Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fettleber – Startschuss für ein schwerwiegendes Problem

06.04.2011
Bei einem Überangebot von Fettmolekülen drosseln Leberzellen die Produktion eines wichtigen Regulationsproteins.

Dies ist ein zentraler molekularer Schritt bei der Entstehung einer Fettleber, wie Wissenschaftler der gemeinsamen Forschungsabteilung „Molekulare Stoffwechselkontrolle“ des Deutschen Krebsforschungszentrums, des Zentrums für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg und des Universitätsklinikums nun veröffentlichen.

Speckrollen um Hüfte und Bauch sind zwar mit unseren derzeitigen Schönheitsidealen kaum vereinbar, stellen aber bis zu einem gewissen Umfang eine normale, ja sogar lebenswichtige Energiereserve des Körpers dar. Anders sieht es dagegen aus, wenn der Organismus Fett in Organen wie Leber, Bauchspeicheldrüse oder Muskulatur einlagert: Dies sind klare Anzeichen für eine Stoffwechselstörung.

Bis zu 80 Prozent aller stark übergewichtigen Menschen entwickeln eine Fettleber, die als typisches Kennzeichen für das gefährliche Metabolische Syndrom gilt. Die Fetteinlagerung in der Leber kann zu chronischer Leberentzündung und sogar zum Leberkarzinom führen. Daneben wird die Fettleber als unabhängiger Risikofaktor für koronare Herzerkrankungen und für Artherosklerose angesehen.

Die Fettleber tritt oft als schwerwiegende Begleiterkrankung von Insulinresistenz und Typ 2-Diabetes auf. Wissenschaftler um Dr. Stephan Herzig untersuchten nun, welche molekularen Schalter in der Zelle umgelegt werden, wenn die Ernährung ein Überangebot von energiereichen Fetten, den Triglyceriden, liefert.

Dazu ermittelten die Forscher im Lebergewebe von Mäusen den Gehalt an bestimmten Proteinen, die an der gezielten Genaktivierung beteiligt sind. Die so genannten Ko-Aktivatoren der Transkription regulieren, welche Gene in einer Zelle abgelesen werden. An übergewichtigen Mäusen beobachteten die Wissenschaftler, dass ein hoher Triglycerid-Spiegel in der Leber immer mit verminderter Produktion des Ko-Aktivators TBL1 einherging. Dies galt sowohl für Tiere, die aus erblichen Gründen eine Fettleber entwickeln, als auch für Artgenossen, die kalorienreiches Futter erhielten.

In der Leber, nicht jedoch in anderen Geweben, drosselt ein Überangebot von Fett die Produktion von TBL1. Dies bewirkt, dass die Leber weniger Fett verbrennt und stattdessen mehr Fettmoleküle einlagert: „Das wiederum könnte dann zu einem weiteren Rückgang der TBL1-Produktion führen“, erklärt Stephan Herzig.

Ob sich die an Mäusen gewonnenen Erkenntnisse auf den Menschen übertragen lassen, untersuchten die Forscher an Gewebeproben menschlicher Lebern. Je höhere Triglycerid-Spiegel sie maßen, desto weniger TBL1 fanden sie in den Proben.

Stephan Herzig erwartet einen praktischen Nutzen der Ergebnisse: „Möglicherweise können wir in Zukunft anhand der TBL1-Spiegel unter den Übergewichtigen die Personen herausfiltern, die ein besonderes Risiko haben, eine Fettleber zu entwickeln. Dem könnte man dann gezielt durch Diätempfehlungen gegensteuern.“

Philipp Kulozik, Allan Jones, Frits Mattijssen, Adam J. Rose, Anja Reimann, Daniela Strzoda, Stefan Kleinsorg, Christina Raupp, Jürgen Kleinschmidt, Karin Müller-Decker, Walter Wahli, Carsten Sticht, Norbert Gretz, Christian von Loeffelholz, Martin Stockmann, Andreas Pfeiffer, Sigrid Stöhr, Geesje M. Dallinga-Thie, Peter P. Nawroth, Mauricio Berriel Diaz und Stephan Herzig: Hepatic deficiency in transcriptional co-factor TBL1 promotes liver steatosis and hypertriglyceridemia. Cell Metabolism, 2011, DOI: 10.1016/j.cmet.2011.02.011

Ein Bild zur Pressemitteilung steht im Internet zur Verfügung unter
http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2011/images/Liver.jpg
Legende: Dreidimensionale Darstellung einer Leber mit Blutgefäßen (rot und blau) sowie Gallengängen und Gallenblase (grün)

Bildquelle: Prof. Dr. Hans-Peter Meinzer, Deutsches Krebsforschungszentrum

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Ansätze, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Daneben klären die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Dr. Stefanie Seltmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de

Weitere Berichte zu: DKFZ Fettleber Fettmolekül Mäuse Triglycerid-Spiegel Zelle Überangebot

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magnetische Kraft von einzelnen Antiprotonen mit höchster Genauigkeit bestimmt

18.01.2017 | Physik Astronomie

Löschwasser mobil und kosteneffizient reinigen

18.01.2017 | Verfahrenstechnologie

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten