Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erfolgreiche und nebenwirkungsarme Behandlung von Krebs durch nuklearmedizinische Therapien

19.04.2012
486.000 Patienten werden allein in Deutschland im Jahr 2012 neu an Krebs erkranken – so die Einschätzung der Wissenschaftler.
Eine frühe Diagnose sowie wirksame Therapiemaßnahmen können für sie lebensrettend sein. Mit der Radiopeptidrezeptortherapie (PRRT) und der selektiven internen Radionuklidtherapie (SIRT) existieren zwei etablierte nuklearmedizinische Therapieverfahren, die sehr erfolgreich und mit geringen Nebenwirkungen eingesetzt werden können.

Die Nuklearmedizin diagnostiziert und therapiert Erkrankungen mithilfe radioaktiver Substanzen - so genannter Marker - die an spezifische molekulare Zielstrukturen wie Rezeptoren, Antigene, Transportproteine und Enzyme binden. Damit bietet sie nicht nur die Möglichkeit einer krankheitsspezifischen Diagnostik sondern auch einer ebenfalls spezifischen inneren Strahlentherapie (Radionuklidtherapie). Mit der nuklearmedizinischen Diagnostik werden Stoffwechselvorgänge sichtbar gemacht. Dies ist möglich, da der Stoffwechsel erkrankter Zellen deutlich von dem gesunder Zellen abweicht. Um die betroffenen Zellen sichtbar machen zu können, werden dem Patienten geeignete, radioaktiv markierte Substanzen - so genannte Radiopharmaka - verabreicht.
Sie bestehen aus einem radioaktiven Teilchen, dem Radioisotop, und zudem einem zweiten Bestandteil. Dieser bindet an einen bestimmten Zelltyp im Körper und sorgt so dafür, dass das Radioisotop gezielt an die krankhaft veränderten Zellen gelangt. Dadurch kommt es zu einer starken Anreicherung im Tumor bei nur geringer Aufnahme in gesunden Organen. Die nuklearmedizinische Therapie funktioniert ähnlich wie die Diagnostik. Radioisotope werden hier gezielt zu den krankhaften Zellen transportiert und zerstören diese durch radioaktive Strahlung. Auf diese Weise lassen sich auch kleinste und weit verstreute Tumore effektiv und schonend behandeln.

In den vergangenen Jahren haben sich zwei schon länger bekannte Radionuklidtherapien in der klinischen Anwendung etabliert: die Radiopeptidrezeptortherapie (PRRT), die besondere Arten von Tumoren bekämpfen kann, und die selektive interne Radionuklidtherapie (SIRT), die primär bei Lebertumoren und Lebermetastasen eingesetzt wird.

Die Radiopeptidrezeptortherapie wurde vor mehr als 20 Jahren erstmals eingesetzt und seither weiterentwickelt. Seit wenigen Jahren steht die Methode in Deutschland weitgehend flächendeckend in spezialsierten nuklearmedizinschen Kliniken zur Verfügung. Ziel dieser Behandlung ist es, bestimmte Tumore zu verkleinern und in günstigen Fällen sogar abzutöten. Diese Tumore besitzen an ihrer Zelloberfläche bestimmte Andockstellen - so genannte Rezeptoren - für das Hormon Somatostatin. Diese Somatostatin-Rezeptoren kommen zwar auch auf normalen Zellen und in normalem Gewebe vor, bei bestimmten Tumoren, im Wesentlichen den so genannten neuroendokrinen Tumoren, ist die Dichte dieser Rezeptoren aber meistens deutlich erhöht. Zur Behandlung der Tumore werden spezielle Substanzen – so genannte Somatostatinrezeptoranaloga wie DOTATOC oder DOTATATE - radioaktiv markiert, d.h. mit einem strahlenden Teilchen verbunden. Intravenös verabreicht verteilen sie sich nun über den Blutkreislauf im Körper, binden an die entsprechenden Somatostatin-Rezeptoren der Tumoren und führen zu einer gezielten internen Bestrahlung.
Die Erfolgsraten der Radiopeptidrezeptortherapie sind gut und liegen bei über 70 Prozent. Ein zuvor wachsender Tumor kann durch die Therapie in seinem Wachstum gehindert oder sogar einschrumpft werden. Relevante Nebenwirkungen liegen lediglich im unteren Prozentbereich. Die Therapie eignet sich besonders gut für die Behandlung neuroendokriner Tumoren und für spezielle Schilddrüsenkarzinome.

Die ebenfalls nebenwirkungsarme selektive interne Radionuklidtherapie (SIRT) erfolgt derzeit ausschließlich für die Behandlung von Lebertumoren. Das auch bereits seit Jahrzehnten bekannte Verfahren konnte sich aber erst nach der Zulassung der Präparate klinisch etablieren. Diese Präparate bestehen aus kleinen, radioaktiv strahlenden Kügelchen (sog. Mikrosphären), die über eine Arterie in die Leber injiziert werden. Die Mikrosphären sammeln sich dort in den Gefäßen des Tumors an und geben dort gezielt ihre Strahlung ab. So greifen sie den Tumor direkt im Körper an und halten sein weiteres Wachstum auf.

Die Radionuklidtherapien bilden ein Schwerpunktthema auf der 50. Jahrestagung NuklearMedizin 2012 der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V. Diese findet vom 25. bis 28. April auf dem Gelände der Messe Bremen statt. In bewährter Weise bietet die Kombination aus Kongress, für den international renommierte Referenten gewonnen werden konnten, einem interaktiven Fortbildungsprogramm sowie der in Deutschland größten, branchenspezifischen Industrieausstellung eine ideale Plattform für wissenschaftlichen Austausch und Weiterbildung. Damit zählt die NuklearMedizin 2012 zu den international bedeutendsten und größten Tagungen für Nuklearmedizin. In diesem Jahr werden rund 2.000 Teilnehmer – Mediziner, Naturwissenschaftler, medizinisch-technisches Personal und auch Pflegekräfte – erwartet.

Sämtliche Informationen zur NuklearMedizin 2012 stehen auf der Kongresshomepage http://www.nuklearmedizin2012.de zur Verfügung. Dort ist auch die Presseakkreditierung zum Kongress möglich.

Kontakt:
Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V.
Pressereferat, Stefanie Neu
Nikolaistraße 29, D-37073 Göttingen
Tel. 0551.48857-402, info@nuklearmedizin.de

DGN e.V. | idw
Weitere Informationen:
http://www.nuklearmedizin2012.de/
http://www.nuklearmedizin.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen