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EU-Forschungsprojekt „NEUGENE“ erhält 3 Millionen Euro Fördermittel

19.11.2008
Universitätsmedizin Göttingen erfolgreich bei Einwerbung von EU-Mitteln im 7. Rahmenprogramm der Europäischen Union. Europäische Spitzenforscher zur Gentherapie im Nervensystem trafen sich zum Start-up Meeting von NEUGENE am 24. und 25. Oktober 2008 in Göttingen.

Wie lassen sich Viren noch besser im Kampf gegen neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer, Demenz und Parkinson einsetzen? Die wissenschaftliche Untersuchung dieser Frage steht im Mittelpunkt von NEUGENE. Das EU-Projekt soll wichtige Grundlagen für die Anwendung von Viren als Transportmittel für Wirkstoffe in der Behandlung bei neurodegenerativen Erkrankungen erarbeiten.

Bei NEUGENE handelt es sich um ein technologieorientiertes Projekt an der Schnittstelle von Grundlagen- zu anwendungsorientierter Forschung. Es soll wichtige Grundlagen für die klinische Anwendung der viralen Vektortechnologie bei neurodegenerativen Erkrankungen erarbeiten. Bislang ist es nur wenigen Forschergruppen in Europa gelungen, die virale Vektortechnologie weiterzuentwickeln, um deren klinischen Einsatz am Menschen in der Zukunft wieder in optimaler Weise möglich zu machen. In den letzten Jahren wurde deutlich, dass die dazu bisher entwickelten Ansätze eine Reihe von unerwünschten Nebenwirkungen hatten.

Die Europäische Kommission fördert das Forschungsprojekt NEUGENE mit drei Millionen Euro über einen Zeitraum von drei Jahren. Die Leitung und Koordination von NEUGENE hat die Universitätsmedizin Göttingen. Koordinator des Projektes ist Professor Dr. Mathias Bähr, Direktor der Abteilung Neurologie, der wissenschaftliche Leiter ist Dr. Sebastian Kügler, ebenfalls Abteilung Neurologie der Universitätsmedizin Göttingen. Die Administration des Projekts liegt beim Geschäftsbereich Internationale Beziehungen/EU-Liaison Office for Life Sciences der UMG (Leitung: Christiane Hennecke).

Das erste Treffen der europäischen Partner von NEUGENE hat vom Freitag, 24. Oktober, bis Samstag, 25. Oktober 2008 in Göttingen stattgefunden. NEUGENE hat seine Arbeit am 1. Oktober 2008 aufgenommen.

Gentherapeutische Verfahren bringen unter Zuhilfenahme genetisch veränderter Viren ein therapeutisches Protein oder eine regulatorische RNA gezielt in den von einer Erkrankung betroffenen Zellen und Geweben zur Expression. Diese sogenannten Transgene aktivieren in der Zelle heilende Mechanismen oder schalten schädliche Stoffwechselprozesse gezielt ab. NEUGENE zielt auf die Optimierung der viralen Vektoren, die die Grundlage gentherapeutischer Anwendungen bilden. Rekombinante Viren auf Basis von adeno-assoziierten Viren und Lentiviren werden dahingehend "maßgeschneidert", dass sie zum einen ihre Genfracht wesentlich zielgenauer in bestimmte Zelltypen des Zentralnervensystems einbringen, als dies derzeit möglich ist. Außerdem soll erreicht werden, die Expression der Transgene den Bedürfnissen des individuellen Patienten entsprechend zu regulieren. Zudem sollen Risiken und mögliche Nebenwirkungen der Vektoren bei gleichzeitig verbesserter Anwendungsfähigkeit minimiert werden.

Die derart optimierten viralen Vektoren werden schließlich auf ihre therapeutische Effizienz in Tiermodellen der Parkinson´schen Erkrankung getestet um die Grundlagen für nachfolgende klinische Studien an Patienten zu legen. "Es ist uns sehr wichtig darauf hinzuweisen, dass von derartig modifizierten Viren keinerlei Gefährdung von Patienten oder der Umwelt ausgehen kann, sondern dass diese Vehikel tatsächlich dienstbare Geister zum Nutzen der Medizin sind", betont Dr. Sebastian Kügler.

An NEUGENE beteiligt sind insgesamt sechs Arbeitsgruppen aus verschiedenen europäischen Forschungsinstitutionen: die Universitätsmedizin Göttingen, die Eidgenössisch Technischen Hochschule (EPFL) in Lausanne (Schweiz), die Universität Lund (Schweden), das Royal Holloway and Bedford College in London (GB), das Commissariat à L'Energie At omique in Orsay (Frankreich) und die Firma Oxford Biomedica, Oxford (GB). "Alle beteiligten Arbeitsgruppen zählen zu den Pionieren auf speziellen Feldern der Gentherapie im Zentralnervensystem. Sie haben sich zusammengeschlossen, um diese zukunftsweisende Technologie für die Anwendung am Patienten weiterzuentwickeln", sagt Prof. Dr. Mathias Bähr. Mit der Einwerbung des EU-Projektes konnte die Universitätsmedizin Göttingen an ihre Erfolge mit Anträgen in den Neurowissenschaften anknüpfen.

Neurodegenerative Erkrankungen wie Morbus Alzheimer und andere Demenzerkrankungen oder die Parkinson´sche Erkrankung sind derzeit noch unheilbar. Die Zahl der Patienten wie die individuelle Krankheitsdauer und Pflegebedürftigkeit steigt mit zunehmender Lebenserwartung breiter Bevölkerungsschichten weiter an. Die Entwicklung neuer Therapieverfahren ist deshalb von großer wissenschaftlicher und von einer enormen wirtschaftlichen Bedeutung. Bislang gibt es für die Mehrzahl degenerativer Erkrankungen des Zentralnervensystems keine ursächliche Behandlung, obwohl sich während der letzten zwei Jahrzehnte das Wissen, wie diese Krankheiten entstehen, erheblich erweitert hat. Als eine Alternative zu herkömmlichen pharmakologischen Therapieansätzen haben gentherapeutische Verfahren ein großes Potential.

Kontakt:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Direktor der Abteilung Neurologie
Prof. Dr. Mathias Bähr
Tel.: 0551 / 39-6603
E-Mail: neurolog@med.uni-goettingen.de
Dr. Sebastian Kügler
Tel: 0551 / 39-8351
E-Mail: sebastian.kuegler@med.uni-goettingen.de
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
EU-Liaison Office for Life Sciences
Geschäftsbereich Internationale Beziehungen
Christiane Hennecke, M.A.
Tel.: 0551 / 39-12624
E-Mail: christiane.hennecke@med.uni-goettingen.de

Christiane Hennecke | Uni Göttingen
Weitere Informationen:
http://www.kooperation-international.de
http://www.med.uni-goettingen.de

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