Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Experten entwerfen Leitlinien zur Diagnostik, Behandlung und Prävention von Computerspielabhängigkeit

23.10.2009
Fachverband Medienabhängigkeit stellt Ergebnisse der ersten Tagung vor

Prävention, Diagnostik und Behandlung von Computerspielabhängigkeit- diese Themen diskutierten die Mitglieder des Fachverbandes Medienabhängigkeit auf ihrem ersten Symposium in Hannover.

Ziel der Experten war es vor allem, gemeinsame Positionen und Leitlinien zu erarbeiten. "Es gibt mittlerweile überprüfbare Kriterien für Computerspielabhängigkeit, die sich an denen anderer Suchterkrankungen, wie der Alkoholabhängigkeit, orientieren", erklärt PD Dr. Bert te Wildt, Oberarzt in der Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

Betroffen sind nach einer deutschlandweiten Repräsentativerhebung des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen (KFN) mit rund 15.000 Schülern etwa 1,7 Prozent der unter 15-jährigen - sie weisen Kernmerkmale einer Abhängigkeit auf. "Bei etwa 2,8 Prozent können wir eine beginnende Symptomatik erkennen. Jungen sind dabei weit stärker betroffen als Mädchen", sagt der Diplom Psychologe Florian Rehbein vom KFN. Insgesamt gehen die Forscher allein bei den heute 15-Jährigen von 14.300 computerspielabhängigen und weiteren 23.600 abhängigkeitsgefährdeten Jugendlichen in Deutschland aus.

"Beim Thema Prävention ist es zunächst wichtig zu schauen, wo denn die Faszination der Online-Welt liegt", betont Dorothee Mücken von der Drogenhilfe Köln. "Man spielt nicht allein gegen ein computergesteuertes Wesen, sondern gegen andere reale Menschen, das wird nie langweilig." Wie sollten Angehörige reagieren, wenn sie erste Anzeichen einer Online-Sucht bei ihrem Kind oder Partner bemerken? "Am wichtigsten ist es, mit dem Betroffenen ins Gespräch zu kommen, damit er sich nicht isoliert und zurückzieht. Man sollte Interesse zeigen für das, was derjenige im Internet sucht, aber auch Grenzen ziehen und eigene Sorgen und Befürchtungen mitteilen", erklärt Mücken.

Hilft es, bereits im Kindergarten Medien einzusetzen, um den Kindern Medienkompetenz zu vermitteln, wie häufig gefordert? "Kinder müssen zuerst ihre motorischen und sensorischen Fähigkeiten ausbilden, damit das Gehirn seine volle Leistungsfähigkeit erlangt. Die Fähigkeit, Informationen aus verschiedenen Sinnesbezirken durch die eigene innere Aktivität in einen Zusammenhang zu bringen, muss in einem langen Lernprozess erworben werden", erläutert Arnhild Zorr-Werner von der Stiftung Medien- und Onlinesucht in Lüneburg. Beim Fernsehen werden allerdings Hör- und Seheindrücke von der körperlichen Aktivität abgekoppelt - der Einsatz dieser Medien macht also keinen Sinn. "Sinnvoller ist es für Kinder, ihre gelebte Medienerfahrung zum Beispiel in Wort und Bild auszudrücken und damit zu kanalisieren", sagt Zorr-Werner.

Bei der Behandlung Medienabhängiger sind drei Aspekte besonders hervorzuheben: zum einen ist es für die Betroffenen nötig, Medienkompetenz zu erwerben und gleichzeitig zu erkennen, welche Medieninhalte eine besonders hohe Rückfallquote bergen. "Zum Zweiten müssen die vorrangig konsumierten Medien genau untersucht werden, um eine individuell abgestimmte und vollständige Verhaltensanalyse zu erstellen und dann dementsprechend die Behandlungsstrategie zu planen", betont Annette Teske, Diplom-Psychologin in der Realitas Fachklinik Hemer. Der dritte Aspekt ist die Planung einer alternativen Freizeitgestaltung, zum Beispiel durch freizeitpädagogische Elemente.

Weitere Informationen können Sie unter info@fv-medienabhaengigkeit.de anfordern.

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf
06.12.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie