Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erstes Schlaganfall-Netzwerk in Sachsen-Anhalt geplant

13.11.2009
Erste Bilanz von Telemedizin-Projekt zur Akutversorgung von Schlaganfallpatienten in Sachsen-Anhalt

Um Schlaganfälle künftig über große Distanzen hinweg telemedizinisch zu diagnostizieren und zu therapieren, arbeiten Wissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg seit Juni 2009 fachübergreifend an tragfähigen Geschäftsmodellen und hochmoderner Telemedizintechnik zusammen.

Nach halbjähriger Arbeit präsentierte das Projekt TASC - Telemedical Acute Stroke Care am Mittwoch, dem 11.11.09, in der FestungMark Magdeburg erste Ergebnisse im Beisein des Rektors der Magdeburger Universität, Professor Klaus Erich Pollmann und von ORR Hendrik Vogt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Ziel des Projekts TASC ist die technisch-ökonomische Optimierung von Telemedizinlösungen, um diese später in einer privatwirtschaftlichen telemedizinischen Servicezentrale umzusetzen. Durch den Einsatz von Telemedizin in fünf Kliniken, die Implementierung eines ersten Schlaganfallnetzwerks in Sachsen-Anhalt und die Entwicklung eines ökonomisch tragfähigen Geschäfts- und Abrechnungsmodells für die telemedizinische Akutversorgung von Schlaganfallpatienten soll die Schlaganfallversorgung in Sachsen-Anhalt nachhaltig verbessert werden.

Bereits Ende letzten Jahres wurden die Kliniken Halberstadt und Stendal mit diagnosetauglicher Videokonferenztechnik ausgestattet und dadurch mit der Stroke Unit des Universitätsklinikums Magdeburg verbunden. Ca. 50 Patienten konnten seitdem telemedizinisch versorgt werden. Mit weiteren Kliniken aus Sachsen-Anhalt werden derzeitig Kooperationen vorbereitet. Drei von ihnen werden noch bis Ende des Jahres an das Netzwerk angeschlossen, womit die Versorgung von Schlaganfallpatienten schon bald - vor allem in ländlichen Gebieten - deutlich verbessert wird.

"Gerade in Sachsen-Anhalt, dessen Bevölkerung im Bundesdurchschnitt zehn Jahre älter ist und dementsprechend eine Schlaganfallhäufung auftritt, kommt dem Einsatz von Telemedizin eine bedeutende Rolle zu", so der Vorstandsvorsitzende der AOK Sachsen-Anhalt, Uwe Deh. Telemedizin-Projekte seien aber auch mit Umsetzungsbarrieren konfrontiert, so Dr. Johannes Schenkel von der Bundesärztekammer. Von einem Projekt bis zur Überführung der Telemedizin in die Regelversorgung sei es oft ein langer Weg, so Schenkel. Erste Erfolge mit dem TASC-Netzwerk durch den Einsatz von Telemedizin präsentierte der Mediziner Thomas Klante aus dem AMEOS Klinikum St. Salvador Halberstadt. Nun gelte es, so Klante, in Sachsen-Anhalt Strukturen und Anreize für Kliniken und Kostenträger zum dauerhaften Einsatz von Telemedizin in der Schlaganfallakutversorgung zu schaffen.

"Das Projekt TASC der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg wird dafür sorgen, dass mit dem geplanten Aufbau einer Servicezentrale für die Akutversorgung von Schlaganfallpatienten die Weiterentwicklung telemedizinischer Ansätze in ganz Deutschland wichtige Impulse erhält. Davon sind auch die externen Gutachter überzeugt, die das Vorhaben im Dezember 2008 für die Förderung im Rahmen des BMBF-Programms ForMaT (Forschung für den Markt im Team) vorgeschlagen haben. Damit investiert das Bundesforschungsministerium nicht nur in die Entwicklung neuer telemedizinischer Verfahren sondern auch in die regionale Wirtschaftsentwicklung in Sachsen-Anhalt.", so ORR Hendrik Vogt.

Hintergrund
Weltweit steht der Schlaganfall auf Platz zwei der Rangliste der Todesursachen und ist Hauptursache für Behinderungen in den westlichen Industrieländern. Allein in Deutschland gibt es ca. 160.000 Neuerkrankungen jährlich. Eine effektive Akuttherapie darf nur in einem sehr engen Zeitfenster von drei Stunden nach Krankheitsbeginn und bei einer bestimmten Art des Schlaganfalls angewandt werden. In diesen drei Stunden muss der Schlaganfall als solcher erkannt werden, die Rettung und der Transport zur richtigen Klinik erfolgen, Anamnesen gestellt und Untersuchungsbefunde erhoben werden. In Regionen ohne Schlaganfallspezialisten in Sachsen-Anhalt ist die Einhaltung des drei Stunden Zeitfensters derzeitig fast unmöglich. Durch den Einsatz der Telemedizin soll diese Situation verbessert werden.

Das Forschungsvorhaben ist am Interaktionszentrum Entrepreneurship der Universität Magdeburg unter Leitung von Prof. Dr. Matthias Raith angesiedelt und wird in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Medizinische Telematik und Medizintechnik (Prof. Dr. Georg Rose) sowie den Medizinern Prof. Dr. Hans-Jochen Heinze (Klinik für Neurologie), PD Dr. Michael Görtler (Stroke Unit) und Prof. Dr. Martin Skalej (Institut für Neuroradiologie) des Universitätsklinikums Magdeburg durchgeführt.

TASC wird mit 1,47 Mio. € von Juni 2009 bis Mai 2011 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Ansprechpartner: Prof. Dr. Matthias Raith, Projektleitung TASC, Tel.: 0391 67-18436, E-Mail: raith@ovgu.de, Katja Besser, Projektkoordination TASC, Tel.: 0391 67-18454, E-Mail: besser@ovgu.de

Katharina Vorwerk | idw
Weitere Informationen:
http://tasc.telestroke.net

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie