Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Epidemien vor dem Ende? Das Potenzial der Impfung

22.03.2011
Dank moderner Medizin und Hygiene haben Seuchen für die meisten Mitteleuropäer ihren Schrecken verloren. Doch ganz im Gegensatz zu unserer Wahrnehmung sind ansteckende Krankheiten auch heute noch eine der häufigsten Todesursachen.

Alle zweieinhalb Sekunden stirbt irgendwo auf der Welt jemand daran, insgesamt mehr als 13 Millionen Menschen im Jahr. SARS und Schweinegrippe haben zumindest ansatzweise gezeigt, wie schnell begrenzte Epidemien im Zeitalter der Globalisierung und weltweiten Mobilität zur weltumspannenden Pandemie werden könnten. Viren und Bakterien scheren sich nicht um politische Grenzen. Sind wir darauf vorbereitet?


© Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie / Volker Brinkmann

Eine sehr wirksame – und letztendlich auch sehr kostengünstige ­– Waffe im Kampf gegen Infektionskrankheiten sind Impfungen. Dies gilt insbesondere auch für eine Krankheit, die in vor allem in Asien, Afrika und in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion viele Todesopfer fordert: die Tuberkulose. Besonders bedrohlich sind die zunehmend auftretenden Infektionen mit TB-Erregern, die gegen eines oder sogar mehrere der üblicherweise gegen die Krankheit eingesetzten Antibiotika resistent sind. Doch bisher ist keine wirksame Impfung gegen TB auf dem Markt. Was sind die besonderen Herausforderungen bei der Entwicklung eines Impfstoffs? Welche Bedingungen müssen geschaffen werden, um ihn weltweit verfügbar zu machen? Wie werden Impfstoffe gestestet und wie wird ihre Sicherheit garantiert?

Mit Jeanne Turczynski diskutieren Prof. Dr. Stefan H.E. Kaufmann, Direktor am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin und Dr. Michael Pfleiderer, Leiter des Fachgebiets Virale Impfstoffe am Paul-Ehrlich-Institut – Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel in Langen.

Eine Form der Weißen Blutkörperchen, die Fresszellen oder Makrophagen, bilden die erste Verteidigungslinie unsres Immunsystems. Hier ist eine solche Fresszelle (rot dargestellt) im Begriff, Tuberkulosebakterien (gelb) in sich einzuschließen und zu verdauen. Doch Mykobakterien sind hart im Nehmen.

Geschützt durch eine besonders widerstandsfähige Zellwand können sie in den Fresszellen jahrelang überleben und bei einer Schwächung des Immunsystems – sei es durch Krankheiten wie Aids oder auch durch das Altern – wieder freigesetzt werden. Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie ist es gelungen, Mykobakterien gentechnisch so zu verändern, dass sie sich nicht mehr in den Zellen des Immunsystems verstecken können.

Werden diese Impfbakterien von einem Makrophagen aufgenommen, lösen sie in der Fresszelle ein Selbstzerstörungsprogramm aus, den „programmierten Zelltod“. Dadurch werden die Impf-Antigene dem Immunsystem optimal präsentiert, was zu einer starken Immunantwort führt. Der neue Impfstoff befindet sich derzeit in der klinischen Prüfung – doch ob er wirklich hält, was er verspricht, wird man erst in ca. 10 Jahren sagen können.

| Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/1207063/Max-Planck-Forum1

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie