Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erster wissenschaftlicher Ansatz zur medikamentösen Stabilisierung von Hirnbasis Aneurysmen

01.02.2017

Mannheimer Neurochirurgie erhält Förderung zur Durchführung der multizentrischen PROTECT-U Studie

Die Neurochirurgische Klinik der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) konnte kürzlich eine umfangreiche Forschungsförderung für eine klinische Studie der Phase III zur pharmakologischen Stabilisierung von Aneurysmen des Gehirns einwerben. Die Idee zur PROTECT-U Studie* wurde von Antragsteller PD Dr. Nima Etminan, stellvertretender Direktor der Neurochirurgischen Klinik, entwickelt. Die Studie soll untersuchen, ob die vorbeugende Behandlung der wichtigsten Risikofaktoren für das Wachstum oder Einreißen (Ruptur) eines Aneurysmas das Risiko solcher Ereignisse senken kann. Zu den Risikofaktoren zählen vor allem Bluthochdruck und Entzündungsreaktionen in der Wand von Aneurysmen.


Graphische Darstellung der Entstehung von Aneurysmen (aus Etminan and Rinkel, Nat Rev Neurol. 2016 Dec;12(12):699-713)

Nature Reviews Neurology

Bislang existieren keine Therapieansätze zur Stabilisierung von Aneurysmen, die nicht chirurgisch oder radiologisch behandelt werden müssen. Im Rahmen der Studie wird als Intervention eine intensive Blutdrucknormalisierung vorgenommen sowie ein entzündungshemmendes Medikament eingesetzt, um so die eigentliche Ursache für das Wachstum oder Einreißen der Aneurysmen zu behandeln. Die Kontrollgruppe wird nach der Standardtherapie, der alleinigen Blutdrucknormalisierung behandelt.

Intrakranielle Aneurysmen sind krankhafte Ausstülpungen an sich aufteilenden Gefäßen des Gehirns. Sie kommen bei etwa drei Prozent der Erwachsenenbevölkerung vor, in Deutschland sind etwa 1,5 Millionen Menschen betroffen. Aneurysmen können über lange Zeit unentdeckt bleiben. Wachsen die Ausstülpungen, so geht dies mit einer erhöhten Gefahr einher, dass diese platzen (rupturieren), aber immer wieder rupturieren Aneurysmen auch ohne vorheriges Wachstum.

Die Ruptur eines Aneurysmas führt zu dem lebensbedrohlichen Krankheitsbild der Subarachnoidalblutung. Diese Art des Schlaganfalls hat eine besonders schlechte Prognose und betrifft – anders als beim unblutigen Schlaganfall – vor allem Menschen im 4. oder 5. Lebensjahrzehnt. Etwa 40 Prozent der Betroffenen versterben, weitere 30 Prozent bleiben permanent in ihrer körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit beeinträchtigt.

Die meisten Aneurysmen werden zufällig entdeckt, beispielsweise im Rahmen einer Schädelbildgebung aufgrund von Kopfschmerzen oder nach einem Schädel-Hirn-Trauma. Bei einigen dieser Patienten ist das Risiko der Ruptur deutlich niedriger als das Risiko einer prophylaktischen operativen oder radiologischen Behandlung. Da medikamentöse Therapieoptionen, die die Risikofaktoren und entsprechend das Risiko des Wachstums oder der Ruptur von Aneurysmen reduzieren könnten, bis dato nicht existieren, wird das Aneurysma in derartigen Fällen lediglich beobachtet.

Verschiedene experimentelle und kleinere klinische Studien haben gezeigt, dass insbesondere Acetylsalicylsäure (Aspirin) aufgrund ihrer anti-entzündlichen Eigenschaften die Stabilität von Aneurysmen erhöht. Sie wirkt Entzündungsreaktionen in der Wand von Aneurysmen, dem neben dem Bluthochdruck wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktor für die Ruptur, entgegen.

PROTECT-U ist die weltweit erste randomisierte klinische Studie, die eine kausale Therapie der Ursachen für das Wachstum und die Ruptur von Aneurysmen anstrebt, indem sie die zugrunde liegenden Risikofaktoren behandelt. Die multizentrisch ausgerichtete Studie wird gleichsam durch PD Dr. med. Etminan, Neurochirurgische Klinik der UMM (Direktor: Prof. Dr. med. Daniel Hänggi) und PD Dr. med. Mervyn Vergouwen, Oberarzt der Klinik für Neurologie und Neurochirurgie des Universitätsklinikums Utrecht (Direktor Prof. Dr. med. Gabriel Rinkel), Niederlande, geleitet. Insgesamt 20 universitäre Gefäßzentren in Deutschland und den Niederlanden beteiligen sich an der Studie.

Aktuell wird mit dem Koordinierungszentrum für klinische Studien (KKS) Heidelberg (Leiter: Dr. Steffen Luntz) das Studienprotokoll fertiggestellt. Die Durchführung der Studie ist auf fünf Jahre ausgelegt und wird maßgeblich von der Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung gefördert. Die gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Mannheim übernimmt in Abhängigkeit einer positiven Zwischen-Evaluation zwei Drittel der Kosten, rund 1,35 Mio. Euro.

*PROTECT-U Studie
Prospective Randomized Open-label Trial to Evaluate risk faCTor management in patients with Unruptured intracranial aneurysms

Multizentrische, randomisierte und kontrollierte klinische Studie der Phase III.
Studienbeginn: Sommer 2017
Laufzeit: insgesamt 5 Jahre
Rekrutierung von Patienten ab: Sommer 2017

PROTECT-U Studienteam
Leiter der Studie und Ansprechpartner:
Priv.-Doz. Dr. med. Nima Etminan
Stellvertretender Direktor der Klinik für
Neurochirurgie,
Universitätsmedizin Mannheim
Nima.Etminan@umm.de
Telefon 0621/383-2360

Prof. Dr. med Ale Algra
Julius Center and Brain Center Rudolf Magnus, University Medical Center Utrecht
Prof. Dr. med. Daniel Hänggi
Direktor der Klinik für Neurochirurgie, Universitätsmedizin Mannheim
Prof. Dr. med. Jens Fiehler
Direktor des Institutes für Neuroradiologie, Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf
Prof. Dr.med. Gabriel J. E. Rinkel
Direktor der Klinik für Neurologie und Neurochirurgie, University Medical Center Utrecht
Prof. Dr. med. Helmuth Steinmetz
Direktor der Klinik für Neurologie, Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt
PD Dr. med. Mervyn Vergouwen
Klinik für Neurologie und Neurochirurgie, University Medical Center Utrecht

Dr. Eva Maria Wellnitz | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.umm.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Therapieansatz gegen weit verbreitete Lungenkrankheit
12.01.2018 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Fastfood macht Immunsystem langfristig aggressiver
12.01.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Im Focus: Wie Metallstrukturen effektiv helfen, Knochen zu heilen

Forscher schaffen neue Generation von Knochenimplantaten

Wissenschaftler am Julius Wolff Institut, dem Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien und dem Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der...

Im Focus: Extrem helle und schnelle Lichtemission

Eine in den vergangenen Jahren intensiv untersuchte Art von Quantenpunkten kann Licht in allen Farben wiedergeben und ist sehr hell. Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung von Wissenschaftlern der ETH Zürich hat nun herausgefunden, warum dem so ist. Die Quantenpunkte könnten dereinst in Leuchtdioden zum Einsatz kommen.

Ein internationales Team von Wissenschaftlern der ETH Zürich, von IBM Research Zurich, der Empa und von vier amerikanischen Forschungseinrichtungen hat die...

Im Focus: Paradigmenwechsel in Paris: Den Blick für den gesamten Laserprozess öffnen

Die neusten Trends und Innovationen bei der Laserbearbeitung von Composites hat das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT im März 2018 auf der JEC World Composite Show im Fokus: In Paris demonstrieren die Forscher auf dem Gemeinschaftsstand des Aachener Zentrums für integrativen Leichtbau AZL unter anderem, wie sich Verbundwerkstoffe mit dem Laser fügen, strukturieren, schneiden und bohren lassen.

Keine andere Branche hat in der Öffentlichkeit für so viel Aufmerksamkeit für Verbundwerkstoffe gesorgt wie die Automobilindustrie, die neben der Luft- und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung „Elektronikkühlung - Wärmemanagement“ vom 06. - 07.03.2018 in Essen

11.01.2018 | Veranstaltungen

Registrierung offen für Open Science Conference 2018 in Berlin

11.01.2018 | Veranstaltungen

Wie sieht die Bioökonomie der Zukunft aus?

10.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit mikroskopischen Luftblasen dämmen

15.01.2018 | Architektur Bauwesen

Feldarbeiten der größten Bodeninventur Deutschlands sind abgeschlossen

15.01.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Perowskit-Solarzellen: Es muss gar nicht perfekt sein

15.01.2018 | Materialwissenschaften