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Erwarten noch wichtige Erkenntnisse für Gebirgsmedizin

30.05.2014

Wer sich auf über 2500 Metern in Berggebieten aufhält, kann – auch unerwartet – Schwierigkeiten mit der Anpassung an die Höhe haben. Die Folge sind leichte Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel oder auch schwere Formen der Höhenkrankheit, die zum Tod führen können.

Erste Zwischenergebnisse aus der höhenmedizinischen Forschung haben die Kongressorganisatoren vom Südtiroler EURAC-Institut für Alpine Notfallmedizin gemeinsam mit Forscherkollegen am Mittwoch, 28. Mai, in Bozen vorgestellt: darunter neueste Methoden zur lebensrettenden Früherkennung der Höhenkrankheit sowie Studien, die die Rolle der genetischen Faktoren für die Akklimatisation und Überleben in großer Höhe untersucht haben.

Hunderte Millionen Menschen urlauben, arbeiten und leben weltweit in Berggebieten. Die ständige Höhe verursacht bei vielen gesundheitliche Probleme, weil ihr Körper nicht imstande ist sich zu akklimatisieren. So zeigen höhenmedizinische Studien, die auf dem Kongress vorgestellt worden sind, dass rund 15 Prozent der Bevölkerung in den südamerikanischen Anden unter chronischer Höhenkrankheit mit schweren Beeinträchtigungen des alltäglichen Lebens leiden.

Hingegen sind Sherpas in Nepal und die tibetische Bevölkerung weitgehend resistent gegen die Höhenkrankheit. Es sei vor allem die über Hunderte von Generationen andauernde genetische Anpassung ausschlaggebend, ob Menschen anfällig sind oder nicht:

„Die Tibeter besiedeln das ‚Dach der Welt‘ bereits seit vielen Jahrtausenden. In ihrer genetischen Entwicklung haben sie sich bestens an die Höhe angepasst. Die Bewohner der Anden hingegen haben sich in ihrer viel kürzeren Besiedlungszeit genetisch noch nicht an die Höhe anpassen können“, fassen Hermann Brugger und Giacomo Strapazzon vom Bozner EURAC-Institut für Alpine Notfallmedizin die präsentierten Studienergebnisse zusammen. 

Bislang ist unter den Forschern jedoch noch nicht vollständig geklärt, welche Faktoren für die akute Höhenkrankheit verantwortlich sind. Diese schwere Form, bei der ein Hirn- oder Lungenödem eintreten kann, gehört zur häufigsten Todesursache unter Höhenbergsteigern. Auf dem Weltkongress stellten die Forscher neue Studien vor, wo erstmals mithilfe von Ultraschall das Risiko der Höhenkrankheit frühzeitig diagnostiziert werden konnte.

Die Studien deckten einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Höhenkrankheit und der Vergrößerung des Sehnervs auf, was mithilfe von Ultraschall festgestellt werden kann. Diese auf dem Kongress vorgestellten Ergebnisse gehen auch auf die so genannte „Ortler-Studie“ zurück, die die EURAC-Mediziner Brugger und Strapazzon mit auf dem Ortler stationierten Gletscherforschern im Jahr 2011 durchgeführt haben.

„Die Höhen- und Gebirgsmedizin ist im Vergleich zu anderen medizinischen Gebieten ein junge Disziplin. Gleichzeitig gibt es gerade hier bei der Diagnose und Therapie viele Störfaktoren: Wetterbedingungen, schwieriges Gelände, psychische Schwierigkeiten durch extreme Bedingungen in der Höhe. Der Weltkongress, wo Höhenmediziner, Notfallmediziner, Bergretter und Bergsteiger aufeinandertreffen, bietet die Möglichkeit voneinander zu lernen und wichtige Fortschritte zu erzielen. In den kommenden Kongresstagen erwarten wir noch entscheidende Erkenntnisse“, bekräftigt Buddha Basnyat, Präsident der Internationalen Gesellschaft für Alpinmedizin (ISMM), die den Kongress mit ausrichtet. 

Symbolisch für die Höhe und gleichzeitig auch für die mit der Höhe verbundenen Problematiken steht Nepal als ein Schwerpunktthema des Kongresses: Der zunehmende Alpintourismus aus der reichen westlichen Welt trifft hier auf die Armut der lokalen Bevölkerung.

„Das Lawinenunglück am Mount Everest am 18. April hat gezeigt, wie wichtig es ist, dass auch die nepalesischen Sherpas und Bergführer für die Rettung ausgebildet werden. Viele beherrschen die wichtigsten Techniken der Ersten Hilfe nicht. Wir - eine 20-köpfige Gruppe aus nepalesischen Ärzten und Sherpas - haben eine medizinische und rettungstechnische Ausbildung in Südtirol absolvieren können und geben unser Wissen nun weiter. Unser Ziel ist es, bald ein einheimisch organisiertes Bergrettungswesen in Nepal zu haben“, erzählt Pranawa Koirala, nepalesischer Bergretter und Arzt, der vor zwei Jahren in Südtirol eine Bergretterausbildung absolviert hat.

Der 10. Weltkongress für Gebirgs-, Höhen- und alpine Notfallmedizin erörtert neben neuesten weltweiten Forschungsergebnissen auch rettungstechnische Entwicklungen im Gebirge und schließt mit der Alpinen Notfallmedizin, die erstmals in der Geschichte des Kongresses in das Programm mit aufgenommen worden ist.

Laura Defranceschi | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.eurac.edu

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