Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fehlende Zelldifferenzierung schuld an Hautkrebs

04.08.2009
Forscher klären Funktion eines Signalweiterleitungsweges der Zelle

Nicht die ungebremste Vermehrung von Hautzellen, sondern deren fehlende Differenzierung führt zur Ausprägung des Hautkrebses.

Zu diesem Schluss kommt ein Forscherteam um die Molekularbiologin Manuela Baccarini der Max F. Perutz Laboratories an der Universität Wien in der Fachzeitschrift "Cancer Cell". Es gelang den Wissenschaftlern, die Funktion eines Proteins, das die Signalweiterleitung von Tumorzellen besorgt, zu entschlüsseln. Nachdem Hautkrebs bereits bei Mutanten-Mäusen rückgängig gemacht werden konnte, besteht Hoffnung, dass dasselbe eines Tages auch beim Menschen der Fall sein wird.

Krebszellen kennzeichnen sich dadurch, dass sie die Fähigkeit des gesteuerten Selbstmordes verloren haben. Beim Hautkrebs vermehren sich Hautzellen (Keratinozyten) ungehindert, ohne wie vorgesehen in Richtung Hautoberfläche zu wandern und zu differenzieren. Den Ausschlag dafür gibt das Protein "Ras", das in seiner normalen Form Vorgänge der Signalweiterleitung in der Zelle reguliert, bei bestimmten Umwelteinflüssen jedoch zur Krebsentstehung beiträgt. "Die wichtigsten Einflüsse für diese Mutation sind beim Menschen die UV-Strahlung und gewisse Chemikalien", erklärt Studien-Coautor Florian Kern im pressetext-Interview.

Bisher dachte man, dass das ungehinderte Zellwachstum den Ausschlag für die Tumorbildung gibt. Die Wiener Forscher konnten nun jedoch im Mausmodell beweisen, dass die Signalweiterleitung des Ras-Krebsproteins an ein weiteres Protein gekoppelt ist, das den Namen "Raf-1" trägt. Anders als bisher angenommen, trägt Raf-1 nicht zur ungesteuerten Vermehrung bei, sondern bildet mit einem weiteren Protein namens "Rok" einen Enzymkomplex, der die Differenzierung der Hautzelle hemmt und dadurch den Weg für die Hautkrebsbildung freigibt. Krebs entsteht somit bei gehemmter Differenzierung der Hautzelle. "Mutanten-Mäuse mit Tumoren an der Hautoberfläche bildeten diese mit der experimentellen Unterdrückung des Raf-1-Proteins zurück und der Tumor verschwand vollständig", so Kern. Mäuse, die gar kein Raf-1 in der Haut besaßen, bildeten hingegen trotz laufendem Ras-Signalweg gar keine Hauttumore aus.

Diese Erkenntnis kann als Grundstein für die Erforschung von Therapien für bestimmte Hautkrebsarten wie etwa Melanome dienen. "In der Leukämie-Therapie werden bereits im Kombination zur Chemotherapie Präparate verabreicht, die die Zellen zur Differenzierung anregen", erklärt Studienleiterin Manuela Baccarini gegenüber pressetext.

Bei Leukämie handle es sich jedoch nicht um solide Tumoren, sondern um den von Blutzellen. "Erstmals gelang jetzt der Nachweis, dass der Heilung über Differenzierung auch bei soliden Tumoren klappen könnte. Allerdings wird dies auch beim Hautkrebs nie allein über diese Basis laufen, sondern stets nur in Verbindung mit herkömmlichen Behandlungen wie Chemotherapie, ähnlich wie bei Leukämie", so die Molekularbiologin. Die Realisierung sei jedoch aufgrund noch fehlender Grundlagen "nicht übermorgen", sondern erst in ferner Zeit denkbar.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.mfpl.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie