Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europäische Studie: Alzheimer im Frühstadium kann mit Nährstoffkombination stabilisiert werden

01.11.2017

Das europäische Forscherkonsortium LipiDiDiet unter Leitung von Professor Tobias Hartmann von der Universität des Saarlandes wird am 31. Oktober im Fachmagazin „The Lancet Neurology“ die Ergebnisse einer klinischen Langzeitstudie mit Alzheimer-Patienten veröffentlichen. Die Personen mit so genanntem prodromalem Alzheimer, also dem vordementiellen Stadium der Krankheit, wurden mit einem Nährstoffgemisch behandelt. Sie zeigten in neuropsychologischer Hinsicht im Vergleich zu einer Testgruppe keine Veränderung. Jedoch verbesserten sich ihre kognitiven und funktionellen Leistungen im Alltag signifikant. Auch das Gehirn schrumpfte im Vergleich weniger.

Das für die Behandlung der Alzheimer-Patienten eingesetzte Nährstoffgemisch enthält „Fortasyn Connect“, eine spezielle Kombination aus essentiellen Fettsäuren, Vitaminen und anderen Nährstoffen. Mehrere Forscher der Universität des Saarlandes und weiterer deutscher und internationaler Institutionen waren an der klinischen Studie beteiligt, die Teil eines großen durch die Europäische Union finanzierten Forschungsprojektes ist.


Professor Tobias Hartmann

UKS

An der Studie nahmen 311 Patienten an elf Kliniken in Europa für zwei Jahre teil. Zum Studienbeginn hatten alle Patienten eine durch Biomarker nachgewiesene, leichte kognitive Beeinträchtigung des Alzheimer-Typs, dem Vorstadium der Alzheimer-Demenz. Die Hälfte der Patienten nahm die Nährstoffkombination täglich in Form eines Trinkjoghurts zu sich, die Kontrollgruppe erhielt ein Getränk, das im Geschmack sowie in der Konsistenz und Farbe identisch war, aber keine Wirkstoffe erhielt.

Ein ursprünglich als Hauptergebnis vorgesehener neuropsychologischer Test mit beiden Patientengruppen (primärer Endpunkt) bestand aus den folgenden Einzeltests: Lernen, Erinnern und Erkennen von zehn Wörtern, möglichst viele Wörter der Kategorie ‘Tier’ innerhalb einer vorgegebenen Zeit aufsagen sowie der Aufgabe, Buchstaben und Zahlen zu vertauschen.

Hierbei zeigten die Patienten mit Nährstoffbehandlung keine statistisch signifikanten Unterschiede zu der Kontrollgruppe. Deutlich positive Wirkungen hatte die Behandlung aber mit Blick auf die täglichen Herausforderungen von Alzheimer-Personen. Die Forscher beobachteten über zwei Jahre eine 44-prozentige geringere Verschlechterung bei der klinischen Einschätzung des Schweregrades der Demenz (Clinical Dementia Rating-Sum of Boxes).

Diese Untersuchung ist besonders bedeutend, weil sie den Krankheitsverlauf des Patienten an Hand seiner Leistungen bewertet, die er zeigt, wenn er Aufgaben des täglichen Lebens bewältigen muss. Beispiele hierfür sind die Fähigkeit, mit Notfällen im Haushalt umzugehen, finanzielle oder geschäftliche Vorgänge zu bewältigen oder wichtige Ereignisse nicht zu vergessen.

Darüber hinaus wurden Veränderungen in der Hirnschrumpfung beobachtet, im Hippocampus ein Unterschied von 26 Prozent. Zunehmender Hirnzerfall ist typisch für eine Alzheimer-Erkrankung, der Abbau des Hippocampus ist die Ursache für viele der Gedächtnisprobleme bei Alzheimer. Das Auftreten von Nebenwirkungen war bei der Kontrollgruppe, die mit Nährstoffen behandelt wurde, gleich.

„Die diagnostische Möglichkeiten bei Alzheimer-Patienten haben sich in den letzten Jahren wesentlich verbessert, leider befinden sich aber die zur Verfügung stehenden pharmakologischen Therapieoptionen für die prodomale Alzheimer-Krankheit noch im Entwicklungsstadium. Vor diesem Hintergrund ist das mit dieser Studie verbesserte Verständnis um die Bedeutung ernährungsbezogener Interventionen sehr wichtig.

Die LipiDiDiet Studie zeigt, dass die Nährstoffbehandlung helfen kann, sowohl die Gehirnsubstanz und das Gedächtnis zu bewahren als auch den Anforderungen des täglichen Lebens gerecht zu werden – wohl der bedrückendste Aspekt der Alzheimer-Krankheit“, sagt die Professorin Hilkka Soininen, Neurologin und Leiterin des klinischen Teils der Studie (Universität Ostfinnland). In vorhergehende Studien wurden bereits Effekte auf das Gedächtnis bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz beobachtet.

Professor Tobias Hartmann, Leiter der Gesamtstudie, erklärt: „Eine Heilung wird durch diese Behandlung noch nicht erreicht, aber es zeigt sich, dass je früher diese Intervention eingesetzt wird, desto größer ist der Nutzen für den Patienten. Ein weiterer bemerkenswerter Meilenstein ist, dass zusammen mit dem kognitiv-funktionellen Gewinn eine verringerte Hirnschrumpfung festgestellt wurde, also ein Ergebnis, das über eine symptomatische Wirkung hinausgeht. Dies wurde bei den bisher zur Verfügung stehenden Therapien nie erzielt.“

Die Nährstoffkombination „Fortasyn Connect“ wurde als 125ml Getränk über zwei Jahre kontinuierlich verabreicht. Diese Nährstoffkombination geht auf präklinische Forschung von Professorin Kiliaan (Radboud Universität, Niederlande) sowie den LipiDiet- und LipiDiDiet-Projekten, koordiniert von Professor Hartmann (Universität des Saarlandes) und Professor Wurtman (ehemals Massachusetts Institute of Technology, USA), zurück.

Fortasyn Connect ist der Wirkbestandteil von Souvenaid und fällt innerhalb der Europäischen Union in die Kategorie ‚medical food’. Die Forschungsarbeiten der LipiDiet- und LipiDiDiet-Konsortien wurden aus öffentlichen Forschungsmitteln des fünften und siebten Forschungsrahmenprogramms der Europäischen Kommission gefördert

Weitere Informationen: www.lipididiet.eu
Wissenschaftlicher Artikel in „The Lancet Neurology“:
Soininen H, Solomon A, Visser PJ, Hendrix SB, Blennow K, Kivipelto M, and Hartmann T on behalf of the LipiDiDiet clinical study group (2017). 24-month intervention with a specific multinutrient in patients with prodromal Alzheimer’s disease (LipiDiDiet): a randomised, double-blind, controlled trial. Der Artikel kann nach Ende der Sperrfrist (open access ab 31.10.2017 0:30) unter folgender Adresse bezogen werden:
www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS1474-4422(17)30332-0/fulltext?elsca1=tlxpr

Fragen beantwortet:

Prof. Dr. Tobias Hartmann
Tel.: (06841) 1647918
E-Mail: tobias.hartmann@mx.uni-saarland.de

LipiDiDiet-Mitglieder

• Karolinska Institutet, Schweden
• Universität Bonn
• European Research and Project Office GmbH, Deutschland
• Universität Heidelberg
• University Tübingen
• Universität des Saarlandes
• University of Eastern Finnland
• University of Szeged, Ungarn
• Stichting Katholieke Universiteit - Radboud University Nijmegen Medical Center, Niederlande
• University of Gothenburg, Schweden
• VU University Medical Center, Niederlande
• Zentralinstitut für Seelische Gesundheit
• Universität Regensburg
• Academy of Sciences of the Czech Republic - Institute of Physiology, Czech republic
• Nutricia Research
• Tel Aviv University, Israel
• Weitergehende Informationen: www.lipididiet.eu

Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-Codec (IP-Verbindung mit Direktanwahl oder über ARD-Sternpunkt 106813020001). Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-3610).

Weitere Informationen:

http://www.lipididiet.eu

Friederike Meyer zu Tittingdorf | Universität des Saarlandes
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Berner Forschende entdecken Schlaf-Wach-Schaltzentrale im Hirn
11.06.2018 | Universität Bern

nachricht Malaria: Kooperierende Antikörper verbessern Immunreaktion
08.06.2018 | Deutsches Krebsforschungszentrum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

Meteoriteneinschläge und Spektralfarben: HITS bei Explore Science 2018

11.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

EMAG auf der AMB: Hochproduktive Lösungen für die vernetzte Automotive-Produktion

15.06.2018 | Messenachrichten

AchemAsia 2019 in Shanghai

15.06.2018 | Messenachrichten

Dem Fettfinger zu Leibe rücken: Neuer Nanolack soll Antifingerprint-Oberflächen schaffen

15.06.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics