Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eiweißreiches Essen lässt Leberfett schmelzen

28.10.2016

Wie eine neue Ernährungsstudie unter Führung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) zeigt, verringert eiweißreiches Essen innerhalb von sechs Wochen bei Menschen mit Typ-2-Diabetes das Leberfett um bis zu 48 Prozent. Dabei war es egal, ob die Kost vorwiegend auf pflanzlichem oder tierischem Eiweiß basierte. Das Wissenschaftlerteam um Mariya Markova, Olga Pivovarova, Silke Hornemann und Andreas F. H. Pfeiffer vom DIfE, einem Partner des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD), veröffentlichte seine Ergebnisse jetzt in der Fachzeitschrift Gastroenterology (Markova et al. 2016; DOI: http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2016.10.007).

Die nichtalkoholische Fettlebererkrankung ist in Europa und den USA die häufigste chronische Lebererkrankung. „Unbehandelt ist die Fettleber ein Schrittmacher des Typ-2-Diabetes und kann in eine Leberzirrhose übergehen, die lebensbedrohliche Folgen haben kann“, erklärt Studienleiter Andreas F. H. Pfeiffer vom DIfE. „Gemeinsam mit unseren Partnern effektive Ernährungsstrategien zu entwickeln, die der Erkrankung vorbeugen, ist daher wichtiger denn je, da die Zahl der Betroffenen steigt“, so der Ernährungsmediziner weiter.


Linsen sind Hülsenfrüchte und enthalten sehr viel Eiweiß.

DIfE


Erbsen sind Hülsenfrüchte und enthalten sehr viel Eiweiß.

DIfE

Verschiedene Studien haben weltweit bereits die Effekte eiweißreicher Diäten auf den menschlichen Stoffwechsel untersucht. In vielen dieser Untersuchungen beobachteten Wissenschaftler günstige Effekte auf das Körpergewicht, den Leberfettgehalt, die Blutfettwerte, den Langzeit-Blutzuckerspiegel und den Erhalt der Muskelmasse. Allerdings kamen auch einige der Untersuchungen zu dem Schluss, dass eine hohe Eiweißzufuhr die Insulinwirkung vermindern und die Nierenfunktion belasten kann.

Da sich somit sowohl positive als auch negative Effekte beobachten ließen, stellte sich für die Forscher des DIfE die Frage, ob die Eiweißquelle für die jeweilige Wirkung entscheidend ist. Daher untersuchten sie in der aktuellen Studie die Effekte von zwei eiweißreichen Diäten* auf den Stoffwechsel von 37 weiblichen und männlichen Studienteilnehmern im Alter zwischen 49 und 78 Jahren, die an einem Typ-2-Diabetes erkrankt waren und in den meisten Fällen auch an einer Fettleber litten.

Die beiden Kostformen unterschieden sich lediglich in den Eiweißquellen, die entweder hauptsächlich pflanzlichen oder tierischen Ursprungs waren. Damit das Gewicht der Teilnehmer während der gesamten Untersuchung stabil blieb und nicht eine eventuelle Gewichtsabnahme das Ergebnis beeinflussen konnte, stimmten die Wissenschaftler den Energiegehalt der Diät individuell auf jede Person ab. Welche der beiden Kostformen ein Teilnehmer einhalten musste, entschieden die Wissenschaftler nach dem Zufallsprinzip. Hauptquelle für das pflanzliche Eiweiß waren vom Institut für Getreideverarbeitung (IGV) speziell für die Studie angefertigte Lebensmittel, die mit Erbsenprotein angereichert waren, zum Beispiel Nudeln oder Brot. Dagegen nutzten die Studienteilnehmer, die viel tierisches Eiweiß aufnehmen sollten, magere Milchprodukte sowie weißes Fleisch und Fisch als Eiweißquellen.

„Wie unsere Ergebnisse zeigen, profitierten alle Studienteilnehmer von der eiweißreichen Kost, egal ob sie auf pflanzlichem oder tierischem Eiweiß basierte. Negative Effekte auf die Nierenfunktion oder den Zuckerstoffwechsel beobachteten wir nicht“, sagt Erstautorin Markova. „Das Leberfett nahm deutlich ab, bei der Hälfte der Studienteilnehmer sogar um mehr als 50 Prozent. Damit verbunden beobachteten wir günstige Veränderungen des Leber- und Fettstoffwechsels, eine verbesserte Insulinempfindlichkeit der Teilnehmer und zudem eine deutliche Abnahme des Botenstoffs fibroblast growth factor 21 im Blut“, ergänzt Olga Pivovarova, die neben Mariya Markova federführend zur aktuellen Studie beigetragen hat.

Die Funktion des von der Leber und Muskulatur ins Blut abgegebenen Botenstoffs sei noch nicht hinreichend geklärt und die Ergebnisse daher nicht ganz leicht zu interpretieren, so die Wissenschaftlerin weiter. Bisherige Untersuchungen wiesen aber darauf hin, dass das Hormon verschiedene Organe und das Fettgewebe beeinflusse. Besonders bei übergewichtigen Menschen fänden sich hohe Konzentrationen im Blut. Nicht zuletzt ließen andere, aber auch die eigenen Studienergebnisse annehmen, dass die Hormonkonzentration auch von der Art und Menge der verzehrten Makronähstoffe abhängt, ergänzt Studienärztin Silke Hornemann.

„Letztendlich sind größere und längere Studien notwendig, um die der Beobachtung zu Grunde liegenden Stoffwechselmechanismen besser zu verstehen, um die Langzeiteffekte zu untersuchen und um zu prüfen, ob auch jüngere Patienten von der Ernährungsumstellung profitieren würden“, sagt Pfeiffer. „Denn die von uns in der Studie beobachteten günstigen Effekte könnten auch altersabhängig sein, da die Studienteilnehmer im Schnitt das 60. Lebensjahr überschritten hatten.

Sofern keine Nierenerkrankungen vorliegen, spielt eine ausreichende Eiweißversorgung besonders in dieser Altersgruppe eine wichtige Rolle, wenn man zum Beispiel an die mit dem Alter oft einhergehende Abnahme der Muskelmasse denkt“, so der Mediziner weiter. Es bestünde also noch viel Forschungsbedarf, auch um die beteiligten hormonellen Regulationsmechanismen besser zu verstehen. Abschließend könne man jedoch sagen, dass, ausgehend von den Beobachtungen und unter Berücksichtigung umweltrelevanter Aspekte, Verbraucher bevorzugt pflanzliche Lebensmittel zur Eiweißversorgung nutzen sollten.

Hintergrundinformationen:

* In beiden Diäten trug der jeweilige Eiweißanteil zu 30 Prozent zur Energiezufuhr bei. Der Anteil der Kohlenhydrataufnahme lag bei 40 und jener der Fettzufuhr bei 30 Prozent der Energiezufuhr. Die betreuenden Ernährungsberater achteten zudem in beiden Gruppen auf eine gleichmäßige Aufnahme der gesättigten, einfach- und mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Vor der Ernährungsumstellung der Studienteilnehmer trug der Eiweißanteil ihrer Nahrung durchschnittlich zu 17 Prozent zur Energieaufnahme bei, der Anteil der Kohlenhydrate zu 42 Prozent und der Fettanteil zu 41 Prozent.

Lebensmittel wie mageres Fleisch, Fisch, Eier und fettarme Milchprodukte sind genau wie Hülsenfrüchte (z. B. Erbsen, Bohnen, Linsen), Nüsse und Mandeln sehr eiweißreich. Nach dem Bundeslebensmittelschlüssel enthalten 100 Gramm gebratene Putenbrust 25,2 Gramm Eiweiß und 100 Gramm getrocknete grüne Erbsen 22,9 Gramm.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen, täglich 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht aufzunehmen. Das bedeutet zum Beispiel bei einem Körpergewicht von 60 Kilo 48 Gramm Eiweiß pro Tag (Quelle DGE).

Die aktuelle Studie wurde mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sowie des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) unterstützt. Die Autoren gaben in der aktuellen Publikation keine Interessenskonflikte an.

Link zur Publikation: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0016508516352295

Isocaloric Diets High in Animal or Plant Protein Reduce Liver fat and Inflammation in Individuals with Type 2 Diabetes.
Markova M, Pivovarova O, Hornemann S, Sucher S, Frahnow T, Wegner K, Machann J, Petzke KJ, Hierholzer J, Lichtinghagen R, Herder C, Carstensen-Kirberg M, Roden M, Rudovich N, Klaus S, Thomann R, Schneeweiss R, Rohn S, Pfeiffer AF.
Gastroenterology. 2016 Oct 17. pii: S0016-5085(16)35229-5. doi: 10.1053/j.gastro.2016.10.007.

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsassoziierter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Ursachen und Folgen des metabolischen Syndroms, einer Kombination aus Adipositas (Fettsucht), Hypertonie (Bluthochdruck), Insulinresistenz und Fettstoffwechselstörung, die Rolle der Ernährung für ein gesundes Altern sowie die biologischen Grundlagen von Nahrungsauswahl und Ernährungsverhalten. Das DIfE ist zudem ein Partner des 2009 vom BMBF geförderten Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD). Mehr Informationen unter http://www.dzd-ev.de.

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 88 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen - u.a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 18.100 Personen, darunter 9.200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,6 Milliarden Euro. Mehr Informationen unter http://www.leibniz-gemeinschaft.de.


Kontakt:

Prof. Dr. Andreas F. H. Pfeiffer
Abteilung Klinische Ernährung
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49 (0)33200 88-2771
Tel.: +49 (0)30 450514-422
E-Mail: afhp@dife.de
E-Mail: afhp@charite.de


Dr. Olga Pivovarova
Abteilung Klinische Ernährung
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49 (0)33200 88-2749
E-Mail: olga.pivovarova@dife.de

Mariya Markova
Abteilung Klinische Ernährung
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49 (0)33200 88-2796
E-Mail: Mariya.Markova@dife.de

Silke Hornemann
Abteilung Klinische Ernährung
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49 (0)33200 88-2791
E-Mail: Silke.Hornemann@dife.de

Pressekontakt:

Dr. Gisela Olias
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Tel.: +49 33200 88-2278/-2335
E-Mail: olias@dife.de oder presse@dife.de
www.dife.de

Weitere Informationen:

http://www.dife.de/forschung/abteilungen/kurzprofil.php?abt=KLE Abteilung Klinische Ernährung am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)

Dr. Gisela Olias | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: DIfE Ernährung Ernährungsforschung Leibniz-Gemeinschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Medikamente mildern Mukoviszidose
23.01.2018 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Dreifachblockade am Glioblastom
23.01.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Optisches Nanoskop ermöglicht Abbildung von Quantenpunkten

Physiker haben eine lichtmikroskopische Technik entwickelt, mit der sich Atome auf der Nanoskala abbilden lassen. Das neue Verfahren ermöglicht insbesondere, Quantenpunkte in einem Halbleiter-Chip bildlich darzustellen. Dies berichten die Wissenschaftler des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel zusammen mit Kollegen der Universität Bochum in «Nature Photonics».

Mikroskope machen Strukturen sichtbar, die dem menschlichen Auge sonst verborgen blieben. Einzelne Moleküle und Atome, die nur Bruchteile eines Nanometers...

Im Focus: Optical Nanoscope Allows Imaging of Quantum Dots

Physicists have developed a technique based on optical microscopy that can be used to create images of atoms on the nanoscale. In particular, the new method allows the imaging of quantum dots in a semiconductor chip. Together with colleagues from the University of Bochum, scientists from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute reported the findings in the journal Nature Photonics.

Microscopes allow us to see structures that are otherwise invisible to the human eye. However, conventional optical microscopes cannot be used to image...

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

23.01.2018 | Veranstaltungen

Gemeinsam innovativ werden

23.01.2018 | Veranstaltungen

Leichtbau zu Ende gedacht – Herausforderung Recycling

23.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Lebensrettende Mikrobläschen

23.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

3D-Druck von Metallen: Neue Legierung ermöglicht Druck von sicheren Stahl-Produkten

23.01.2018 | Maschinenbau

CHP1-Mutation verursacht zerebelläre Ataxie

23.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics