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Einsamkeit führt zu Kälteempfinden

29.09.2008
Negative Erfahrungen wirken sich auch körperlich aus

Einsamkeit und ein Kältegefühl werden im alltäglichen Sprachgebrauch immer wieder in Zusammenhang gebracht. Psychologen der University of Toronto haben jetzt nachgewiesen, dass die soziale Isolation für diese Empfindung verantwortlich ist. Menschen, die sich ausgeschlossen fühlten, empfanden bei Tests einen Raum kälter als jene, die sich als Teil der Gruppe sahen.

Die sich als nicht zugehörig fühlten, wählten aus einem Speisenangebot auch eher eine wärmende Suppe als einen Apfel oder ein kaltes Getränk aus. Details der Studie wurden in dem Fachmagazin Psychological Science veröffentlicht.

Für das erste Experiment wurden 65 Studenten in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe sollte sich an eine persönliche Erfahrung erinnern, in der sie sich sozial ausgeschlossen, isoliert oder einsam gefühlt hatte. Dazu gehörte zum Beispiel die Nichtaufnahme in einen Club. Die zweite Gruppe sollte sich an die gegenteilige Erfahrung, die Aufnahme in eine Gemeinschaft erinnern. Alle Teilnehmer wurden gebeten, die Raumtemperatur zu schätzen. Die Schätzungen gingen von zwölf Grad bis zu 40 Grad. Jene, die sich an schlechte Erfahrungen erinnerten, gaben deutlich niedrigere Werte an.

In einem zweiten Experiment spielten die Studenten ein Ballspiel am Computer. Das Spiel war so programmiert, dass manche der Freiwilligen den Ball viel öfter zugespielt bekamen als andere. Anschließend wurden sie gebeten die Stärke ihres Wunsches nach einem heißen Kaffee, Keksen, Limonaden, einem Apfel oder einer heißen Suppe zu bewerten. Die "unbeliebten" Teilnehmer entschieden sich viel eher für den Kaffee oder die Suppe. Diese Vorliebe führen die Forscher auf ein körperliches Kältegefühl zurück, das durch das Ausgeschlossensein hervorgerufen wurde. Der leitende Wissenschaftler Chen-Bo Zhong betonte laut BBC, dass die Erfahrung des Ausgeschlossenseins einen Menschen im wahrsten Sinne des Wortes frieren lassen kann. Aus diesem Grund würden auch immer wieder Temperatur-Metaphern verwendet, um ein Zugehörigkeitsgefühl oder aber das Ausgeschlossensein zu beschreiben.

Diese Erkenntnisse sollten auch direkt beim Umgang mit Traurigkeit oder Einsamkeit berücksichtigt werden, so die Forscher. Es sei ein interessanter Forschungsgegenstand herauszufinden, ob die Wärme eines Objekts negative Gefühle relativieren könne. Derartige Ansätze kommen als Metaphern immer wieder in Selbsthilfe-Büchern vor. Die aktuellen Forschungsergebnisse legten jedoch nahe, dass eine warme Suppe tatsächlich dazu verhelfen könnte sich besser zu fühlen. Wenn man sich nicht gut fühlt, könnte es daher auch helfen, einfach die Raumtemperatur zu erhöhen, so die Schlussfolgerung.

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.utoronto.ca
http://www.blackwellpublishing.com/journal.asp?ref=0956-7976

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