Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europäische Wissenschaftler erforschen Gebärmutterhalskrebs

03.02.2009
Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) ist weltweit die zweihäufigste Krebsart. Allein in Europa werden jährlich 60.000 Frauen mit dieser Krankheit diagnostiziert, und jede zweite erkrankte Frau stirbt daran.

Eine erfolgreiche Therapie ist schwierig, wenn die Krankheit nicht im Frühstadium erkannt und behandelt wird. In diesem Sinne plante das von der EU mit 2,63 Mio. EUR finanzierte Projekt ASSIST (Association studies assisted by inference and semantic technologies) die technologische Vernetzung von Klinikzentren, die sich auf die Diagnose und Therapie von Gebärmutterhalskrebs spezialisiert haben. Außerdem arbeitete man auf einen verbesserten Datenaustausch und die Einrichtung eines übergreifenden Datenpools hin.

Obwohl die Wissenschaftler im humanen Papillomavirus (HPV) die Hauptursache für Gebärmutterhalskrebs sehen, spielen auch noch andere Faktoren eine Rolle. Beispielsweise untersucht man genetische und umweltbedingte Einflüsse als begünstigende Faktoren für HPV-Infektionen und das Fortschreiten der Krankheit. Vergangene Studien deuten auf bestimmte pathogene Mechanismen hin, die neue Hinweise zu Risiken, Diagnose, Prognose und damit auch neue therapeutische Ansätze liefern könnten.

Ziel von ASSIST war die Zusammenführung der unterschiedlichen Arten von wissenschaftlichen Daten, die automatisierte Auswertung medizinischer Hypothesen, die Entwicklung einer Suchmaschine für die statistische Auswertung von Material sowie die Einrichtung eines zentralen Dokumentenservers für alle Patientenakten der beteiligten Einrichtungen. Außerdem sollten graphische Werkzeuge entwickelt werden, mit denen die Mediziner Daten abfragen können.

Assoziationsstudien unterstützen die Medizinforscher bei ihrer Suche nach typischen Krankheitsauslösern und dienen der Auswertung von klinischen Daten aus Krankenhausstudien, von Lebensgewohnheiten (z.B. Rauchen und Ernährung) sowie genetischen Daten. Die Forscher können auch die Werte kranker mit den Werten gesunder Patienten vergleichen.

"Unser Ziel ist es, zwischen medizinischen Forschern in Spezialkliniken und medizinischen Zentren einen Datenaustausch zu ermöglichen und diese Daten in einen umfangreicheren Pool zu integrieren, um mit ihnen arbeiten zu können", erklärte Professor Pericles Mitkas von der Stiftung für Forschung und Technologie Hellas, Institut für Computerwissenschaften Informatik und Telematik, Griechenland. "Das Problem besteht darin, dass jedes Krankenhaus unterschiedliche Arten und Formate der Datenspeicherung verwendet, auch bei absolut gleichen Tests", sagte der Projektkoordinator. "Häufig arbeitet selbst innerhalb ein und desselben Krankenhauses jeder Mediziner nach einer eigenen Methode."

Laut Professor Mitkas bestand die größte Leistung des ASSIST-Projekts darin, den Dialog zwischen Ärzten, Molekularbiologen und Computerwissenschaftlern zu fördern. "Sie kommunizieren miteinander, und nach und nach verstehen sie auch die technischen Termini des Anderen", erklärte er.

Drei Krankenhäuser in Belgien, Deutschland und Griechenland nahmen am ersten Projektabschnitt teil. Nach Absprache der verwendeten Terminologie, der Art der Datenrepräsentation und der Zugangsmodalitäten entwickelte die Arbeitsgruppe den Prototypen einer Softwareplattform, um Forschern den Datenempfang im benötigten Format zu ermöglichen. "Grundlage dessen ist die semantische Repräsentation, d.h., wir ordnen jedem Wert eine Interpretation zu, damit der Computer lernt, was der jeweilige Wert bedeutet", sagte der Projektleiter.

"Auch subjektive Werte wie 'hohes Risiko', 'niedriges Risiko', 'schwerer Fall' oder 'leichter Fall' können interpretiert werden. Außerdem verwenden wir Suchmaschinen, die nach einem von Ärzten definierten medizinischen Regelkatalog arbeiten, und aus denen der Computer lernt, welche Ergebnisse am aussagekräftigsten sind", sagte er. "Biopsieergebnisse zum Beispiel sind relevanter als Pap-Test-Ergebnisse und können ein Vorkrebsstadium dort indizieren, wo ein Pap-Test versagen würde."

Über die Prototypenplattform von ASSIST haben Forscher Zugang zu Patientenakten in gynäkologischen und Geburtshilfestationen der drei Krankenhäuser. "Später werden weitere Funktionen hinzukommen, aber bis dahin haben Mediziner nun zumindest ein Instrument, mit dem sie arbeiten und evaluieren können", sagte Professor Mitkas.

"Mehr Wissen über die Krankheitsentwicklung und deren Auslöser kann die Diagnose beschleunigen sowie zur Verhinderung durch geeignete Präventionsmaßnahmen und zur Entwicklung von Medikamenten oder Therapien für diese Krankheit beitragen", sagte er. "Primär jedoch ist ASSIST ein Instrument für medizinische Forscher, und von den Ergebnissen ihrer Arbeit können alle Frauen profitieren."

Kontakt:
Projektkoordinator
Prof. Pericles A. Mitkas
Centre for Reasearch and TEchnology
Hellas-Informatics and Telematics Institute
(CERTH-ITI)
Greece
Tel.: +30-2310-99-6390
Fax: +30-2310-99-6447

| CORDIS
Weitere Informationen:
http://assist.ee.auth.gr/
http://www.kooperation-international.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligente Sensoren mit System

29.05.2017 | Messenachrichten

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

29.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg

29.05.2017 | Förderungen Preise