Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EU-Projekt misst Qualitätsparameter der postoperativen Schmerzbehandlung in Kliniken

12.01.2009
"PAIN-OUT" ist ein europaweites Forschungsprojekt zur Verbesserung der Schmerztherapie nach Operationen.

Dabei sollen die teilnehmenden Kliniken nicht nur schnell eine Rückmeldung über den eigenen Leistungsstand in der Schmerzbehandlung erhalten, aus den anonymisiert erfassten Patientenfällen soll auch eine Datenbank entstehen, die den Ärzten im konkreten Fall unmittelbar Entscheidungshilfe leistet. Koordiniert wird das von der EU mit fast 3 Mio. Euro geförderte Projekt, an dem sich 16 Partner aus sieben Ländern beteiligen, von Anästhesisten des Universitätsklinikums Jena.

Über 40 Millionen Patienten unterziehen sich jährlich in Europa chirurgischen Eingriffen, und fast die Hälfte davon leidet danach an starken Schmerzen. Doch Schmerzen nach einer Operation sind nicht unausweichlich, und schlecht behandelter postoperativer Schmerz hat einen hohen Preis: Er belastet den Organismus, verzögert den Heilungsprozess und kann zum chronischen Schmerz werden. "Mittlerweile stehen wirkungsvolle Therapiemethoden zur Verfügung", sagt PD Dr. Winfried Meißner, "doch es gibt große Unterschiede von Klinik zu Klinik bei den Behandlungserfolgen."

Der Anästhesist vom Jenaer Universitätsklinikum möchte deshalb Parameter für Qualität und Erfolg der Behandlung von Schmerzen erfassen und vergleichen. "Unser wichtigster Schmerzspezialist dabei ist der Patient. Er kann die Stärke der Schmerzen und die Beeinträchtigung bei Bewegungen oder beim bloßen Atmen am besten einschätzen", so Meißner. Auch klinische Patienten- und Behandlungsdaten sowie Informationen über das behandelnde Krankenhaus werden in Online-Formularen aufgenommen; die konkrete Festlegung dieser Kerndaten ist ein erster Teil des Projektes. Zusammen mit weiteren Fakten, wie Behandlungskosten, sollen diese Daten den Grundstock für ein Europäisches Schmerzregister bilden.

Das ständig aktualisierte, Internet-basierte Register ist das Herzstück von PAIN-OUT. Es wird das Auftreten postoperativer Schmerzen, die jeweilige Behandlung und deren Erfolg europaweit erfassen und so die Möglichkeit zum Vergleich bieten. Ähnlich wie die PISA-Tests auf dem Gebiet der Bildung, nur viel schneller, gibt dieser Vergleich den teilnehmenden Einrichtungen nicht nur Auskunft über die eigene Leistung, sondern soll auch den Erfahrungsaustausch und die Methodenevaluation fördern. Die erfolgreichsten Versorgungsstrategien werden in einem Forum vorgestellt und zur Nachahmung empfohlen. "Beim Aufbau des europäischen Schmerzregisters können wir auf unsere Erfahrungen mit dem deutschen Register zurückgreifen", erklärt Winfried Meißner, der ein entsprechendes Projekt des Bundesministeriums für Gesundheit leitete, in dem inzwischen über 70 deutsche Krankenhäuser beteiligt sind und die Daten von 45.000 Patienten gesammelt wurden.

Die Daten aus dem europaweiten Schmerzregister sollen aber nicht nur zum Vergleich der Behandlungsqualität und zur Verbesserung der Versorgungsstrategien dienen, sie sollen dem behandelnden Kliniker auch im konkreten Fall am Krankenbett Entscheidungshilfe leisten: "Was haben Kollegen in anderen Krankenhäusern in ähnlichen Fällen gemacht und mit welchem Erfolg?" Schließlich dient das Register als Frühwarnsystem für therapiebedingte Nebenwirkungen, die durch konventionelle Studien oft nicht sicher erfasst werden können.

Ergänzend dazu will PAIN-OUT eine Schmerzbibliothek aufbauen, die das spezielle Fachwissen zu postoperativen Situationen zusammenfasst und ständig um aktuelle Studienergebnisse und evidenzbasierte Behandlungsrichtlinien erweitert wird. Auch für die Betrachtung alters- und geschlechtsspezifischer Unterschiede in der Behandlung von Schmerzen soll das Register ausgerüstet werden.

Zu den Projektpartnern zählen einige der renommiertesten Schmerzexperten aus Europa und Kliniken in Deutschland, Frankreich, England, Italien, Spanien, Schweden, Rumänien, Israel und der Schweiz, ergänzt durch Medizinstatistiker, Informatiker und Softwareentwickler, die die Realisierung des ambitionierten Medizin-Informations-Systems in Angriff nehmen. Die Europäische Union unterstützt das Projekt in ihrem 7. Forschungsrahmenprogramm mit knapp drei Millionen Euro.

Die Auftaktveranstaltung des Projektes findet am 16. und 17. Januar 2009 in der Thüringer Landesvertretung in 10117 Berlin, Mohrenstraße 64 statt. Für weitere Informationen stehen Ihnen dort am 16. Januar zwischen 13 und 14 Uhr der Projektleiter Dr. Winfried Meißner sowie eine der international renommiertesten Schmerzexpertinnen und Partnerin des Projektes, Professor Margarita Puig aus Barcelona zur Verfügung. Bei Interesse wird um eine kurze Rückmeldung gebeten.

Kontakt:
PD Dr. Winfried Meißner
Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie
Erlanger Allee 101
07747 Jena
Tel.: 03641 / 9323353
E-Mail: winfried.meissner@med.uni-jena.de

Dr. Winfried Meißner | Friedrich-Schiller-Universität J
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de
http://www.kooperation-international.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Anzeichen einer Psychose zeigen sich in den Hirnwindungen
26.04.2018 | Universität Basel

nachricht Revolutionär: Ein Algensaft deckt täglichen Vitamin-B12-Bedarf
23.04.2018 | Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Why we need erasable MRI scans

New technology could allow an MRI contrast agent to 'blink off,' helping doctors diagnose disease

Magnetic resonance imaging, or MRI, is a widely used medical tool for taking pictures of the insides of our body. One way to make MRI scans easier to read is...

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Konferenz »Encoding Cultures. Leben mit intelligenten Maschinen« | 27. & 28.04.2018 ZKM | Karlsruhe

26.04.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zur Marktentwicklung von Gigabitnetzen in Deutschland

26.04.2018 | Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Weltrekord an der Uni Paderborn: Optische Datenübertragung mit 128 Gigabits pro Sekunde

26.04.2018 | Informationstechnologie

Multifunktionaler Mikroschwimmer transportiert Fracht und zerstört sich selbst

26.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Berner Mars-Kamera liefert erste farbige Bilder vom Mars

26.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics