Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fetalchirurgie: Neue Methode sorgt für klare Sicht in der Gebärmutter

23.07.2009
Bei Operationen benötigt der Chirurg eine möglichst gute Sicht. Bei vorgeburtlichen Eingriffen im Mutterleib ist diese so ohne weiteres nicht gewährleistet: Zum einen behindert das trübe Fruchtwasser den Blick auf den Fötus. Zum anderen ist es in der Gebärmutter relativ dunkel.

Mit einer neuen Methode konnten Mediziner der Universität Bonn diese Probleme nun in den Griff bekommen: Sie pumpten Kohlendioxid in die Gebärmutter und legten die ungeborenen Patienten so kurzzeitig trocken. Ihre Ergebnisse haben sie nun in der Zeitschrift Surgical Endoscopy veröffentlicht.

In ihrer Studie berichten die Bonner Ärzte von 37 ungeborenen Kindern, die sie mit dieser Methode erstmals operiert haben. Lediglich einmal sei es dabei zu Komplikationen gekommen. "In fast allen Fällen hätten wir ohne Einleitung von Kohlendioxid nicht operieren können", erklärt der Fetalchirurg Professor Dr. Thomas Kohl. "Die Sicht auf das Operationsfeld war einfach zu sehr getrübt."

Bei Bauchspiegelungen hatte man ursprünglich mit ähnlichen Problemen zu kämpfen; dort ist die Kohlendioxid-Methode daher schon lange üblich. In der vorgeburtlichen Medizin galt aber lange Zeit das Paradigma, der Fötus dürfe möglichst nicht trocken fallen. "Unsere noch jungen Erfahrungen mit der Methode lassen vermuten, dass die Gaseinleitung keinen Schaden anrichtet", sagt Kohl. Die mitunter praktizierte Alternative, vor dem Eingriff das Fruchtwasser auszutauschen, wird damit unnötig. Ohnehin ist ein solcher Austausch trotz des hohen Aufwands oft genug nicht von Erfolg gekrönt.

Die Kohlendioxid-Auffüllung der Fruchthöhle, von den Bonnern "partial amniotic carbon dioxide insufflation" (abgekürzt PACI) getauft, wird nur bei technisch sehr schwierigen minimal-invasiven Eingriffen angewendet. Über nur wenige Millimeter große Operationsröhrchen gelangen die Ärzte dabei durch Bauch- und Gebärmutterwand der Mutter in die Fruchthöhle. Durch die Röhrchen wird das Ungeborene dann operiert. Derartige minimal invasive fetalchirurgische Eingriffe werden zum Teil in lokaler Betäubung, zum Teil in Vollnarkose ausgeführt. Sie belasten Mutter und Ungeborenes viel weniger als die so genannte "offene Fetalchirurgie". Bei dieser Methode öffnen die Chirurgen Mutterbauch und Gebärmutter komplett.

Das Team um Thomas Kohl hat die "Schlüssellochoperation" im Mutterleib maßgeblich vorangetrieben. Die Bonner Pränatalchirurgen behandeln als einzige auf diese Weise so schwere Fehlbildungen wie die Spina bifida ("offener Rücken"). Bei dieser Fehlbildung sind die Wirbelkörper im Rücken nur unvollständig verschlossen, so dass das Rückenmark freiliegt. Die Ärzte überdecken den Defekt mit einem Flicken und können so Folgekomplikationen wie Gehbehinderungen oder Hirnschäden minimieren. Professor Kohl: "Ein derart komplexer Eingriff ist ohne PACI einfach unmöglich."

Partial amniotic carbon dioxide insuf?ation (PACI) during minimally invasive fetoscopic surgery: early clinical experience in humans. Thomas Kohl, Kristina Tchatcheva, Julia Weinbach, Rudolf Hering, Peter Kozlowski, Rüdiger Stressig, Ulrich Gembruch. Surgical Endoscopy 2009, doi: 10.1007/s00464-009-0579-z

Kontakt:
Professor Dr. Thomas Kohl
Klinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Frauenheilkunde
Universität Bonn
Telefon: 0228/287-11341
E-Mail: Thomas.Kohl@ukb.uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aromatherapie bei COPD
12.05.2015 | Airnergy AG

nachricht Chronische Wunden können heilen
16.10.2017 | Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum - Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Im Focus: Kalte Moleküle auf Kollisionskurs

Mit einer neuen Kühlmethode gelingt Wissenschaftlern am MPQ die Beobachtung von Stößen in einem dichten Strahl aus kalten und langsamen dipolaren Molekülen.

Wie verlaufen chemische Reaktionen bei extrem tiefen Temperaturen? Um diese Frage zu beantworten, benötigt man molekulare Proben, die gleichzeitig kalt, dicht...

Im Focus: Astronomen entdecken ungewöhnliche spindelförmige Galaxien

Galaxien als majestätische, rotierende Sternscheiben? Nicht bei den spindelförmigen Galaxien, die von Athanasia Tsatsi (Max-Planck-Institut für Astronomie) und ihren Kollegen untersucht wurden. Mit Hilfe der CALIFA-Umfrage fanden die Astronomen heraus, dass diese schlanken Galaxien, die sich um ihre Längsachse drehen, weitaus häufiger sind als bisher angenommen. Mit den neuen Daten konnten die Astronomen außerdem ein Modell dafür entwickeln, wie die spindelförmigen Galaxien aus einer speziellen Art von Verschmelzung zweier Spiralgalaxien entstehen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Wenn die meisten Menschen an Galaxien denken, dürften sie an majestätische Spiralgalaxien wie die unserer Heimatgalaxie denken, der Milchstraße: Milliarden von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

bionection 2017 erstmals in Thüringen: Biotech-Spitzenforschung trifft in Jena auf Weltmarktführer

13.10.2017 | Veranstaltungen

Tagung „Energieeffiziente Abluftreinigung“ zeigt, wie man durch Luftreinhaltemaßnahmen profitieren kann

13.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ESO-Teleskope beobachten erstes Licht einer Gravitationswellen-Quelle

16.10.2017 | Physik Astronomie

Was läuft schief beim Noonan-Syndrom? – Grundlagen der neuronalen Fehlfunktion entdeckt

16.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Gewebe mit Hilfe von Stammzellen regenerieren

16.10.2017 | Förderungen Preise