Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Fette das Tumorwachstum fördern

30.11.2009
1884 hat der Deutsche Mediziner J. Tudichum erstmals Sphingolipide isoliert und die Substanzen aufgrund ihrer rätselhaften Eigenschaften nach der Sphinx aus der griechischen Mythologie benannt.

Man weiß heute, dass Sphingolipide nicht nur strukturgebende Bestandteile von Zellmembranen sind, sondern auch als Signalbotenstoffe der zellulären Kommunikation dienen.

S1P (Sphingosin-1-Phosphat) ist ein Produkt des Sphingolipidmetabolismus und besitzt tumorfördernde Eigenschaften. S1P wirkt proliferativ sowie antiapoptotisch und unterstützt die Angiogenese und Zellmigration. Molekular vermittelt S1P diese Wirkungen vermutlich indirekt über die Bildung/Freisetzung proangiogenetisch wirkender Faktoren (z.B. vacular endothelial growth factor, VEGF, IL-6 oder IL-8).

Leider sind die Quellen der S1P-Bildung sowie die Mechanismen der zellulären S1P-Freisetzung in der Umgebung der Tumorzellen unbekannt. Eine tumorfördernde Eigenschaft von S1P wird jedoch auch durch die Tatsache untermauert, dass die Expression der Sphingosinkinase-1 (Sphk1), einem Enzym, welches S1P aus Sphingosin herstellt, in einigen Tumoren mit einer geringeren Überlebensrate der Patienten korreliert und ein gegen S1P gerichteter Antikörper verlangsamt das Tumorwachstum in orthotopen Modellen maligner Tumore.

Unsere Arbeiten zeigen, das S1P zur Akkumulation des Hypoxie-induzierbaren Faktors-1a (HIF-1a) unter Normoxie, Aktivierung von HIF-1 und Zielgenexpression von z.B. VEGF führt. HIF ist seit einigen Jahren als zellulärer Sauerstoffsensor bekannt und in einem rasch wachsenden Tumor kommt es durch Sauerstoffmangel zur Expression von HIF. Die Aktivierung dieses Transkriptionsfaktors wiederum führt zur Bildung neuer Blutgefäße (Angiogenese) und ermöglicht so die Versorgung des Tumors mit Sauerstoff und Nährstoffen. So bildet HIF einen interessanten Ansatzpunkt einer potentiellen Intervention, um die Blutgefäßneubildung zu blockieren.

Wir vermuten, dass die Fähigkeit von S1P zur Akkumulation von HIF maßgeblich die angio-genesefördernden Eigenschaften von S1P bestimmt. Dies soll anhand von Genexpressionsstudien in Zellen, denen HIF fehlt, bestimmt werden. Weiter postulieren wir, dass S1P nach Freisetzung aus Tumorzellen insbesondere auf Makrophagen (Mf) einwirkt und diese so umprogrammiert, dass sie das Tumorwachstum fördern, anstatt Tumorzellen anzugreifen und zu töten. In einem chemisch induzierten Tumormodell werden wir klären, welche der beiden Sphingosinkinasen (Sphingosinkinase-1 oder -2, SphK1/SphK2) für die Bildung von S1P in Tumorzellen verantwortlich ist und ob die Bildung von S1P über diese Enzyme die Umprogrammierung von Makrophagen beeinflusst.

Unsere Untersuchungen sollen dazu beitragen, die Bildung von S1P in Tumorzellen und die angiogenesefördernde Rolle der durch S1P reprogrammierten Makrophagen besser zu verstehen.

Kontakt:
Prof. Bernhard Brüne Goethe-Universität Frankfurt
Fakultät für Medizin Institut für Biochemie I (Pathobiochemie)
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert die Fortsetzung dieses Forschungsprojekt mit weiteren 160.000 €, nachdem für die erste Förderphase bereits ein ähnlich hoher Betrag bewilligt wurde.

Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Titandioxid-Nanopartikel können Darmentzündungen verstärken
19.07.2017 | Universität Zürich

nachricht Künftige Therapie gegen Frühgeburten?
19.07.2017 | Universitätsspital Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten