Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fette im Futter mit Folgen

24.10.2014

Kalorien spielen keine Rolle bei der Regulierung von Insulin, sondern Lipide

Insulin reagiert auf das, was wir essen: Gerade bei Nahrung mit viel Kohlenhydraten steigt der Blutzuckerspiegel an, woraufhin mehr Insulin ausgeschüttet wird. Eine ganze Kette an Signalen wird dazu aktiviert, die so letztlich Faktoren wie Wachstum, Entwicklung und Lebensdauer eines Organismus an die jeweils verfügbare Nahrungssituation koppeln.


Aufzuchtröhrchen für Fruchtfliegen: Die Lipidklassen in der Nahrung entscheiden, ob in den Tieren der Insulinspiegel hoch- oder runtergefahren wird.

© MPI f. molekulare Zellbiologie und Genetik

Forscher des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden haben nun Lipidmoleküle untersucht, die in Fruchtfliegen wichtige Informationen über die Zusammensetzung der aufgenommenen Nahrung an das Gehirn senden. Die Fette regulieren auf diese Weise den Insulinhaushalt.

Dabei spielt der Kaloriengehalt der Nahrung keinerlei Rolle, sondern lediglich die genaue Zusammensetzung des Futters: Entscheidend ist, welche Fette darin enthalten sind.

Fruchtfliegen im Labor von Suzanne Eaton leben im 5-Sterne-Hotel: ideale Temperaturen, keine Schwankungen, keine Fressfeinde und immer genügend zu fressen. Das Futter hat die Forscher nun besonders interessiert: Wie wirkt es sich auf die Produktion und Ausschüttung von Insulin aus?

Für die Laborfliegen hieß es: Futtern für die Forschung – sie bekamen verschiedene Futtermischungen vorgesetzt, die kalorisch absolut identisch, aber von unterschiedlicher Herkunft waren und unterschiedliche Fette enthielten. Der erste Futtertyp basierte auf Hefe und enthielt kurzkettige, gesättigte Fettsäuren. Er bewirkte, dass die Insulinproduktion der Fliegen deutlich hochgefahren wurde.

Bekamen die Tiere hingegen den zweiten Futtertyp zu fressen, eine rein pflanzliche Nahrung ohne Hefe, so hatte das den umgekehrten Effekt: Der Blutzucker-senkende Stoff wurde weniger produziert und ausgeschüttet. Die Blut-Hirn-Schranke, so zeigen die Studien der Dresdner Forscher, ist dabei hauptsächlich der Sensor, der an der Grenze zwischen Blutkreislauf und dem Nervensystem Informationen zur Nahrungszusammensetzung aufnimmt und an spezielle Nervenzellen weiterleitet, die dann im nächsten Schritt den Insulinspiegel hoch- oder herunterfahren.

Bei den Fruchtfliegen im Labor hat die richtige Kost sogar die durchschnittliche Lebensdauer erhöht, obwohl das Futter durchaus kalorienreich war. Auch das untermauert die These, dass bei der Insulinregulierung nicht Kalorien entscheidend sind, sondern eher bestimmte Signalelemente, die richtige Zusammensetzung von Fetten.

„Wenn man den gleichen Effekt wie mit einer sehr strengen Diät mit extrem reduzierter Kalorienzufuhr erzielen könnten, indem man einfach in der Nahrung die Signalmoleküle unter Kontrolle bekommt – das wäre natürlich fantastisch“, so Suzanne Eaton. Auf den Menschen lassen sich die Ergebnisse von den Fruchtfliegen allerdings nicht so einfach übertragen.

Studien anderer Labore haben die Insulinsignalwege in Mäusen und Menschen verglichen: Die Ergebnisse geben Anlass zur Hoffnung, dass hier ein wichtiger Ansatz für zukünftige Therapien für Diabetes-Typ-2 liegen könnte. Eines Tages könnten auch die Erkenntnisse der Dresdner Forscher in der Medizin und vor allem in der Prävention hilfreich sein.

Denkbar ist, dass ein besseres Verständnis und eine klare Identifizierung der verschiedenen Lipidklassen in unterschiedlichen Nahrungsmitteln ein guter Weg wären, um sorgenfreien Genuss zu ermöglichen: Beispielsweise müssten Diabetes-Patienten dann nicht mehr auf eine extrem kalorienarme Kost achten, sondern könnten Nahrung mit den richtigen Signalelementen ganz ohne Gefahr konsumieren: „Wenn es die richtigen Fette enthält, wäre dann auch ein fettes Schnitzel kein Problem“, so Marko Brankatschk vom Dresdner Max-Planck-Institut.

Ansprechpartner 

Suzanne Eaton

Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik, Dresden
Telefon:+49 351 2102526Fax:+49 351 2101349
 
 

Florian Frisch

Pressebeauftragter
Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik, Dresden
Telefon:+49 351 210-2840

Originalpublikation

 
Marko Brankatschk, Sebastian Dunst, Linda Nemetschke, Suzanne Eaton
Delivery of circulating lipoproteins to specific neurons in the Drosophila brain regulates systemic Insulin signaling

Suzanne Eaton | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/8714922/fruchtfliege_fett_kalorien_insulin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Gipfel der Evolution – Flechten bei der Artbildung zugeschaut

27.04.2017 | Biowissenschaften Chemie