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Fettleber, Fettsäuren und Fetuin-A: 3 Parameter für die bessere Identifizierung von Risikopatienten

09.12.2014

Wissenschaftler am Universitätsklinikum Tübingen konnten im vergangenen Jahr zeigen, dass bei gleichzeitigem Vorliegen von erhöhten Fetuin-A- und Fettsäurewerten das Risiko für die Entstehung einer Insulinresistenz erhöht ist.

Die verminderte Insulinwirkung im Körper wird als eine sehr wichtige gemeinsame Ursache für Volkskrankheiten wie Typ 2 Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen oder von bestimmten Krebserkrankungen angesehen. Aktuelle Untersuchungen haben jetzt ergeben, dass bei gleichzeitigem Auftreten einer deutlichen Fettleber das Risiko für eine Insulinresistenz sich weiter erhöht.


Prof. Dr. med. Norbert Stefan

Universitätsklinikum Tübingen

Patienten, die alle drei Risikofaktoren (Fettleber, erhöhtes Fetuin-A, hohe Fettsäurewerte) aufweisen, könnten daher von einer medikamentösen Reduktion des Fetuin-A profitieren. Die Tübinger Ergebnisse sind wichtige Hinweise darauf, dass man vor einer Lebensstilintervention die Teilnehmer hinsichtlich der Körperfettverteilung und ihrem Stoffwechsel genau charakterisieren sollte, um Patienten mit hohem Risiko für eine Stoffwechselerkrankung gezielt betreuen zu können und ihnen gegebenenfalls eine medikamentöse Unterstützung anzubieten.

Im New England Journal of Medicine ** stellen Universitätsprofessor Dr. med. Norbert Stefan und sein Forscherteam die neuen Erkenntnisse vor: Die Daten von 280 untersuchten Personen mit einem Risiko für Typ 2 Diabetes zeigen, dass die Konzentration des Fettleberhormons Fetuin-A im Blut die Insulinresistenz bei Menschen mit einer Fettlebererkrankung viel stärker bestimmt als dies bei Menschen ohne eine Fettlebererkrankung der Fall ist.

„Damit haben wir sowohl einen Marker als auch einen Mechanismus der Insulinresistenz gefunden, der es uns erlaubt, die Patienten zu identifizieren, die eine auf sie zugeschnittene Prävention und Therapie benötigen, um sich mit ihrem erhöhten Risiko vor Typ 2 Diabetes und kardiovaskulären Erkrankungen zu schützen,“ betont Stefan.

Der Experte ist Inhaber der Heisenberg-Professur für klinisch-experimentelle Diabetologie am Universitätsklinikum Tübingen und Leiter der Abteilung Pathophysiologie des Prädiabetes des Instituts für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM) des Helmholtz Zentrums München, ein Partner des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD).

„Wer übergewichtig ist, muss nicht unbedingt ein Risikopatient sein, wer normalgewichtig ist, ist nicht per se gefeit vor Insulinresistenz und deren Folgeerkrankungen. Erst die genaue Diagnose zu Fettsäurewerten, Fetuin-A-Spiegel und Fettstatus der Leber erlauben eine genauere Einschätzung des Erkrankungsrisikos. Dann kann eine Lebensstiländerung oder eine medikamentöse Therapie gezielt eingesetzt werden“, schlussfolgert Stefan.

Hintergrund

Rolle der Fettleber bei der Entstehung von Typ 2 Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen

Früher vermutete man im zunehmenden Übergewicht der Bevölkerung den Hauptgrund für immer mehr Fälle von Typ 2 Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen. In den vergangenen Jahren entdeckten Tübinger Wissenschaftler, dass die Fettleber ebenfalls einen wichtigen Anteil an der Entstehung dieser Erkrankungen hat.

Professor Stefan und sein Forscherteam haben in langjähriger Arbeit Hormone untersucht, die je nachdem, ob der Proband an einer Fettleber leidet oder gesund ist, unterschiedlich stark von der Leber in das Blut ausgeschüttet werden. Dabei konnten sie zeigen, wie eine verfettete Leber ihr Sekretionsverhalten ändert und Eiweiße in unterschiedlichem Maße in den Blutkreislauf abgibt.

Diese Eiweiße erreichen andere Organe und üben dort ihre Wirkung aus. Eines der wichtigsten Vertreter ist das Eiweiß Fetuin-A. Seine Bestimmung im Blut dient nicht nur dazu, eine Fettleber früher zu diagnostizieren, sondern vor allem das Risiko für Stoffwechselerkrankungen (wie z.B. eine Insulinresistenz) vor allem bei normal- bis leicht übergewichtigen Menschen besser vorherzusagen.

Zusammenspiel verschiedener Faktoren

Die Volkskrankheiten Typ 2 Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen und bestimmte Krebserkrankungen treten gehäuft gemeinsam auf. Die verminderte Insulinwirkung im Körper, die mit einer subklinischen Entzündungsreaktion einhergeht, wird als eine sehr wichtige gemeinsame Ursache dafür angesehen.

Vor allem die erhöhten Fettsäuren im Blut stehen seit vielen Jahren im Verdacht, hauptsächlich dafür verantwortlich zu sein. Körperfettmasse und Fettgewebs-Hormonkonzentration im Blut können jedoch nur bedingt das Risiko für Typ 2 Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen vorhersagen. Die Forschung der Tübinger Wissenschaftler hat ergeben, dass hohe Fettsäurewerte im Blut beim Menschen eine Insulinresistenz nur dann vorhersagen, wenn gleichzeitig im Blut hohe Werte des Fettleberhormons Fetuin-A vorliegen, dass von einer Fettleber produziert wird. Damit bestätigt sich, dass Fetuin-A die Fettsäuren für seine krankmachenden Eigenschaften hinsichtlich der Stoffwechselerkrankungen braucht.

**Titel der Publikation
Stefan N, Schick F, Häring HU. Ectopic Fat in Insulin Resistance, Dyslipidemia and Cardiomettabolic Disease. N Engl J Med. 2014 Dec 4;371(23):2236-2238.
doi: 10.1056/NEJMc1412427

Medienkontakt

Universitätsklinikum Tübingen
Medizinische Klinik, Abteilung IV
Prof. Dr. med. Norbert Stefan
Otfried-Müller-Straße 10, 72076 Tübingen
Tel. 07071/29-8 03 90, Fax 0 70 71 / 29-59 74
norbert.stefan@med.uni-tuebingen.de

Dr. Ellen Katz | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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