Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Entdeckung eines neuen Moleküls für die Regeneration von Nervenzellen

29.07.2011
Wissenschaftler des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung (HIH) am Universitätsklinikum Tübingen haben einen molekularen Mechanismus entdeckt, der die Regenerationsfähigkeit verletzter Nervenzellen kontrolliert. Aus dieser Erkenntnis könnte ein neuer Behandlungsansatz unter anderem für querschnittsgelähmte Menschen entstehen. (Brain, Juli 2011)

Nach einer Schädigung des Zentralen Nervensystems (ZNS), zum Beispiel durch eine Verletzung des Gehirns, des Rückenmarks oder durch einen Schlaganfall, entsteht im Gehirn oder Rückenmark eine für Nervenzellen regenerationsfeindliche Umgebung unter anderem durch Narbenbildung. Außerdem fehlt den adulten ZNS-Nervenzellen - genetisch bedingt - die Fähigkeit nachzuwachsen. Eine neuronale Regeneration und funktionelle Wiederherstellung des ZNS ist somit ausgeschlossen. So bleiben beispielsweise Lähmungen in Folge einer Rückenmarksverletzung bestehen.

Dr. Perrine Gaub und Dr. Simone Di Giovanni vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) im Universitätsklinikum Tübingen untersuchten das epigenetische Molekül p300. Es reguliert den Komplex aus DNA und Proteinen in der Nähe von Genen und beeinflusst die Umsetzung der genetischen Information in die Ausprägung der Nervenzellen (Genexpression). Nach einer Schädigung der Nervenfortsätze (Axone), beispielsweise durch Verletzungen des Gehirns, des Rückenmarks oder durch einen Schlaganfall, ist dieses Programm zur Genexpression inaktiv. Die Tübinger Wissenschaftler wiesen erstmals nach, dass ein epigenetisches Molekül wie p300 das nach einer Schädigung des Nervenfortsatzes inaktive Programm zur Genexpression in Nervenzellen wieder aktivieren kann. Sie entdeckten damit einen molekularen Mechanismus, der die Regenerationsfähigkeit verletzter Nervenzellen kontrolliert.

Die Autoren bedienten sich eines viralen Ansatzes in einem Mausmodell: Die virale Lieferung von p300 in den geschädigten Sehnerv des Mausmodells führte zu einer deutlichen Regeneration des Nervenfortsatzes. Die Verstärkung der Expression durch eine erhöhte Verabreichung von p300 könnte demnach ein neuer Ansatz für eine regenerative Behandlung bei Verletzungen des Rückenmarks oder Gehirns darstellen, so die Vermutung der Forscher.

„Für Vorhersagen zu einer klinischen Anwendung von p300 ist es noch zu früh. Aber ein verbessertes Wachstum der Nervenfortsätze könnte die neurologische Funktion nach Gehirn- oder Rückenmarksverletzungen verbessern,“ so Dr. Simone Di Giovanni.

Originaltitel der Publikation in Brain:
The histone acetyltransferase p300 promotes intrinsic axonal regeneration.
Autoren: Perrine Gaub, Yashashree Joshi, Ulrike Naumann, Sven Schnichels, Peter Heiduschka, Simone Di Giovanni.
Brain (2011) 134 (7): 2134-2148.
doi: 10.1093/brain/awr142
Kontakte:
Universitätsklinikum Tübingen, Zentrum für Neurologie
Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)
Dr. Simone Di Giovanni
Tel: 07071-29-80449
Mail: simone.digiovanni@medizin.uni-tuebingen.de
Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)
Externe Pressestelle:
Kirstin Ahrens
Tel.: 07073-500 724, Mobil: 0173 – 300 53 96
Mail : mail@kirstin-ahrens.de
Universitätsklinikum Tübingen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Claudia Löwe
Telefon: 07071-2981020
Mail: Claudia.loewe@med.uni-tuebingen.de

Kirstin Ahrens | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-tuebingen.de
http://www.hih-tuebingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie