Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

FAU-Forscher entdecken Auslöser für Knochenzerstörung bei Rheumatoider Arthritis

12.06.2013
Gelenkerkrankungen, wie die Rheumatoide Arthritis, gehören zu den Autoimmunerkrankungen, von denen ein stetig wachsender Teil der Bevölkerung betroffen ist.

Sie bringen schmerzhafte Entzündungen mit sich und führen im schlimmsten Fall zur Zerstörung der Gelenke. Forscher um Prof. Dr. Falk Nimmerjahn vom Lehrstuhl für Genetik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) konnten in Zusammenarbeit mit den Arbeitsgruppen von Prof. Dr. Georg Schett vom Uniklinikum der FAU und Prof. Dr. Jan Tuckermann von der Universität Ulm nun erstmals zeigen, dass bei Rheumatoider Arthritis körpereigene Abwehrzellen direkt auf jene Zellen einwirken, die für den Knochenabbau verantwortlich sind.

Abwehrzellen, auch Antikörper genannt, sind Eiweißstoffe, die normalerweise Krankheitserreger im Körper erkennen und zerstören. Bei Autoimmunerkrankungen gerät das Immunsystem jedoch außer Kontrolle und bildet sogenannte Autoantikörper, die sich gegen körpereigenes Gewebe richten. Bei der Rheumatoiden Arthritis führt dies zum Abbau von Knorpel und Knochensubstanz. Das FAU-Forscherteam hat nachgewiesen, dass die Autoantikörper einen direkten Einfluss auf diejenigen Zellen haben, die für den Knochenabbau verantwortlich sind, die sogenannten Osteoklasten.

Im Normalfall befindet sich unser Skelettsystem in einem ständigen Prozess der Erneuerung, wobei sich Knochenab- und -aufbau die Waage halten. Die Arbeiten der Erlanger Forscher haben jetzt gezeigt, dass die Autoantikörper dieses Gleichgewicht im betroffenen Gelenk jedoch zugunsten des Knochenabbaus verschieben. Dies erklärt die krankhaften Veränderungen bis hin zur vollständigen Zerstörung des Gelenkes. Als die Wissenschaftler die Wechselwirkung der Autoantikörper mit den knochenfressenden Osteoklasten im Experiment blockierten, konnten sie die Gelenkzerstörung fast vollständig stoppen.

„Diese Ergebnisse stellen eine wichtige Grundlage sowohl für das generelle Verständnis der Rheumatoiden Arthritis, als auch für die Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze dar“, sagt Professor Nimmerjahn. Gegenwärtig sprechen nur etwa 30 bis 40 Prozent der Patienten gut auf gängige Therapieformen an, weshalb mit Nachdruck an der Erforschung dieser Erkrankung gearbeitet wird. In Zusammenarbeit mit experimentellen und klinischen Arbeitsgruppen des DFG-Schwerpunktprogrammes Osteoimmunologie, das an der FAU koordiniert wird, soll nun in den nächsten Jahren daran geforscht werden, diese Erkenntnisse in neue diagnostische und therapeutische Verfahren umzusetzen und damit für die betroffenen Patienten nutzbar zu machen.

Ihre Forschungsergebnisse haben die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des renommierten Fachjournals PNAS veröffentlicht.

Informationen für die Medien:
Prof. Dr. Falk Nimmerjahn
fnimmerj@biologie.uni-erlangen.de

Blandina Mangelkramer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf
06.12.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie