Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europa-Premiere: Blutdrucksenkung durch Verödung von Nierenarterien

17.12.2013
Weiterentwickeltes Verfahren kam erstmals erfolgreich zum Einsatz

Erstmal in Europa hat das Universitätsklinikum Halle (Saale) ein weiterentwickeltes Verfahren erfolgreich eingesetzt, bei dem durch die Verödung von Nierenarterien der Blutdruck langfristig gesenkt werden soll.



Bluthochdruck, auch als "leiser Killer" bezeichnet, ist die Volkskrankheit schlechthin und eine der häufigsten Todesursache in Deutschland. Bei Patienten die an einem schweren Bluthochdruck leiden, ist die Regulation des sympathischen Nervensystems ("Stressnerven") häufig gestört und die Niere schüttet in Folge dessen vermehrt Stresshormone wie beispielsweise Adrenalin aus.

Diese überaktiven Nierennerven, die den Bluthochdruck verursachen, können per Katheter mittels Hochfrequenzstrom verödet und somit ausgeschaltet werden. "Dieser minimal-invasive Eingriff dauert nur noch zehn bis 15 Minuten“, sagt Oberarzt Dr. Alexander Plehn (Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin III).

Der Kardiologe setzt das herkömmliche Verfahren bereits seit fast drei Jahren ein und konnte umfangreiche Erfahrungen sammeln. Bei etwa 250 Patientinnen und Patienten setze er das bisherige Verfahren ein. Damit ist Halle in Deutschland das zweitgrößte Behandlungszentrum.

„Bisher dauerte eine Behandlung 45 bis 60 Minuten.“ Mit der deutlich verkürzten Behandlungszeit wird die Schmerzdauer für den Patienten dramatisch reduziert. Außerdem wurde der Katheter weiterentwickelt und passt sich nun besser den Gefäßen an: „Dadurch ist eine gezieltere Verödung der Nerven möglich.“ Die Ärzte erwarten sich davon dauerhaft bessere Behandlungsergebnisse. Erstmals eingesetzt wurde das weiterentwickelte Verfahren in Australien und feierte nun Premiere in Europa – bei einem Patienten des Universitätsklinikums Halle (Saale). „Wir sind stolz darauf, dass unser Engagement und unsere Erfahrungen so gewürdigt worden sind.“ In den vergangenen zwei Wochen sind bereits 13 Patientinnen und Patienten mit dem neuen System behandelt worden.

„Die Behandlung wird unter örtlicher Betäubung ähnlich einer Herzkatheteruntersuchung durchgeführt und ist als risikoarm anzusehen", sagt der Kardiologe. Nach dem Eingriff kommt es in den folgenden Monaten zu einer erheblichen Blutdrucksenkung von durchschnittlich etwa 30 mmHg systolisch und 15 mmHg diastolisch. Das Verfahren wird derzeit bei Patienten eingesetzt, die trotz einer medikamentösen Mehrfachkombination (mindestens drei Medikamente) noch immer Blutdruckwerte über 150mmHg haben.

Es sei bekannt, dass sich die Wahrscheinlichkeit an einem Schlaganfall oder Herzinfarkt zu versterben über einen Zeitraum von zehn Jahren jede 20mmHg Blutdrucksteigerung über normal (120mmHg) verdoppelt. Im Umkehrschluss gehen bereits geringe Senkungen des Bluthochdrucks mit deutlich weniger Schlaganfällen und Herzinfarkten einher. Die medikamentöse Therapie steht seit Jahrzehnten im Zentrum der Hypertoniebehandlung. Trotz einer Vielzahl verfügbarer Bluthochdruckmittel haben etwa 60 Prozent der behandelten Patienten weiterhin erhöhte Blutdruckwerte über 140mmHg.

Die Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin III (Direktor Professor Dr. Karl Werdan) betreut zusammen mit der Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin II (Direktor Professor Dr. Matthias Girndt) seit vielen Jahren Patienten mit schwer kontrollierbaren Bluthochdruckerkrankungen und bietet der renalen Sympathikusablation ein Therapiekonzept an, das zudem eine relativ geringe Komplikationsrate aufweist.

Über Hypertonie (Bluthochdruck) Fast die Hälfte der Europäer leidet an Bluthochdruck und in den Vereinigten Staaten sind etwa 75 Millionen Menschen betroffen, nur zwei Drittel von ihnen werden behandelt. Von den Behandelten erreicht etwa die Hälfte nicht die Zielblutdruckwerte. Die Medikamente, die häufig zur Behandlung von Bluthochdruck verschrieben werden, müssen täglich für die gesamte Lebenszeit eines Patienten genommen werden, dies kann teuer werden und ist oft mit Nebenwirkungen verbunden, die sich negativ auf die Lebensqualität auswirken. Weltweit betragen die geschätzten jährlichen Gesundheitskosten, die direkt mit Bluthochdruck zusammenhängen, etwa 500 Milliarden Dollar.

Jens Müller
Stabsstelle Presse- und Unternehmenskommunikation
Leiter und Pressesprecher
Universitätsklinikum Halle (Saale)
Medizinische Fakultät der
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Ernst-Grube-Str. 40
06120 Halle (Saale)
Tel.: (0345) 557-1032
Fax: (0345) 557-5749

Jens Müller | Universitätsklinikum Halle (Saal
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-halle.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie