Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fit mit dem Internet - Mit internetgestütztem Bewegungsprogramm erfolgreich Übergewicht abbauen

23.06.2010
Wissenschaftler der Wirtschaftsinformatik und der Sportmedizin der Technischen Universität München (TUM) entwickelten das internetgestützte Bewegungsprogramm Personal Health Manager (PHM) und erprobten es in mehreren Feldtests. Dabei wurden die Teilnehmer des Programms in unterschiedlicher Weise betreut.

Es zeigt sich, dass übergewichtige, inaktive Menschen mit dieser Methode auf allen Betreuungsebenen ihre Aktivität deutlich steigern können. Vor allem Krankenkassen und Unternehmen profitieren von diesem Modell: Sie könnten ihren Mitgliedern beziehungsweise Mitarbeitern ein relativ preisgünstiges Angebot offerieren, das diese zu mehr Bewegung im Alltag motiviert.

Regelmäßige Bewegung kann einer Vielzahl von Krankheiten und Beschwerden vorbeugen. Trotzdem bewegen sich die meisten viel zu wenig. Dem wollen die TUM-Wissenschaftler mit dem Personal Health Manager entgegenwirken: Ca. 250 bis dahin inaktive Personen im Alter von 35-65 Jahren testeten sechs Monate lang das Bewegungsprogramm. Sie wurden über das Internet angeleitet und betreut. In dem persönlichen Bereich der PHM-Internetplattform erhielt jeder Programmteilnehmer einen Bewegungsplan, Tipps und Feedback. Absolvierte Einheiten konnten auf der Internetseite in einem Trainingskalender dokumentiert werden. Betreuer beobachteten diese Dokumentationen und unterstützten die Aktiven, wenn Unzufriedenheit, Fragen, starke Abweichungen vom gesundheitsförderlichen Umfang oder andere Auffälligkeiten auftraten. Die Probanden passten den Bewegungsplan an ihre Bedürfnisse individuell an: Ort und Zeit der Aktivität sowie die Sportart legten sie selbst fest. So entschieden sie sich beispielsweise zwischen Sportarten wie Jogging, Walking oder Fahrrad fahren.

Die Studie belegt, dass ein internetgestütztes Bewegungsprogramm Erfolg hat. Im Durchschnitt steigerten die Probanden sowohl die sportliche als auch die alltägliche Aktivität in hohem Maße, wobei die Alltagsaktivität einen deutlich größeren Anteil an der Gesamtaktivität der Teilnehmer hat. Um das zu ermitteln, werteten die Wissenschaftler die Dauer, Intensität und Häufigkeit der Alltags- und Sportaktivität aus, die die Teilnehmer dokumentierten. Hinzu kamen noch die Daten der Pulsuhren und Angaben der Trainer.

Außerdem ermittelten die Forscher den Grad der Verhaltensänderung. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich Verhaltensänderung über fünf Stufen vollzieht: Vom ersten Nachdenken und ersten Schritten über gezielte Aktivitäten und schließlich dauerhaftes Ausüben des neuen Verhaltens. Im Testlauf konnte bei den Teilnehmern des PHM-Programms eine signifikante Verbesserung festgestellt werden. 35 % der Teilnehmer stiegen um mindestens eine Stufe auf.

Die Betreuung über das Internet macht das PHM-Programm einerseits für den Teilnehmer flexibler und andererseits für den Betreuer weniger aufwendig, da er sich bei der Auswertung der Daten von der PHM-Internetplattform unterstützen lassen kann. „Dadurch ermöglicht der Personal Health Manager Unternehmen, Krankenkassen oder anderen Gesundheitsdienstleistern auch sehr große Teilnehmergruppen effizient zu betreuen. Für Anbieter und Teilnehmer wird das Programm so deutlich billiger“, beurteilt Projektleiter Prof. Dr. Leimeister vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der TU München.

Die Entwickler des PHM-Programms teilten die möglichen Betreuungsleistungen in vier Sevicelevels ein. Auf der ersten Ebene bekamen die Programmteilnehmer lediglich automatisch generiertes Feedback und Tipps per E-Mail. Auf anderen Serviceebenen traten die Beteiligten aktiv in Kontakt miteinander: Die Probanden konnten per E-Mail Fragen an den Trainer stellen bis hin zu regelmäßigen Anrufen des Trainers, um das Ergebnis des zweiwöchentlichen Trainingsziels zu besprechen.

Die Ergebnisse zeigen, dass regelmäßiges persönliches Feedback eine besonders positive Auswirkung hat. Teilnehmer mit der umfangreichsten Betreuung (Servicelevel 4) erreichten im Durchschnitt eine fortgeschrittenere Stufe der Verhaltensänderung und eine höheres Aktivitätsniveau als Teilnehmer der anderen Servicelevels. Auf der höchsten Serviceebene ist auch die Abbrecherquote geringer, vor allem im Vergleich von Servicelevel 1 und 4.

Dennoch: Die Studie belegt ebenso, dass auch mit weniger persönlichem Kontakt wie in den unteren Serviceebenen bereits gute Ergebnisse erzielt werden. Die Probanden haben ihre Aktivität in allen Serviceebenen signifikant gesteigert.

Der PHM wurde im Rahmen des Forschungsprojektes SPRINT (Systematische Integration von Produkt und Dienstleistung in der Gesundheitswirtschaft) konzipiert. Im Zentrum stand die Entwicklung von sogenannten „hybriden Produkten“, einer Kombination aus Produkt, Software und begleitender Dienstleistung. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierte das Projekt SPRINT (FKZ 01FD0609-10), ein Verbundprojekt des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik der TU München, des Lehrstuhls für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin der TU München und des Center for Leading Innovation and Cooperation (CLIC) der Handelshochschule Leipzig. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts SPRINT wurden in einem Abschlussband zusammengefasst, der unter dem Titel „Hybride Wertschöpfung in der Gesundheitsförderung“ erhältlich ist.

Dr. Ulrich Marsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.myphm.de
http://www.projekt-sprint.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Risikofaktoren für Angsterkrankungen
22.02.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Innovative Antikörper für die Tumortherapie
20.02.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

IHP-Forschungsteam verbessert Zuverlässigkeit beim automatisierten Fahren

22.02.2017 | Automotive

Neue Prozesstechnik für effizientes Bohren und Schneiden auf der LASER CHINA

22.02.2017 | Messenachrichten

Nanoinjektion steigert Überlebensrate von Zellen

22.02.2017 | Physik Astronomie