Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fische im Orbit: Forscher untersucht, weshalb Reisende oft unter Übelkeit leiden

16.04.2013
Die Antwort erhofft sich ein Biologe der Universität Hohenheim im Weltraum / Trägerrakete bringt am 19. April 2013 40 Buntbarsche in Erdumlaufbahn

Zwischen zehn und 15 Prozent sind betroffen: Bei Fahrten mit Autos, Bussen oder Zügen, auf Schiffen und in Flugzeugen wird ihnen übel. Einige müssen sich sogar übergeben. Weil auch Fische unter der Reisekrankheit leiden, schießt ein Biologe der Universität Hohenheim 40 Buntbarsche ins All. Raketenstark ist am 19. April 2013 auf dem russischen Weltraumbahnhof Baikonur.

Prof. Dr. Reinhard Hilbig, Leiter der Arbeitsgruppe Neuro- und Gravitationsbiologie an der Universität Hohenheim, vermutet den Grund für die Reisekrankheit im Innenohr: „Dort sitzt das Sinnesorgan, mit dem wir Schwerkraft und Beschleunigung wahrnehmen“, erklärt der Biologe.
Genau genommen handelt es sich um winzige Steinchen, Otolithen genannt. Sie erfassen die dreidimensionale Lage im Raum und leiten sie an das Gehirn weiter.

Widersprüchliche Meldungen an das Gehirn könnten Übelkeit verursachen
Der Experte vermutet: „Reisenden wird übel, wenn die Otolithen andere Signale an das Gehirn schicken als die Augen.“ Denn die Otolithen seien paarweise angeordnet und eine stabile Raumorientierung sei nur möglich, wenn die Steinchen auf beiden Seiten gleich groß und schwer seien. „Wenn die Otolithen-Paare asymmetrisch angeordnet sind, leiten sie Meldungen an das Gehirn weiter, die dem widersprechen, was wir sehen.“

Manchmal könne das Gehirn diesen Informationskonflikt nicht lösen. Es begreife dann nur, dass etwas nicht stimme. „Zum Schutz nimmt es an, der Körper sei vergiftet – und leitet Brechreiz ein.“

Um seine These zu überprüfen, schießt Prof. Dr. Hilbig 40 Buntbarsche in einem Spezial-Aquarium ins All. Deshalb soll am 19. April 2013 eine Trägerrakete vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur starten. Sie bringt einen Satelliten namens Bion M1 auf eine Erdumlaufbahn in rund 650 Kilometern Höhe. Der umkreist dort einen Monat lang die Erde.

15 Prozent der Fische werden reisekrank
Denn aus vorgegangenen Untersuchungen im Weltraum hat der Forscher bereits beobachtet, dass sich der Calcium-Stoffwechsel von Menschen und Tieren nach einigen Tagen im All verändert: „Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Knochen im Skelett, sondern auch auf die Otolithen. Denn auch sie bestehen aus Calcium.“
„Das Schweresinnesorgan der Fische stimmt zu ca. 90 Prozent mit dem der Menschen überein“, erklärt der Biologe. Genauso wie bei den Menschen werde sich die Schwerelosigkeit bei zehn bis 15 Prozent der Fische auf die Otolithen auswirken, mutmaßt Prof. Dr. Hilbig. „Diese Fische werden reisekrank.“

Medikamente gegen die Weltraumkrankheit
Der Forscher nimmt an, dass sich bei den Fischen die Schwerelosigkeit auf Größe und Gewicht der Otolithen auswirkt. Das Weltraum-Experiment soll nun zeigen, wie sich die Otolithen von reisekranken Fischen von denen der gesunden Buntbarsche unterscheiden. „Vielleicht gibt es obendrein einen Zusammenhang zwischen dem Umfang der Veränderungen an den Otolithen und der Schwere der Erkrankung“, mutmaßt der Forscher. Aufschlussreich sei auch, wie lange es dauert, bis sich die betroffenen Fische wieder erholt haben, wenn sie wieder auf der Erde sind.
„Uns als Forscher interessieren dabei die grundsätzlichen Mechanismen der Raumorientierung und des Calcium-Stoffwechsels, in die wir dank der Schwerelosigkeit einen Einblick bekommen. Wenn diese besser bekannt sind, werden auch in der Zukunft Medikamente gegen die Reisekrankheit entwickelt werden können“, prophezeit Prof. Dr. Hilbig.
Text: Weik / Klebs

Kontakt für Medien:
apl. Prof. Dr. Reinhard Hilbig,
Universität Hohenheim, Arbeitsgruppe Neuro- und Gravitationsbiologie,
Tel.: 0711/459-23349, E-Mail: Reinhard.Hilbig@uni-hohenheim.de

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz im Kampf gegen Prostatakrebs entdeckt
24.05.2018 | Universität Bern

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics