Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Endokrinologen warnen: Selen schützt nicht vor Herzkreislauferkrankungen

12.02.2013
- Selen schützt nicht vor Herzkreislauferkrankungen
- Spurenelemente nur nach ärztlicher Beratung einnehmen
Selen schützt nicht vor Herzkreislauferkrankungen. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) anlässlich einer aktuellen Meta-Analyse hin. Darüber hinaus besteht anscheinend ein Zusammenhang von Seleneinnahme und erhöhtem Diabetesrisiko, so die DGE weiter. Möglicherweise besteht jedoch eine positive Wirkung dieses Spurenelementes bei bestimmten Schilddrüsenerkrankungen, betont die Fachgesellschaft. Ähnlich wie bei der Einnahme von Vitamin D und Kalzium sollten Patienten sich in jedem Fall vorher ärztlich beraten lassen.

Mikronährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe sind lebensnotwendig und heutzutage auch in Form von Nahrungsergänzungsmitteln weit verbreitet. Das Spurenelement Selen schützt nicht nur die Zellmembran, sondern ist auch an der Regelung des Stoffwechsels beteiligt. Menschen nehmen Selen über die Nahrung auf – Fleisch, Meeresfrüchte, Fisch sowie Milch- und Getreideprodukte sind reich an Selen. „Ein Selenmangel ist – ähnlich wie ein Vitamin-D-Mangel – in den vergangenen Jahren mit einer Vielzahl von Erkrankungen in Verbindung gebracht worden“, berichtet Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz, Mediensprecher der DGE aus Bochum. Dazu zählen Fehlgeburten, Unfruchtbarkeit bei Männern, Gemütsschwankungen, Alzheimer, Herzkreislauferkrankungen und entzündliche Gelenkerkrankungen. Professor Schatz stellt jedoch fest: „Einen Beleg, dass die Einnahme von Selen diese Erkrankungen verhindern oder bessern kann, gab und gibt es nicht.“
Für Herzerkrankungen liegt jetzt eine aktuelle Analyse der renommierten Cochrane-Institution über zwölf randomisierte, kontrollierte Studien mit annähernd 20 000 Teilnehmern vor. Diese ergab keinen vorbeugenden Effekt einer Selen-Gabe. Professor Schatz ergänzt: „In mit Selen gut versorgten Regionen der Erde wie in den USA oder auch bei uns, ist eine Selenzufuhr zur kardiovaskulären Prävention offenbar ohne Effekt. Ein Selenmangel ist bei uns höchstens bei Veganern oder künstlich ernährten Menschen zu finden.“ Eine weitere Studie habe gezeigt, dass unter Selengabe das Risiko für Diabetes Typ 2 bis auf das Dreifache steigen kann. Ähnliches ergaben auch schon frühere Studien.

Viele Endokrinologen setzen Selen therapeutisch bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse wie der Hashimoto-Thyreoiditis ein. „Selen dient als Baustein bestimmter Enzyme, welche bei der Produktion der Schilddrüsenhormone beteiligt sind“, erläutert Professor Schatz. Aber auch hier ist die Beweislage für die Notwendigkeit einer Selengabe nach Einschätzung des Experten nicht gesichert: „Dafür müssen dringend prospektive, kontrollierte Therapiestudien mit Selen im Vergleich zu Placebo an einer größeren Anzahl von Patienten durchgeführt werden.“

Gesunde Menschen benötigen keine Selenpräparate, erklärt der DGE-Mediensprecher. Eine Einnahme ohne Grund könnte sogar schädlich sein. Zu viel Selen kann eine Selenvergiftung, die Selenose, bewirken. Die Symptome sind laut Professor Schatz Magendarmbeschwerden, Haarausfall, Nagelveränderungen, Abgeschlagenheit, Reizbarkeit und Nervenirritationen. Ähnlich sei es auch mit der ärztlich nicht begründeten Zufuhr höherer Dosen von Kalzium. Hier steige bei Männern das Risiko, an Herzkreislauferkrankungen zu sterben, um 20 Prozent, erläutert der Experte aus Bochum, bezugnehmend auf eine neue Studie an knapp 400 000 Menschen aus den USA. „Weniger ist mehr“, das gelte auch im Fall dieser Nahrungsergänzungsmittel, so Professor Schatz.

Literatur:
K. Rees et al.: Selenium supplementation for primary prevention of cardiovascular disease. Cochrane Database Syst Rev 2013; DOI:10.1002/14651858.CD009671.pub2. Abstract, Feb 01, 2013-02-03
Rayman MP. Selenium and human health. Lancet 2012; 379: 1256–68, Abstract

Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
Dagmar Arnold
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-380
Fax: 0711 8931-984
arnold@medizinkommunikation.org

Dagmar Arnold | idw
Weitere Informationen:
http://www.endokrinologie.net

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Forscher entdecken neues Gen für erblichen Darmkrebs
29.07.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Chemosaturation: Neue hocheffektive, minimal-invasive Therapie am UKL in Anwendung
28.07.2016 | Universitätsklinikum Leipzig AöR

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Bildgebungsmethode macht Sauerstoffgehalt in Gewebe sichtbar

Wie blickt man in den menschlichen Körper, ohne zu operieren? Die Suche nach neuen Lösungen ist nach wie vor eine wichtige Aufgabe der Medizinforschung. Eine der großen Herausforderungen auf diesem Feld ist es, Sauerstoff in Gewebe sichtbar zu machen. Ein Team um Prof. Vasilis Ntziachristos, Inhaber des Lehrstuhls für Biologische Bildgebung an der Technischen Universität München (TUM) und Direktor des Instituts für Biologische und Medizinische Bildgebung am Helmholtz Zentrum München, hat dazu einen neuen Ansatz entwickelt.

Einen Königsweg, um den Sauerstoffgehalt in Gewebe sichtbar zu machen, schien es bislang nicht zu geben. Viele unterschiedliche Verfahren wurden ausprobiert,...

Im Focus: Wie biologische Vielfalt das Ohr fit macht

Göttinger Hörforschung mit neuen Erkenntnissen: Das Ohr setzt Synapsen mit verschiedenen Eigenschaften ein, um unterschiedlich lauten Schall zu verarbeiten. Forschungsergebnisse veröffentlicht in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“

Der menschliche Hörsinn verarbeitet einen immensen Bereich an Lautstärken. Wie schafft es das Ohr, etwa über eine Million Schalldruck-Variationen zu...

Im Focus: Ultrakompakter Photodetektor

Der Datenverkehr wächst weltweit. Glasfaserkabel transportieren die Informationen mit Lichtgeschwindigkeit über weite Entfernungen. An ihrem Ziel müssen die optischen Signale jedoch in elektrische Signale gewandelt werden, um im Computer verarbeitet zu werden. Forscher am KIT haben einen neuartigen Photodetektor entwickelt, dessen geringer Platzbedarf neue Maßstäbe setzt: Das Bauteil weist eine Grundfläche von weniger als einem Millionstel Quadratmillimeter auf, ohne die Datenübertragungsrate zu beeinträchtigen, wie sie im Fachmagazin Optica nun berichten. (DOI: 10.1364/OPTICA.3.000741)

Die neuentwickelten Photodetektoren, die weltweit kleinsten Photodetektoren für die optische Datenübertragung, eröffnen die Möglichkeit, durch integrierte...

Im Focus: Self-assembling nano inks form conductive and transparent grids during imprint

Transparent electronics devices are present in today’s thin film displays, solar cells, and touchscreens. The future will bring flexible versions of such devices. Their production requires printable materials that are transparent and remain highly conductive even when deformed. Researchers at INM – Leibniz Institute for New Materials have combined a new self-assembling nano ink with an imprint process to create flexible conductive grids with a resolution below one micrometer.

To print the grids, an ink of gold nanowires is applied to a substrate. A structured stamp is pressed on the substrate and forces the ink into a pattern. “The...

Im Focus: Neues Forschungsnetzwerk für Mikrobiomforschung

Mikroben und Viren haben weitreichenden Einfluss auf die Gesundheit von Mensch und Tier. Die neu gegründete "Austrian Microbiome Initiative" (AMICI) fördert die nationale Mikrobiomforschung und vernetzt MedizinerInnen und ForscherInnen verschiedenster Fachrichtungen zur Nutzung von Synergien.

Bakterien, Archaeen, Pilze, Viren – Milliarden von Mikroorganismen leben in Symbiose in und auf Menschen und Tieren. Diese mikroskopisch kleinen Lebewesen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

BAuA lädt zur Konferenz „Arbeiten im Büro der Zukunft“ ein

29.07.2016 | Veranstaltungen

Fachkongress zu additiven Fertigungsverfahren am 14. und 15. September in Aachen

28.07.2016 | Veranstaltungen

Rheumatologen tagen in Frankfurt: Mehr Forschung für Rheuma gefordert

28.07.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forschung gibt Impulse für Innovationen

29.07.2016 | Förderungen Preise

Molekulare Störenfriede statt Antibiotika? Wie Proteine Kommunikation zwischen Bakterien verhindern

29.07.2016 | Biowissenschaften Chemie

Internationales Forscherteam deckt grundlegende Eigenschaften des Spin-Seebeck-Effekts auf

29.07.2016 | Physik Astronomie