Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fluoxetin verbessert die Wiederherstellung der Beweglichkeit nach einem Schlaganfall

27.01.2011
Forscher um François Chollet [1] des Inserm in Toulouse (Midi-Pyrénées) konnten jetzt nachweisen, dass die Verabreichung von Fluoxetin (Handelsname Prozac®) kurz nach einem Schlaganfall die Wiederherstellung der Beweglichkeit verbessern kann, wodurch die Patienten ihre oft stark beeinträchtige Unabhängigkeit wiedergewinnen würden.

Die Studie erhielt die Bezeichnung FLAME für Fluoxetine for motor recovery after acute ischaemic stroke – Fluoxetin zur Wiederherstellung der Beweglichkeit nach einem ischämischen Schlaganfall. Die Ergebnisse wurden am 10. Januar 2011 in der Fachzeitschrift The Lancet Neurology veröffentlicht [2].

Schlaganfälle treten nach dem Verschluss eines Blutgefäßes im Gehirn auf. Sie sind die dritthäufigste Todesursache und die zweithäufigste Ursache für Behinderungen bei Erwachsenen in Frankreich. Jedes Jahr erleiden 130.000 Menschen zum ersten Mal einen Schlaganfall. Er kann irreversible Schäden verursachen, da die Nervenzellen im Gehirn nicht mehr mit Blut und somit mit Sauerstoff versorgt werden und deshalb absterben. Zudem können sich Nervenzellen nicht erneuern (oder nur in sehr seltenen Fällen). Aus diesem Grund sind die Hemiplegie (halbseitige Körperlähmung) und die Hemiparese (Bewegungsschwäche einer Körperhälfte) die häufigsten Folgen eines Schlaganfalls. Das französische Gesundheitsministerium hat 2010 einen nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung des Schlaganfalls verabschiedet [3].

An der zwischen März 2005 und Juni 2009 durchgeführten klinischen FLAME-Studie nahmen insgesamt 118 halbseitig gelähmte Patienten auf neun Schlaganfall-Stationen (Stroke Unit) in Frankreich teil. Den Patienten wurde nach dem Schlaganfall über drei Monate täglich entweder 20mg Fluoxetin (59 Patienten) oder ein Placebo (59 Patienten) verabreicht. Alle Betroffenen erhielten Rehabilitationsmaßnahmen. Bewegungstests wurden vor Beginn der Studie und nach drei Monaten durchgeführt. Dabei mussten die Patienten einfache Übungen mit den oberen und unteren Gliedmaßen (Beugen, Strecken der Finger, des Handgelenks, des Fußes, etc.), aber auch komplexere Übungen (die Hand auf den Rücken legen, ein Objekt greifen, etc.) absolvieren. Alle Übungen wurden nach einem Bewertungsmaßstab beurteilt, der von der Wissenschaftsgemeinschaft anerkannt ist.

Nach dem Anfall erlangten alle Patienten ihre Beweglichkeit mehr oder weniger zurück. Jedoch war bei den Fluoxetin-Patienten die Wiederherstellung deutlicher zu beobachten als bei den Patienten, denen ein Placebo verabreicht wurde. Diese Verbesserung war sowohl bei den Armen als auch bei den Beinen zu beobachten. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Lähmung bei den mit Fluoxetin behandelten Patienten deutlicher abnahm, als bei den Placebo-Patienten und sie ihre Unabhängigkeit im Alltag schneller zurückgewannen (Gehen, Waschen, alltägliche Bewegungen, etc.). Die Behandlung wurde gut vertragen und es traten nur schwache Nebenwirkungen auf. Die Fluoxetin-Patienten klagten häufiger über Verdauungsstörungen, litten aber seltener unter Depressionen.

Nach Ansicht der Wissenschaftler hat das Arzneimittel einen positiven Einfluss auf die Regenerationsfähigkeit der Neuronen und bietet deshalb einen neuen therapeutischen Ansatz. Außerdem ist das Patent zu diesem Medikament zum Gemeingut geworden und wird dadurch kostengünstiger.

Weitere Studien sollen folgen, um beispielsweise die Langzeitwirkung, die Dauer einer optimalen Verabreichung und die Auswirkungen auf die Nervenfunktionen (abgesehen von der Motorik) zu untersuchen.

[1] Inserm Einheit 825 " Hirn-Tomographie und neurologische Behinderungen"
Interview mit François Cholet über die Ergebnisse dieser Studie auf LCI/Aviesan (auf Französisch):

http://www.aviesan.fr/aviesan/accueil/toute-l-actualite/un-antidepresseur-efficace-contre-les-accidents-vasculaires-cerebraux

[2] Originalpublikation: "Fluoxetine for motor recovery after acute ischaemic stroke (FLAME): a randomised placebo-controlled trial", The Lancet Neurology – 10.01.2011 -

http://www.thelancet.com/journals/laneur/article/PIIS1474-4422%2810%2970314-8/fulltext

[3] Weitere Informationen über den nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung des Schlaganfalls (auf Französisch):

http://www.sante-sports.gouv.fr/l-action-du-gouvernement-le-plan-d-actions-national-avc-2010-2014.html

Kontakt:
- François Chollet - Inserm Einheit 825 " Hirn-Tomographie und neurologische Behinderungen", Abteilung für Neurologie, CHU Purpan, 31059 TOULOUSE CEDEX 3 – Tel: +33 561779504 – Fax: +33 561499524 - E-Mail: francois.chollet@inserm.fr - http://www.u825.toulouse.inserm.fr/
Quelle:
- "La fluoxetine (Prozac) accroit la récupération de la motricité après un accident vasculaire cérébral" Pressemitteilung des Inserm – 10.01.2011 -

http://www.inserm.fr/espace-journalistes/la-fluoxetine-prozac-accroit-la-recuperation-de-la-motricite-apres-un-accident-vasculaire-cerebral#

Redakteurin: Claire Cécillon, claire.cecillon@diplomatie.gouv.fr

Marie de Chalup | Wissenschaft-Frankreich
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft-frankreich.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

6. Leichtbau-Tagung: Großserienfähiger Leichtbau im Automobil

23.08.2017 | Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Turbulente Bewegungen in der Atmosphäre eines fernen Sterns

23.08.2017 | Physik Astronomie

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Mit Algen Arthritis behandeln

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie