Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bei entzündlichen Darmerkrankungen ist Schleimhaut wichtiges Therapieziel

03.04.2013
- Entzündliche Darmerkrankungen besser erforschen und behandeln
- Heilung der Schleimhaut ist ein wichtiges neues Therapieziel

Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) lässt sich die entzündete Schleimhaut durch Medikamente behandeln. Am besten wirkt die Therapie, wenn der Arzt sie genau dem jeweiligen Zustand der Schleimhaut anpasst, so die aktuelle Studienlage. Dafür muss er den Darm bei einer Darmspiegelung endoskopisch untersuchen. Um weitere Fortschritte in der Behandlung von Menschen mit CED zu erreichen, müssten die komplexen Entzündungsvorgänge noch besser verstanden sein.

Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) setzt sich deshalb für Forschung auf diesem Gebiet ein: Systemische Entzündung ist ein Hauptthema des 119. Internistenkongresses der DGIM. Dort stellen Experten neue Erkenntnisse aus der Forschung zur Entstehung und Therapie von CED vor.

Patienten mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa – in Deutschland sind es etwa 320 000 – leben mit Rückschlägen. Denn die beiden chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen verlaufen schubförmig. Beschwerdefreie Phasen wechseln mit heftigen Ausbrüchen von Darmentzündungen ab. Die Patienten leiden unter häufigen Bauchschmerzen, Darmblutungen und Durchfällen. Dies schränkt die Lebensqualität erheblich ein. „Vor allem aber können die Krankheitsschübe zu gefährlichen Komplikationen führen und dauerhafte Schäden hinterlassen“, erläutert Professor Dr. med. Markus F. Neurath, Direktor der Medizinischen Klinik 1 am Universitätsklinikum Erlangen. Deshalb sei das Hauptziel der Therapie, die akute Darmentzündung zu behandeln und nachfolgend neue Schübe durch Medikamente zu verhindern, so der Experte im Vorfeld des 119. Internistenkongresses.

Eine Ursache der Entzündung sehen Experten in einer übermäßigen Abwehrreaktion des Körpers gegen die eigenen Darmbakterien. Die Entzündung bei Morbus Crohn kann dabei alle Schichten von Dünn- und Dickdarm erfassen. Dagegen setzen Ärzte heute sogenannte Immunsuppressiva ein. Sie hemmen die entzündlichen Vorgänge, sind aber mit Nebenwirkungen verbunden. Bei Colitis ulcerosa beschränkt sich die Entzündung auf die Schleimhaut des Dickdarms. Hier wirkt neben Immunsuppressiva auch Mesalazin, ein gut verträgliches anti-entzündliches Mittel.

Gegen beide Erkrankungen verwenden Ärzte seit einigen Jahren auch sogenannte Biologika. Diese Medikamente schalten sehr gezielt spezifische Signale der Entzündungsreaktion aus. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Biologika zur Behandlung der CED und einige neue wurden erfolgreich in Studien getestet. „Damit können viele Patienten über längere Zeit beschwerdefrei leben“, sagt Professor Neurath. Wichtig sei es jedoch, den geeigneten Zeitpunkt für ein Absetzen der Medikamente zu finden. Dies ermögliche nur eine Darmspiegelung, meint Neurath. Dabei führt der Arzt ein Endoskop in den Darm ein. Neue Endoskope zeigen hierbei die Oberfläche des Darms sogar in HD-Qualität. Hierdurch kann der Arzt das krankheitsbedingt veränderte Gewebe optimal beurteilen. „Eine heilende Schleimhaut zeigt an, dass die Erkrankung zurzeit nicht weiter fortschreitet und der Schub abklingt“, meint Neurath. Der Internist weiß, dass Endoskopien belastend sind: „Es bleibt den Patienten aber die Behandlung mit Medikamenten erspart, die das Immunsystem schwächen und sie für Infektionen anfällig machen könnten“, sagt Professor Neurath. „Zudem können wir den weiteren Krankheitsverlauf anhand der Heilung der Schleimhaut im Darm besser abschätzen.“ Über neueste Erkenntnisse zur Therapie der CED spricht Professor Neurath auf dem 119. Internistenkongress, der vom 6. bis 9. April 2013 in Wiesbaden stattfindet.

Literatur:
Neurath MF, Travis SP. Mucosal healing in inflammatory bowel diseases: a systematic review. Gut 2012 Nov;61(11):1619–35.

Terminhinweis:

119. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)
6. bis 9. April 2013, Rhein-Main-Hallen Wiesbaden

Plenarsitzung „Infektion, Organentzündung und Systementzündung“
Vortrag: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: von der Pathophysiologie zu neuen Therapieansätzen
Referent: Professor Markus Neurath, Erlangen
Termin: Dienstag, 9. April 2013, 12.00 bis 13.30 Uhr
Ort: Halle 1, Rhein-Main-Hallen Wiesbaden

Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)
Pressestelle
Anna Julia Voormann/Corinna Spirgat
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-552
Fax: 0711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgim.de
http://www.dgim2013.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Proteomik hilft den Einfluss genetischer Variationen zu verstehen
27.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE