Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erstmals Gedächtnisprozesse bei einfachen Entscheidungen abgebildet

20.12.2011
Bei Entscheidungen, für die Informationen aus dem Gedächtnis abgerufen werden müssen – etwa bei einem Quiz –, verwenden wir häufig einfache Strategien: Wir berücksichtigen nur eine begrenzte Anzahl von Informationen.

Diesen Prozess konnten Forschende der Universitäten Marburg und Basel erstmals mithilfe bildgebender Verfahren nachweisen, wie sie in der Fachzeitschrift «Journal of Cognitive Neuroscience» berichten. Bei solchen Entscheidungen haben wir offenbar eine grosse Kontrolle über den Umfang der Gedächtnissuche.

Oft können wir bei Entscheidungen nicht alle zur Verfügung stehenden Informationen einbeziehen. Besonders wenn die Informationssuche aufwendig ist, wird angenommen, dass wir vereinfachende Strategien verwenden – sogenannte Heuristiken. Dabei werden verschiedene Informationen nacheinander betrachtet und eine Entscheidung aufgrund einer einzelnen davon getroffen, worauf die Suche abgebrochen wird. Dies bestätigen nun die Psychologen Dr. Patrick Khader von der Philipps-Universität Marburg und Dr. Thorsten Pachur von der Universität Basel in einem neuen Verfahren, mit dem sich Gedächtnisprozesse bei der Verwendung solcher Strategien mit bildgebenden Verfahren untersuchen lassen.

Bei den Tests mussten die Versuchspersonen entscheiden, welche von zwei Firmen in Zukunft erfolgreicher ist. Dafür hatten sie zunächst Informationen über die Objekte zu lernen. Die einzelnen Informationen – etwa Farben oder Positionen der Gegenstände – waren so ausgewählt, dass sich ihre Gedächtnisrepräsentationen mit grosser Wahrscheinlichkeit an bestimmten Orten im Gehirn lokalisieren lassen. Aufgrund der gelernten Information sollten die Probanden darauf Objekte mit einer einfachen Heuristik beurteilen, während die Aktivität der unterschiedlichen Hirnregionen mit funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) gemessen wurde.

Tatsächlich zeigte sich, dass bei den Beurteilungen die entsprechenden Hirnregionen zusätzlich aktiviert wurden, wenn die dort repräsentierte Information dafür relevant war – und umgekehrt weniger aktiviert, wenn die Suche vorher abgebrochen wurde. Dies deutet darauf hin, dass die Verwendung der Heuristik mit einer Verringerung des Abrufaufwands verbunden ist. Bei gedächtnisbasierten Entscheidungen können wir die Suche offensichtlich so kontrollieren, dass Repräsentationen im Gehirn vor allem dann aktiviert werden, wenn sie im Fokus der Aufmerksamkeit stehen. Damit widersprechen die Ergebnisse einer häufigen Annahme in Entscheidungs- und Gedächtnismodellen, wonach die Informationssuche im Gedächtnis zu einer automatischen und parallelen Aktivierung führt.

Originalbeitrag
Patrick H. Khader, Thorsten Pachur, Stefanie Meier, Siegfried Bien, Kerstin Jost, and Frank Rösler
Memory-based Decision-making with Heuristics: Evidence for a Controlled Activation of Memory Representations

«Journal of Cognitive Neuroscience», November 2011, Vol. 23, No. 11 | doi:10.1162/jocn_a_00059

Weitere Auskünfte
Dr. Thorsten Pachur, Universität Basel, Fakultät für Psychologie, Tel. +41 (0)61 267 06 14, E-Mail: thorsten.pachur@unibas.ch

Dr. Patrick H. Khader, Philipps-Universität Marburg, Fachbereich Psychologie, Tel. Tel. +49 6421-2823838, E-Mail: khader@uni-marburg.de

Christoph Dieffenbacher | Universität Basel
Weitere Informationen:
http://www.unibas.ch
http://www.nature.com/ng/journal/vaop/ncurrent/abs/ng.1038.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Therapieansätze bei RET-Fusion - Zwei neue Inhibitoren gegen Treibermutation
26.06.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie