Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Elementare Forschungserkenntnisse für neue Therapie bei Nierenversagen durch EHEC kommen aus Innsbruck

30.05.2011
Ein Innsbrucker Forscherteam um Univ.-Prof. Reinhard Würzner, bestehend aus ÄrztInnen und WissenschafterInnen der Sektion für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie und der Univ.-Klinik für Pädiatrie I, war maßgeblich an der Entwicklung einer neuen Therapie gegen das Nierenversagen bei EHEC beteiligt. Das aus Prof. Würzners Antikörper hervorgegangene, weiterentwickelte Medikament wird derzeit in Deutschland in der Therapie gegen das durch EHEC hervorgerufene Nierenversagen bei einigen PatientInnen eingesetzt.

„Bei vielen Infektionskrankheiten im Endstadium ist für einen fatalen Ausgang weniger der auslösende Erreger, als vielmehr die überschießende Reaktion des Immunsystems verantwortlich“, weiß der Mikrobiologe und Immunologe Reinhard Würzner.


EHEC Bakterien bleiben im Darm (englisch: "gut"), die Toxine (Sterne) werden aber ins Blut aufgenommen und zerstören direkt die Niere. Ein überschießendes Komplementsystem zerstört die Niere aber ebenso. Innsbrucker Forscher haben nun nachgewiesen, dass die Toxine das Komplementsystem direkt aktivieren (blauer Pfeil) und auch dessen Kontrolle zerstören (rot). Beides führt zur verstärkten Aktivierung und Zerstörung der Niere. Eculizumab kann dies blockieren (grüner Balken). Bildrechte: Medizinische Universität Innsbruck

Das Komplementsystem ist ein wichtiger Bestandteil dieses Immunsystems. Die aktuelle Forschung kennt zahlreiche angeborene Mutationen bei Regulatoren im Komplementsystem. Diese mutierten Regulatoren können das Komplementsystem nicht mehr richtig kontrollieren. Die daraus folgende überschießende Reaktion zerstört die Niere und führt zu einem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS), das man „atypisch“ nennt, wenn es vorher keine EHEC-Infektion gab. Beide HUS-Typen - das typische wie das atypische - zeigen einen ähnlichen klinischen Verlauf, unterscheiden sich aber in ihren Ursachen: einerseits durch eine angeborene Mutation, andererseits durch eine EHEC-Infektion. Forschungsergebnisse aus der Medizinischen Universität Innsbruck zur Behandlung des atypischen HUS könnten nun auch für die Therapie gegen das EHEC-induzierte HUS relevant und erfolgversprechend sein.

Bedeutungsvolles Komplementsystem

Bereits vor 20 Jahren gelang es Reinhard Würzner - damals noch in Göttingen und Cambridge - einen Antikörper zu entwickeln und zu charakterisieren, der das Komplementsystem blockiert. Dieser Antikörper wurde „humanisiert“ und ist der Prototyp des inzwischen zugelassenen Medikaments Eculizumab.

Das Medikament wurde zur Blockade des Komplementsystems jahrelang erfolgreich bei PNH (paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie - ebenfalls eine Nierenerkrankung mit Komplementbeteiligung) eingesetzt.

Da nun Eculizumab bei PNH wirkt und das atypische HUS ebenso eine überschießende zerstörerische Komplementaktivierung zeigt, setzte der im letzten Jahr verstorbene Direktor der Pädiatrie I, Prof. Lothar Bernd Zimmerhackl, diesen Antikörper nach gründlicher Abwägung innerhalb der gemeinsamen Forschungsgruppe schließlich auch erfolgreich bei einem kleinen Jungen ein, der an einem, durch eine solche Mutation ausgelösten HUS leidet.

Zuversichtliche Prognose dank Antikörpertherapie

Aus Innsbruck kam nun auch der zweite fehlende Baustein für die Wirkung der Antiköpertherapie: Obwohl das typische HUS durch die Toxine des EHEC-Bakteriums ausgelöst wird, wird auch hier das Komplementsystem verstärkt aktiviert und zugleich schwächer kontrolliert. Damit ist die Voraussetzung gegeben, dass auch das EHEC-HUS mit diesem Antikörper therapiert werden könnte. Erst kürzlich konnten ÄrztInnen und WissenschafterInnen aus Montreal, Paris und Heidelberg zeigen, dass dies auch in der Praxis funktioniert. „Vor diesem Hintergrund wird diese Therapie nun verstärkt in Deutschland eingesetzt und wir sind zuversichtlich, dass der Einsatz der Antikörper zu einer geringeren Todesrate führen könnte“, betont Würzner.

HUS-Weltkongress in Innsbruck

Univ.-Prof. Würzner kann sich in seiner Forschungsarbeit auf ein engagiertes Team aus sieben Ärzten und drei Wissenschaftlern aus der Sektion für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie (Direktorin: Univ.-Prof.in Cornelia Lass-Flörl) und der Univ.-Klinik für Pädiatrie I (Interimistische Leitung: ao. Univ.-Prof.in Elisabeth Steichen-Gersdorf) verlassen. Dieses interdisziplinäre und institutsübergreifende Team hielt Anfang letzter Woche einen HUS-Weltkongress im Hotel Grauer Bär in Innsbruck ab.

Details zur Medizinischen Universität Innsbruck
Die Medizinische Universität Innsbruck mit ihren rund 1.800 MitarbeiterInnen und ca. 2.800 Studierenden ist gemeinsam mit der Universität Innsbruck die größte Bildungs- und Forschungseinrichtung in Westösterreich und versteht sich als Landesuniversität für Tirol, Vorarlberg, Südtirol und Liechtenstein. An der Medizinischen Universität Innsbruck werden drei Studienrichtungen angeboten: Humanmedizin und Zahnmedizin als Grundlage einer akademischen medizinischen Ausbildung und das PhD-Studium (Doktorat) als postgraduale Vertiefung des wissenschaftlichen Arbeitens. Neu im Studienplan ab Herbst 2011 ist das Bachelor-Studium der Molekularen Medizin.

Die Medizinische Universität Innsbruck ist in zahlreiche internationale Bildungs- und Forschungsprogramme sowie Netzwerke eingebunden. In der Forschung liegen die Schwerpunkte im Bereich der Molekularen Biowissenschaften (u.a. bei dem Spezialforschungsbereich „Zellproliferation und Zelltod in Tumoren“, Proteomik-Plattform), der Neurowissenschaften, der Krebsforschung sowie der molekularen und funktionellen Bildgebung. Darüber hinaus ist die wissenschaftliche Forschung an der Medizinischen Universität Innsbruck in der hochkompetitiven Forschungsförderung sowohl national auch international sehr erfolgreich.

Für Rückfragen:

Ao. Univ.-Prof. Reinhard Würzner
Sektion für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie
Medizinische Universität Innsbruck
Telefon: +43 512 9003 70707
E-Mail: Reinhard.Wuerzner@i-med.ac.at
Mag.a Doris Heidegger
Öffentlichkeitsarbeit (Leiterin Mag. Amelie Döbele)
Medizinische Universität Innsbruck
Innrain 52, 6020 Innsbruck, Austria
Telefon: +43 512 9003 70083
doris.heidegger@i-med.ac.at
public-relations@i-med.ac.at

Doris Heidegger | Med. Universität Innsbruck
Weitere Informationen:
http://www.i-med.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie