Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erste erwachsene Krebs-Patientin profitiert von Nabelschnurbluttransplantation

29.09.2010
„Ich bin ganz begeistert, alles verlief perfekt“, freut sich Renate M.. Sie ist die erste erwachsene Krebs-Patientin, die am Universitätsklinikum Erlangen eine Nabelschnurbluttransplantation erhielt. Ende Juli übertrugen Prof. Dr. Andreas Mackensen, Direktor der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie – und Oberarzt Dr. Wolf Rösler erstmals die blutbildenden Stammzellen aus dem Nabelschnurblut von zwei Babies in den Körper der 69-jährigen Leukämiekranken.

„Jetzt ist die Patientin mit hoher Wahrscheinlichkeit von ihrer Krankheit geheilt“, sagte Prof. Mackensen heute nach einer Untersuchung der Patientin. Ein seltener Erfolg: Deutschlandweit wurden im vergangenen Jahr nur etwa 20 Nabelschnurbluttransplantationen bei Erwachsenen durchgeführt.

Erst seit Kurzem ist es möglich, durch die gleichzeitige Übertragung von zwei verschiedenen Nabelschnurbluttransplantaten die bei Kindern mittlerweile häufig angewendete Therapie auch bei Erwachsenen anzuwenden. Die besondere Schwierigkeit: Im Unterschied zu Kindern reichen bei erwachsenen Patienten aufgrund des höheren Körpergewichts die im Nabelschnurblut enthaltenen Stammzellmengen meistens nicht für eine Transplantation aus. Deshalb müssen zunächst zwei zusammenpassende Nabelschnurblutspenden gefunden werden.

Die erste Verpflanzung von Stammzellen aus Nabelschnurblut am Uni-Klinikum Erlangen war eine gemeinsame Transfusion von zwei Spenderpräparaten. „Es ist großartig, dass alles so gut geklappt hat“, berichtet Dr. Rösler. Stammzellen aus Nabelschnurblut sind immunologisch toleranter als die aus dem Knochenmark. Deshalb müssen die Gewebemerkmale von Spender und Empfänger nicht so streng übereinstimmen. „Damit war die Chance ganz gut, dass in den weltweiten Zentren zwei zueinander passende Präparate gefunden werden. Dass die erste Therapie so problemlos und so schnell erfolgreich verlief, grenzt aber an ein kleines Wunder“, so Dr. Rösler. Außerdem verraten die beiden behandelnden Ärzte noch ein interessantes Detail: Der Empfänger einer Nabelschnurbluttransplantation erhält zwar zwei Spenden und somit Stammzellen mit unterschiedlichem Erbgut, meist setzt sich jedoch nur eine Spende mit ihren Zellen durch – die anderen Stammzellen haben zwar zum Therapieerfolg beigetragen, verschwinden jedoch einfach wieder. Dies ist auch bei der Erlanger Patientin mittlerweile so.

Bei Renate M. hatte die allgemein übliche Chemotherapie bei der Behandlung ihrer myeloischen Leukämie (Blutkrebs) nicht angeschlagen. Weder in ihrer Familie noch in den Registern konnte damals ein geeigneter Knochenmarkspender für sie gefunden werden. Im März 2010 wurde sie von ihrem Hausarzt an das Universitätsklinikum Erlangen überwiesen und hielt sich dann fast ununterbrochen in der Medizinischen Klinik 5 auf. Jeden Tag fuhr der Ehemann aus dem Landkreis Ansbach nach Erlangen, um Renate M. beizustehen. „Fast ein halbes Jahr habe ich hier verbracht und ich kann über das ganze Team – Ärzte und Pflegende – nur das Beste sagen“, sagt die jetzt mit hoher Wahrscheinlichkeit geheilte Patientin, die nun nur noch zu Nachsorgeterminen nach Erlangen kommen und derzeit noch Medikamente zur Immunsuppression einnehmen muss.

Bayerns größtes Zentrum für Nabelschnurblut steht in Erlangen
Das Blut der Nabelschnur ist reich an Stammzellen, die bei der Therapie von Leukämie und Lymphomen eine entscheidende Rolle spielen. Neben der bewährten Knochenmarktransplantation hat sich die Nabelschnurbluttransplantation in den vergangenen Jahren zu einer guten Alternative entwickelt, wenn kein Knochenmarkspender gefunden werden kann. Nach der Entbindung wird die Nabelschnur nicht – wie bisher meist üblich – entsorgt, sondern mit Einverständnis der Eltern wird das Restblut (60 – 100 ml) mit seinen Stammzellen aus der Nabelschnur entnommen und bei etwa -170°C eingelagert. Später können diese Stammzellen entweder dem Kind selbst oder einem passenden Empfänger zur Therapie transplantiert werden. Das größte Zentrum für Nabelschnurblut in Bayern wird von der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Reinhold Eckstein) des Universitätsklinikums Erlangen geleitet und ist eines der ersten drei Zentren in Deutschland, die eine Zulassung für die Herstellung von Stammzellpräparaten aus gespendetem Nabelschnurblut erhalten haben.

Weitere Informationen für die Medien:

Prof. Dr. Andreas Mackensen
Tel.: 09131/85-35954
andreas.mackensen@uk-erlangen.de

Pascale Anja Dannenberg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uk-erlangen.de
http://www.uni-erlangen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie