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Europa bündelt Kräfte gegen Depression

29.10.2008
Länderübergreifende Aktionsprogramme helfen, die Situation depressiv erkrankter Menschen zu verbessern

Depressionen gehören zu den häufigsten und schwersten psychischen Störungen in Europa. Mit speziellen Aktionsprogrammen ist die European Alliance Against Depression (EAAD) bereits in 18 Ländern aktiv, die Nachfrage ist groß. Heute wurde in Leipzig der EAAD e.V. gegründet - ein entscheidender Schritt für europaweite Depressionshilfe und Suizidprävention.

"Die Gründung des EAAD e.V. war eine notwendige Maßnahme, um die bisherigen Aktivitäten der European Alliance Against Depression fortführen und auszuweiten zu können. Bislang wurde das Projekt von der Europäischen Kommission gefördert -wir brauchten eine Alternative", so Professor Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie der Universität Leipzig und Sprecher der EAAD. Gemeinsam mit Vertretern aus sieben europäischen Ländern, darunter Irland, Spanien und die Niederlande, gründete Hegerl heute den neuen Verein, der künftig von Leipzig aus koordiniert wird.

Dringender Handlungsbedarf

Die Zahlen sind alarmierend: In Europa erkranken 9 Prozent der erwachsenen Männer und 17 Prozent der erwachsenen Frauen mindestens einmal im Leben an schweren Depressionen. Wird die Krankheit nicht rechtzeitig konsequent behandelt, steigt die Suizidgefahr. Diese ist Ausdruck des hohen Leidendruckes, mit dem diese Erkrankung einhergeht. Neben dem großen persönlichen Leid verursachen Depressionen auch hohe volkswirtschaftlichen Kosten: Die EU-Kommission schätzt sie auf 120 Milliarden Euro jährlich, das entspricht etwa 235 Euro pro EU-Einwohner. Auch sind Depressionen die zweithäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit.

Europaweite Aktionsprogramme helfen

Um die Versorgung depressiv Erkrankter zu verbessern und Suizidalität zu vermeiden, führt die EAAD seit 2004 spezielle Aktionsprogramme durch. Bislang konnten bereits in 18 europäischen Ländern regionale gemeindebasierte Interventionsprojekte etabliert werden. "Die Interventionen werden auf jeweils vier Ebenen vorgenommen. Dazu zählen neben Hausärzten, der breiten Öffentlichkeit und den Betroffenen auch Multiplikatoren wie z.B. Pfarrer, Lehrer, Medien, Polizei. Mit unserem 4-Ebenen-Modell konnten wir in den letzten Jahren die Versorgung der Betroffenen in den Modellregionen spürbar verbessern", erklärt Hegerl.

Überzeugt vom Erfolg des EAAD-Konzepts, hat die Europäische Kommission anderen europäischen Ländern die Übernahme des Aktionsprogramms ausdrücklich empfohlen. Mit Slowenien, Russland, Litauen und Japan sind bereits weitere Länder an den Aktionsprogrammen interessiert.

Für ihre erfolgreiche Arbeit wurde die EAAD im vergangenen Jahr als vorbildliches Gesundheitsprojekt mit dem European Health Forum Award ausgezeichnet.

Vorbild: Das Deutsche Bündnis gegen Depression

Das Aktionsprogramm mit 4-Ebenen-Ansatz baut auf den Materialien und Konzepten des Modellprojektes "Nürnberger Bündnis gegen Depression" auf, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Kompetenznetz Depression, Suizidalität gefördert wurde. Am Beispiel Nürnbergs konnte gezeigt werden, dass sich durch diese Art der Intervention die Zahl der suizidalen Handlungen um 25 Prozent senken lässt.

Unter dem Dach des Deutschen Bündnis gegen Depression e.V. ist das Programm mittlerweile von fast 50 Regionen in Deutschland übernommen worden.

Kathrin Winkler | idw
Weitere Informationen:
http://www.eaad.net
http://www.buendnis-depression.de
http://www.kompetenznetz-depression.de

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