerade hier neue Therapie-, aber auch Diagnosemöglichkeiten zu erforschen", betont Privatdozent Dr. Sven Brandau, Leiter der Forschungsabteilung der Essener HNO-Klinik.

Und genau hierfür wurden dem Klinikum vom Bundesministerium für Bildung und Forschung jetzt rund 400.000.- Euro für zunächst drei Jahre zur Verfügung gestellt.

Immuntherapeutischer Ansatz und Früherkennung

Die Essener Forscher und Ärzte aus der HNO- sowie der Inneren Klinik (Tumorforschung) verfolgen dabei einen so genannten immuntherapeutischen Ansatz, der gerade auch in Verbindung mit konventionellen Behandlungsformen eine besonders aussichtsreiche, innovative Therapiestrategie darstellt: Sie nutzen dazu spezielle Antikörper, die im Blut der Erkrankten, aber nicht im Blut von gesunden Menschen vorhanden sind. Denn das Immunsystem wehrt sich gegen Tumorzellen, indem es Antikörper bildet. Zwar reicht die Reaktion nicht aus, um den Krebs zu besiegen, doch können die Wissenschaftler diese Prozesse im Körper nutzen: Zum einen, um die Erkrankung mit Hilfe dieser Bio- oder Tumormarker möglichst früh zu erkennen. Denn je eher Krebs erkannt wird, desto höher sind die Heilungschancen. "Viele Tumore wachsen lange Zeit ohne Symptome und haben zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Metastasen in anderen Organen wie Leber oder Knochen gebildet", erklärt Dr. Wilfried Eberhardt, leitender Oberarzt der Inneren Klinik (Tumorforschung). Außerdem können die Ärzte durch regelmäßige Blutkontrollen mit Hilfe eines Tumormarkers erkennen, ob und in wie weit die Therapie tatsächlich anschlägt.

Gleichzeitig können die Antikörper aber auch gezielt im Kampf gegen den Tumor wirken. Einige wenige sind bereits in der Krebstherapie im Einsatz und konnten die Überlebenszeit der Patienten zum Teil erheblich verlängern. Die Herausforderung für die Forscher besteht nun darin, im Tumorgewebe die molekularen Angriffspunkte der Antikörper zu identifizieren. "Unser Ziel ist es, den Patienten dadurch eine individuelle, genau auf sie abgestimmte Therapie bieten zu können, um so die Überlebensraten zu erhöhen", berichtet Prof. Stephan Lang, Direktor der HNO-Klinik.

Antikörper identifizieren

Bis es soweit ist, haben die Forscher und Ärzte noch eine Menge Arbeit vor sich. So werden sie zunächst das Blut von gesunden und erkrankten Probanden vergleichen und die Biomarker herausfiltern, die ausschließlich die Krebspatienten aufweisen. Mit Hilfe der so genannten Massenspektrometrie identifizieren sie dann die auf den Tumorzellen vorhandenen Zielstrukturen dieser Marker. "Anschließend können im Labor biotechnologisch maßgeschneiderte Antikörper entwickelt werden, die gegen genau diese Zielstrukturen auf den Tumorzellen gerichtet sind. "Diese können dann sowohl in der Diagnose als auch therapeutisch eingesetzt werden", so Dr. Brandau. Bei der Antikörperentwicklung arbeiten die Essener Forscher und Ärzte eng mit Projektpartnern aus der Pharmaindustrie zusammen mit dem Ziel, die so identifizierten Antikörper schließlich als Wirkstoff für die Patienten in der Krebstherapie einsetzen zu können.

Nähere Informationen:

Privatdozent Dr. Sven Brandau, Forschungsleiter der Uni-Klinik für Hals-, Nasen, Ohrenerkrankungen; Universitätsklinikum Essen, Tel.: 0201/723 - 3193, sven.brandau@uk-essen.de

Dr. Wilfried Eberhardt, Ltd. Oberarzt der Poliklinik, Innere Klinik (Tumorforschung), 0201/723 - 3312 , wilfried.eberhardt@uk-essen.de

Kristina Gronwald | idw
Weitere Informationen:
http://www.uk-essen.de

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