Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Elektroden im Gehirn bei Parkinson langfristig besser als Medikamente

10.11.2011
Neurophysiologen empfehlen Tiefen Hirnstimulation

Bei Parkinson-Patienten im fortgeschrittenen Stadium kann die Wirkung der Medikamente nachlassen. Dann stellen neurophysiologische Therapien wie die sogenannte Tiefen Hirnstimulation eine gute Behandlungsalternative dar. Das Verfahren kommt bislang an wenigen Universitätskliniken bei langjährig erkrankten und besonders schwer betroffenen Parkinson-Patienten zum Einsatz.

Dabei implantieren Neurochirurgen unter örtlicher Betäubung Elektroden in jenen Hirnbereich, der für das typische Zittern bei Parkinson mitverantwortlich ist. Einige Patienten leben mittlerweile seit zehn Jahren oder länger mit dem Gerät, oft mit gleichbleibender Linderung der Symptome. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) anlässlich einer aktuellen Studie hin.

In Deutschland leiden etwa 250 000 Menschen an Morbus Parkinson. Zwar hat die medikamentöse Therapie die Lebensqualität Betroffener heute erheblich verbessert. Jedoch nimmt die Zahl der funktionstüchtigen Nervenzellen mit der Zeit ab, so dass die übliche Medikamentendosis nicht mehr zuverlässig wirkt: Die Beweglichkeit lässt nach, der Patient zeigt häufiger Steifheit oder der Köper beginnt vermehrt zu zittern. „Die Tiefe Hirnstimulation ist bei Patienten mit Morbus Parkinson im mittleren und späteren Stadium auch langfristig eine sehr gute Therapieoption“, sagt Professor Dr. med. Lars Timmermann aus der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Köln.

Bei der Methode stimulieren Neurophysiologen über eine elektrische Sonde die betroffenen Zentren im Großhirn. Die Impulse erzeugt ein Steuergerät, das wie ein Herzschrittmacher unter die Haut eingepflanzt wird. Stärke und Frequenz können Neurophysiologen jederzeit an die Bedürfnisse des Patienten anpassen. „Mit der Tiefen Hirnstimulation können wir die Erkrankung nicht vollständig heilen“, so Professor Timmermann. Aber bei Patienten, bei denen die Medikamente nicht mehr ausreichend wirken, lindere die Tiefe Hirnstimulation die Symptome auch noch nach vielen Krankheitsjahren zuverlässig.

Das zeige auch eine aktuelle Langzeitstudie. In der Studie untersuchten Ärzte 18 Patienten ein, fünf und zehn Jahre nach der Implantation des Gerätes. Um die Wirkung der Tiefen Hirnstimulation zu testen, wurde das Steuergerät probeweise ab- und angeschaltet. „Die Ergebnisse der Studie aus Toronto sind beeindruckend, decken sich aber mit unseren deutschen klinischen Erfahrungen“, so Timmermann. Auch zehn Jahre nach der Operation seien Zittern und Langsamkeit durch den Hirnschrittmacher fast so gut therapiert wie im ersten Jahr nach der Implantation, erklärt Timmermann die Ergebnisse der Studie. „Diese langfristige Verbesserung der Lebensqualität im Alltag ist für Menschen mit Parkinson besonders wichtig“, so der Neurophysiologe. Für lang erkrankte Patienten eröffne die Tiefen Hirnstimulation deshalb gute Perspektiven.

Ein Erfolg der Tiefen Hirnstimulation sei jedoch nicht garantiert und hängt von einer sehr sorgfältigen Auswahl und Beratung der Patienten vor der Operation sowie einem gut trainierten Team aus Neurophysiologen, -chirurgen, Neurologen und Anästhesisten ab, so Timmermann.

Quelle:
Castrioto A, Lozano AM, Poon YY, Lang AE, Fallis M, Moro E.
Ten-Year Outcome of Subthalamic Stimulation in Parkinson Disease: A Blinded Evaluation. Arch Neurol. 2011; doi: 10.1001/archneurol.2011.182

Kontakt für Rückfragen/Interviewanfragen:

Pressestelle DGKN
Kathrin Gießelmann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-981
Fax: 0711 8931-167
giesselmann@medizinkommunikation.org

Kathrin Gießelmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgkn.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Seminar „Leichtbau im Automobil- und Maschinenbau“ im Haus der Technik Berlin am 16. - 17. Januar 2018

23.11.2017 | Seminare Workshops

Biohausbau-Unternehmen Baufritz erhält von „ Capital“ die Auszeichnung „Beste Ausbilder Deutschlands“

23.11.2017 | Unternehmensmeldung