Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erste Ergebnisse der CLL11-Studie - Optimierte Behandlung von älteren CLL-Patienten möglich

11.06.2013
Die chronisch lymphatische Leukämie (CLL) ist die häufigste Form von Blutkrebs. Die Krankheit wird sehr oft erst im höheren Lebensalter diagnostiziert.
Viele ältere Patienten leiden bereits an anderen Erkrankungen, was eine aggressive Leukämiebehandlung schwierig oder unmöglich macht. Dementsprechend ist die in der CLL11-Studie geprüfte Studientherapie auf ältere Patienten mit Begleiterkrankungen und bislang nicht behandelter CLL zugeschnitten.

Die große Phase-3-Studie vergleicht hinsichtlich Wirksamkeit und Verträglichkeit folgende Behandlung: GA101 kombiniert mit Chlorambucil, Rituximab kombiniert mit Chlorambucil, nur Chlorambucil. GA101 und Rituximab sind sogenannte CD20-Antikörper, die direkt gegen die Leukämiezellen gerichtet sind. Chlorambucil ist ein Chemotherapeutikum, welches vor allem bei älteren CLL-Patienten angewendet wird.

“Bislang bestand immer eine Unsicherheit, ob Chemotherapie kombiniert mit einem CD20-Antikörper bei älteren CLL-Patienten mit Begleiterkrankungen der traditionell alleinigen Behandlung mit Chlorambucil wirklich überlegen ist. In der CLL11-Studie wurde nun die alleinige Behandlung mit Chlorambucil erstmals direkt mit den Kombinationstherapien Chlorambucil plus GA101 oder Chlorambucil plus Rituximab verglichen”, erklärt Studienleiter Dr. Valentin Goede von der Deutschen CLL Studien Gruppe (DCLLSG).

“Die Studienergebnisse zeigen uns nun, dass die Behandlung mit Chlorambucil bei älteren CLL-Patienten mit Begleiterkrankungen mit einem CD20-Antikörper kombiniert werden sollte, um das Behandlungsergebnis zu verbessern”, so Dr. Goede weiter.

Das Risiko des Fortschreitens der Krankheit, des Krankheitsrückfalls oder Versterbens wurde durch die kombinierte Therapie mit GA101 und Chlorambucil um 86 Prozent reduziert. Die Zeit bis zur Verschlechterung der Krankheitssituation (“progressionsfreies Überleben”) wurde dabei im Vergleich zur alleinigen Behandlung mit Chlorambucil mehr als verdoppelt (23 Monate versus 10.9 Monate, HR=0.14, 95% CI 0.09-0.21, p <.0001).

Bei der kombinierten Therapie mit Rituximab und Chlorambucil betrug die Risikoreduktion 68 Prozent und auch hier wurde die Zeit bis zur Verschlechterung der Krankheitssituation im Vergleich zu Chlorambucil verlängert (15.8 Monate versus 10.8 Monate, HR=0.32, 95% CI 0.24-0.44, p <.0001).

“Um den Unterschied zwischen den beiden Kombinationstherapien, also GA101 und Chlorambucil und Rituximab und Chlorambucil, sicher beurteilen zu können, müssen noch weitere Studienergebnisse abgewartet werden. Die Ergebnisse zum Vergleich der beiden Kombinationsbehandlungen werden uns jedoch bald vorliegen”, betont Prof. Dr. Michael Hallek, Direktor der Klinik I für Innere Medizin an der Uniklinik Köln und Leiter der DCLLSG.

Hintergrund Deutsche CLL Studien Gruppe (DCLLSG)
Die DCLLSG (www.dcllsg.de) wurde 1996 gegründet und wird seitdem von Prof. Dr. Michael Hallek geleitet. Inzwischen hat die DCLLSG erfolgreich zahlreiche klinische Studien zur CLL durchgeführt – immer mit dem Ziel, die Behandlung von CLL-Patienten zu optimieren. Darunter waren mehrere wegweisende Studien wie zum Beispiel die CLL8-Studie, welche weltweit zu einer Änderung des CLL-Therapiestandards führte.

Schon seit einigen Jahren versucht die DCLLSG, nicht nur die Behandlung jüngerer und damit meist fitter Patienten zu verbessern, sondern widmet sich auch den älteren CLL-Patienten mit verminderter Fitness. Diese Gruppe von Patienten fand in Studien bislang wenig Beachtung, obwohl sie bei den in Deutschland an CLL-erkrankten Menschen einen sehr großen Anteil ausmacht.

Die DCLLSG ist eine Non-Profit-Organisation und wird von der Deutschen Krebshilfe unterstützt.

Weitere Informationen zur CLL11-Studie
Die CLL11-Studie ist eine multizentrische, unverblindete, randomisiert-kontrollierte Phase-3-Studie mit drei Therapiearmen (GA101 plus Chlorambucil, Rituximab plus Chlorambucil, nur Chlorambucil), wobei die Verträglichkeit und Wirksamkeit dieser Therapien bei insgesamt 781 nicht vorbehandelten älteren CLL-Patienten mit Begleiterkrankungen geprüft wurde.

Die Studie wurde unter Federführung der DCLLSG geplant und durchgeführt. Der primäre Studienendpunkt war progressionsfreies Überleben (PFS). Sekundäre Studienendpunkte waren Gesamtansprechrate (ORR), Gesamtüberleben (OS), krankheitsfreies Überleben (DFS), minimale Resterkrankung (MRD) und Toxizität.

Erste Ergebnisse der CLL11-Studie, die beim diesjährigen Kongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) präsentiert werden, zeigen Folgendes:

• Die Gabe von GA101 zusätzlich zu Chlorambucil führt zu einer statistisch signifikanten Reduktion (86%) des Risikos, eine Krankheitsprogression oder ein Krankheitsrezidiv zu erleiden bzw. zu Versterben (HR=0.14; p-Wert=<0.0001).

• Das mediane PFS verbessert sich von 10.9 Monate bei alleiniger Behandlung mit Chlorambucil auf 23 Monate bei einer Kombinationsbehandlung mit GA101 und Chlorambucil.

• Die Gabe von Rituximab zusätzlich zu Chlorambucil führt zu einer statistisch signifikanten Reduktion (68%) des Risikos, eine Krankheitsprogression oder ein Krankheitsrezidiv zu erleiden bzw. zu Versterben (HR=0.32; p-Wert=<0.0001).

• Das mediane PFS verbessert sich von 10.8 Monate bei alleiniger Behandlung mit Chlorambucil auf 15.7 Monate bei einer Kombinationsbehandlung mit Rituximab und Chlorambucil.

• Ein Vergleich zwischen den beiden Kombinationsbehandlungen kann noch nicht gezogen werden. Die Analyse dazu steht noch aus.

• GA101 und Rituximab zeigten in der Kombination mit Chlorambucil eine gute Verträglichkeit. Häufigste Grad 3-4 Nebenwirkungen waren bei GA101 Infusions-assoziierte Reaktionen und ein Abfallen der Anzahl bestimmter weißer Blutkörperchen (Neutropenie). Die Häufigkeit von Infusions-assoziierten Reaktionen nahm jedoch nach Verabreichung der ersten Infusion drastisch ab. Häufigste Grad 3-4 Nebenwirkungen waren bei Rituximab ein Abfallen der Anzahl bestimmter weißer Blutkörperchen (Neutropenie).

Für Rückfragen:

Christoph Wanko
Pressesprecher Uniklinik Köln
Stabsabteilung Unternehmenskommunikation und Marketing
Telefon: 0221 478-5548
E-Mail: presse@uk-koeln.de

Christoph Wanko | idw
Weitere Informationen:
http://www.dcllsg.de/
http://www.dcllsg.de/aktuell/130527_PM_CLL11_en.php
http://www.uk-koeln.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik