Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erstmals erfolgreiche Hirnoperationen mit Ultraschall

22.06.2009
Am Magnetresonanz-Zentrum der Universitäts-Kinderklinik Zürich sind weltweit erstmals zehn Patienten mit transkraniellem Hochenergie-Ultraschall erfolgreich am Gehirn operiert worden.

Dieses vollständig nicht-invasive Operationsverfahren eröffnet neue Horizonte für die Neurochirurgie und die Therapie verschiedener neurologischer Erkrankungen.

Ohne die Schädeldecke zu öffnen, sind weltweit zum ersten Mal Patienten erfolgreich am Gehirn operiert worden. Im Rahmen einer klinischen Studie am MR-Zentrum der Universitäts-Kinderklinik Zürich sind sie mit transkraniellem Hochenergie-Ultraschall behandelt worden.

Einem Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Daniel Jeanmonod von der Abteilung für Funktionelle Neurochirurgie der neurochirurgischen Klinik des Universitätsspitals Zürich und Prof. Ernst Martin, dem Leiter des Magnetresonanz-Zentrums der Universitäts-Kinderklinik, ist es gelungen, die Sicherheit und die Wirksamkeit dieser revolutionären Operationsmethode nachzuweisen, die vollständig nicht-invasive Eingriffe am Gehirn auf ambulanter Basis erlaubt.

Seit einigen Jahren wird Hochenergie-Ultraschall bereits in der Gynäkologie und bei Prostatatumoren eingesetzt, um erkranktes Gewebe zu veröden. Bis jetzt war es jedoch wegen der damit verbundenen technischen Schwierigkeiten nicht möglich, dieses Verfahren auch in der Neurochirurgie für Hirnoperationen durch die intakte Schädeldecke hindurch anzuwenden.

Nicht-invasive Operationen am Gehirn

Die Zürcher Gruppe hat in mehrjähriger Forschungsarbeit ein Prototypensystem für transkraniellen, MR-gesteuerten, fokussierten Hochenergie-Ultraschall für den klinischen Einsatz optimiert und konnte neue, nicht-invasive Operationsprozesse entwickeln. Seit September 2008 hat das Team im Rahmen einer klinischen Studie zehn Erwachsene mit dem neuen neurochirurgischen Verfahren operiert. Alle Eingriffe verliefen erfolgreich und ohne Komplikationen. Damit sind die Voraussetzungen für die klinische Weiterentwicklung und die Erschliessung neuer Anwendungsgebiete für diese revolutionäre Operationstechnik gegeben.

Die Ultraschall-Hirnoperationen werden in einem klinischen Magnetresonanzsystem durchgeführt, das mit dem Hochenergie-Ultraschall-Forschungssystem "ExAblate® 4000" des israelischen Kooperationspartners InSightec zu einer Plattform für bildgesteuerte, nicht-invasive Eingriffe aufgerüstet wurde. Mittels bildgebender Magnetresonanz (MRI) geplant und laufend überwacht wird der Hochenergie-Ultraschall durch die intakte Schädeldecke des Patienten ins Gehirn übertragen und in einem Brennpunkt von 3 bis 4 Millimeter Durchmesser konzentriert. Der Temperaturanstieg während der aufeinander folgenden, jeweils 10 bis 20 Sekunden dauernden Ultraschallsonikationen kann auf MR-Wärmekarten fortlaufend präzise dargestellt und kontrolliert werden. Durch räumlich scharf definierte Erhitzung auf bis zu 60 Grad werden in dem Verfahren einzelne oder auch mehrere spezifische Operationsziele verödet. Der mehrstündige Eingriff erfolgt ohne Narkose, bei vollem Bewusstsein des Patienten, und wird ambulant durchgeführt.

Forschungsprojekt im Rahmen des Nationalen Forschungsschwerpunktes Co-Me

Das Potential von nicht-invasivem, transkraniellem Hochenergie Ultraschall wird im Rahmen des Nationalen Forschungsschwerpunktes Co-Me (computer aided and image guided medical interventions) anhand von klinischen Studien erforscht. Die Wissenschaftler, Kliniker und Techniker von Co-Me verfolgen das Ziel, Interventionen mittels Hochenergie-Ultraschall zu etablieren und weiterzuentwickeln, um in naher Zukunft ein breites Spektrum vollständig nicht-invasiver Behandlungen, zum Beispiel funktionelle Neurochirurgie, Hirntumore, Schlaganfälle und reversible Öffnung der Bluthirnschranke zur medikamentösen Behandlung neurologischer Erkrankungen, anbieten zu können.

Das Forschungsprojekt ist eine Kooperation zwischen den beiden Hochschulen Universität Zürich und ETH Zürich, vertreten durch das MR-Zentrum des Kinderspitals (Prof. Ernst Martin), die Abteilung für Funktionelle Neurochirurgie der neurochirurgischen Klinik des Universitätsspitals Zürich (Prof. Daniel Jeanmonod), das Medical Image Analysis and Computer Vision Laboratory (Prof. Gabor Székely) und das Institute of Neuroinformatics (PD Dr. Daniel Kiper) und dem Industriepartner InSightec Ltd.

Kontakt:
Beat Werner, MR-Zentrum, Universitäts-Kinderkliniken Zürich
Tel : ++41 (0)44 266 8123
E-Mail: beat.werner@kispi.uzh.ch

Beat Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.uzh.ch/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik